Ein Sonnenkönig der Konsumenten

Matteo Cheda lanciert im Tessin bereits den dritten Konsumententitel innerhalb von sechs Jahren

Matteo Cheda lanciert im Tessin bereits den dritten Konsumententitel innerhalb von sechs JahrenVon Daniel Schifferle Ohne viel Lärm hat Matteo Cheda seit 1996 im Tessin zwei Konsumententitel aufgebaut. Jetzt kommt mit Scelgo Io bereits das dritte Heft. Erstaunlich: Trotz kleinem Südschweizer Markt und trotz fehlender Werbeeinnahmen schreibt das Zeitschriftenkonglomerat schwarze Zahlen.
Matteo Cheda macht vor, dass man auch im kleinen Tessiner Markt erfolgreich neue Printtitel etablieren kann. Sogar dann, wenn diese werbefrei sind und nur mit den Abo- und Einzelverkaufseinnahmen auskommen müssen. Anfang 1996 gründete er Spendere Meglio, bereits 1999 folgte L’Inchiesta. Jetzt, zwei Jahre später, rollt der dritte Südschweizer Konsumententitel von der Druckerpresse. Sein Titel: Scelgo Io. In diesen Tagen legt der neue Titel mit einer Startauflage von 150000 Exemplaren los, die in alle Tessiner Haushalte verteilt wird. Cheda rechnet damit, von Scelgo Io innert drei Jahren 10000 Exemplare abzusetzen.
Die Überlegung, die dem jüngsten Zeitschriftenbaby des Tessins Pate gestanden hatte: «Das Bedürfnis der Konsumenten nach noch mehr unabhängiger Konsumenteninformation wächst ständig», erklärt Cheda. Doch warum ein weiteres Heft und nicht Periodizität oder Seitenzahlen der bestehenden beiden Titel ausbauen, wie es bei anderen Printmedien üblich ist? Der Grund liege in der Bezahlbereitschaft der Abonnenten. «Mit einem Ausbau der bestehenden Hefte hätten auch deren Abopreise erhöht werden müssen», sagt Cheda. Dies wäre aber von einem Teil der Abonnenten nicht akzeptiert worden. «Deshalb haben wir uns zur Lancierung eines weiteren Titels entschlossen.»
Sich ergänzende Hefte bringen viele Doppelabonnenten
Cheda hat dieselbe Philosophie, die auch René Schuhmacher mit seinen Deutschschweizer Konsumententiteln verfolgt: mehrere Hefte, die aber unterschiedliche Themen behandeln und sich deshalb ergänzen. Aber auch hinsichtlich Erscheinungsbild und Umfang gleichen sich die Magazine wie ein Ei dem anderen. Auch Chedas Titel haben Tabloidformat und beschränken sich pro Ausgabe auf 32 Seiten Umfang, genau gleich wie K-Tipp oder Saldo. Und auch die Druckerei ist dieselbe (Ziegler Druck, Winterthur).
Die Unterschiede zeigen sich vor allem in der geringeren Periodizität. Denn jedes Heft von Cheda erscheint lediglich sechs- mal pro Jahr. Dies aber gestaffelt. Das heisst, wer alle drei Titel abonniert hat, hält rund alle 20 Tage ein neues und inhaltlich eigenständiges Konsumentenmagazin in den Händen.
Damit die ergänzende Rolle möglich ist, sind die drei Titel geringfügig unterschiedlich positioniert. So hat Scelgo Io den Fokus bei der Lebensqualität und stellt die Wahlfreiheit der Konsumenten in den Mittelpunkt. Gesundheit, Ernährung und Umweltthemen sind die zentralen Themen. Aber auch das Testwesen hat mit 10 bis 12 Seiten pro Ausgabe einen prominenten Platz in Scelgo Io. Spendere Meglio hingegen ist der klassische Konsumententitel. Sein Anspruch: den Konsumenten helfen, damit sie ihr Geld für die «richtigen Produkte» ausgeben und ihre Rechte als Konsument besser wahrnehmen können. Im Zentrum von Spendere Meglio stehen Vergleiche von Produkten und Dienstleistungen. L’Inchiesta weitet den Fokus zusätzlich auf behördliche und amtliche Willkür aus, wobei vor allem Missstände im Tessin aufgedeckt werden.
Dass die Positionierung als ergänzende Hefte bisher bestens funktioniert hat, spiegelt sich in der Anzahl der Doppelabonnenten. Laut Cheda hat «mehr als ein Drittel der Abonnenten von L’Inchiesta auch Spendere Meglio abonniert». Eine ähnliche Entwicklung erwartet er auch für Scelgo Io.
Vom Start weg schwarze Zahlen
Das Erstaunlichste an den Tessiner Konsumententiteln: Cheda hat sie nicht nur mit einem Minimum an Eigenkapital aufgebaut, sie schrieben auch vom Start weg schwarze Zahlen. «Sogar im Jahr der Lancierung von Spendere Meglio, das war 1996, habe ich als selbstständiger Journalist und Verleger mehr als 68000 Franken verdient», erinnert sich Cheda.
Doch wie schafft man das in einem Markt, der rund 17-mal weniger Einwohner hat als die Deutschschweiz? Möglich macht dies vor allem die Zusammenarbeit mit Schuhmachers KI Konsumenteninfo AG, von der ein grosser Teil der Inhalte zugekauft wird. So übernimmt etwa Spendere Meglio zwei Drittel der Heftinhalte von K-Tipp, Saldo und Puls-Tipp. Und auch bei L’Inchiesta und Scelgo Io machen die übernommenen Artikel und Tests beinahe die Hälfte der Heftinhalte aus. Nur Dank dieser Synergien ist es möglich, dass Cheda für alle drei Hefte mit lediglich fünf Journalistenstellen plus drei Mitarbeitenden in der Administration auskommt.
Herausgeberin der drei Tessiner Konsumententitel ist seit 1997 die Consumedia GmbH, die zu 100 Prozent Cheda gehört. Das heisst, Schuhmacher ist daran nicht beteiligt. Umgekehrt hält aber Cheda einen 20-Prozent-Anteil an Saldo. «Die Aktien und damit die Stimmrechte sind jedoch bei Schuhmacher geblieben», schränkt Cheda ein.
Eine Spezialität der Consumedia, die erstaunt, ist der Geschäftssitz. Dieser ist nicht in Bellinzona, wo die Verlags- und Redaktionsräumlichkeiten sind, sondern in Zürich. Das hat laut Cheda aber lediglich mit dem Gerichtsstand zu tun. Dieser spiele bei Konsumententiteln, die oft Klagen am Hals haben, eine wichtige Rolle. «Es ist deshalb besser, wenn ein unabhängiges Gericht ausserhalb des Tessins zuständig ist», erklärt Cheda.
Konsumententitel: Matteo Chedas Kleinimperium

Titel Start Abopreis AuflageSpendere Meglio Febr. 1996 28 Fr. 20 900
L’Inchiesta Nov. 1999 29 Fr. 14 200
Scelgo Io Jan. 2002 34 Fr. —

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