«Wir haben in die Zukunft investiert»

Christinger ist bei Marketeers vor allem für ihre diversen Signage-Lösungen im digitalen und klassischen Bereich bekannt. Durch Corona und den Lockdown waren einige Produkte der Firma plötzlich nicht mehr gefragt. Im Interview erzählt CEO Renato Bolt, wie er und sein Team mit Flexibilität und kontrazyklischen Investitionen reagiert haben.

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Werbewoche.ch: Renato Bolt, Hand aufs Herz: Wie ist Christinger bisher durch die Corona-Zeit gekommen?

Renato Bolt: Also, uns geht’s super (lacht). Nein, es wäre natürlich ein bisschen beschönigt, wenn ich sage, dass wir durch Corona keine Einbussen hatten. Die hatte doch jeder. Aber wir haben unser Bestes getan, um die Zeit als «kreative Phase» zu nutzen – das ist uns meiner Meinung nach auch gelungen.

 

Sie klingen positiv – obwohl doch einige Ihrer «klassischen» Signage-Lösungen in geschlossenen Geschäften oder leeren Innenstädten kaum eingesetzt werden konnten?

Wir mussten Anpassungen vornehmen, ja. Aber meinem Team und mir war es enorm wichtig, dass wir nicht irgendwelche Schnellschüsse lancieren, mit denen die Kunden nach der Corona-Krise dann nichts mehr anfangen können. Die neuen Produktlösungen, die wir in den vergangenen Wochen auf den Markt gebracht haben, sollen Hilfe in der Krise bieten – aber auch darüber hinaus verwendbar sein.

 

Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Da kann ich einige aufzählen. Ein Beispiel sind Stelen mit Desinfektions-Spendern, die Sie später auch als gewöhnliche Signage-Elemente verwenden können. Man muss bedenken, dass viele Kunden durch die aktuelle Situation zum ersten Mal in Berührung mit Signage-Tools kommen. Wenn das, was sie jetzt mit uns entwickeln, nach Corona in ihren normalen Geschäftsalltag integriert werden kann, dann ist das für beide Seiten positiv.

 

Haben Sie nebst dieser auf Langfristigkeit angelegten Strategie auch Produkte entwickelt, die für die momentane Situation massgeschneidert sind?

Ja. Hier haben wir uns auf bestehende Produktangebote konzentriert, welche wir den aktuellen Gegebenheiten angepasst haben. Bodenbeschriftungen für Indoor und Outdoor, die zum Abstand halten mahnen; Fahrkabinenschutz für den ÖV; Schaufensterbeschriftungen oder Trennwände für die Gastronomie.

 

Wie lange hat es gedauert, bis Sie mit diesen Produkten am Markt waren?

Wir haben zum Glück ein hervorragendes Team im Bereich Produktmanagement und Innovation, das Ideen entwickelt und mit bestehenden Angeboten verknüpft hat. Zum Teil sind von der Idee bis zur Produktion weniger als 24 Stunden vergangen. Da gab es dann für manche Personen ziemlich lange Arbeitstage. Ich bedanke mich an dieser Stelle ganz herzlich bei meinem Team für die tolle Unterstützung.

 

Der Druck in Ihrer Branche war schon vor Corona hoch. Ausländische Wettbewerber drängen übers Internet auf den Schweizer Markt, bieten teilweise Dumping-Preise an. Ist dieser Druck nun nochmal gestiegen?

Der Druck ist ganz klar spürbar und wird auch weiter ansteigen, davon gehe ich aus. Es kann für manche Kunden verlockend sein, ein stark verbilligtes Angebot zu nutzen. Aber wir merken immer häufiger, dass zuerst vermeintlich ein paar tausend Franken «gespart» werden und dann ist die Haltbarkeit des Produkts so gering oder die Qualität entspricht nicht den Anforderungen, so dass die Kunden sich dann doch an uns wenden. Und wir empfangen sie natürlich mit offenen Armen. Die aktuelle Lage zeigt doch, dass Swissness, Flexibilität, Geschwindigkeit und Qualität ein ganz klarer Vorteil sind, der für uns spricht. Und mir persönlich ist auch grösste Ehrlichkeit wichtig – dem Kunden also nur das zu versprechen, was man ihm garantieren kann.

 

Wenn Sie gerade den Punkt Qualität ansprechen: Dieser Tage verkünden Sie, dass Sie substanziell in ein neues LED-Hochleistungs-Digitaldrucksystem investiert haben. Ist das momentan nicht ein Risiko?

Unser Unternehmen ist seit 2017 in die Wipf-Gruppe, eine international tätigen Familien-Holding, gut eingebettet. Unsere Eigentümer sind absolut überzeugt, dass die gesamte Gruppe aus dieser Krise gestärkt hervorgehen wird. Die Christinger AG verfolgt das Ziel «Quality first» und schafft mit dieser Investition einen Quantensprung in der visuellen Kommunikation. Durch die 7-Piktoliter Technologie wird es möglich sein, hochauflösende Bilder in noch nie dagewesener Qualität und Geschwindigkeit zu realisieren. Momentan mag die Investition kontrazyklisch wirken, aber sie ist ein klares Signal: Wir verfügen mit der neuen Anlage über ein in der Schweiz exklusives Angebot und können Kunden Lösungen anbieten, die niemand anderes im Portfolio hat. Und dies alles auf flexible und starre Materialien.

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