Kreativranking 2020: Vier gewinnt

Nein, dies ist nicht die Ausgabe von letztem Jahr. Es ist tatsächlich Fakt: Jung von Matt Limmat gewinnt das Kreativranking zum vierten Mal hintereinander. Das hat nur eine andere Agentur zuvor geschafft.

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Vieles geriet durcheinander, wurde abgesagt oder verschoben in diesem coronagebeutelten Jahr 2020. Vieles, aber nicht alles. Und so reichten Agenturen ihre Arbeiten bei den verschiedenen Wettbewerben ein, die stattfanden. Von den Wettbewerben, die in die Wertung des Kreativrankings fallen, waren es deren drei, die komplett ausfielen: Die Cannes Lions, der Clio Award und der London International Award.

Kreativranking 2020: Die Top 10
Rang 2020AgenturPunkteRang Vorjahr
1Jung von Matt/Limmat5681
2Ruf Lanz2933
3Thjnk Zürich2142
4Hinderling Volkart Part of Dept1565
5Havas1507
6Heimat Zürich8910
7Notch Interactive876
8Serviceplan Suisse848
9Wunderman Thompson75
10Farner67
Quelle: Werbewoche

Die Top 5

Zum vierten Mal in Folge behauptet sich die Agentur Jung von Matt Limmat an der Spitze, für den ehemaligen CCO Dennis Lück ist es damit bereits das fünfte Mal. Vier Mal hintereinander zu gewinnen, dies hat in der Geschichte des Kreativrankings bisher nur die ehemalige Y&R Group geschafft. Die in Wunderman Thompson umbenannte Agentur war von 2008 bis 2011 auf Platz 1. Ruf Lanz konnte sich den zweiten Platz sichern und schneidet damit einen Rang besser ab als im Jahr 2019. Den dritten Rang besetzt Thjnk, die damit einen Platz hergeben musste, war die Agentur doch letztes Jahr auf dem zweiten Rang. Hinderling Volkart Part of Dept verbesserte sein Ranking um einen Platz und nimmt neu den vierten Rang ein. Die Top 5 werden abgerundet von der Agentur Havas, die sich damit um zwei Rankingplätze verbessert und zu den Top 5 vorstösst.

Nicht minder spannend: die Ränge 6 bis 10

Den grössten Sprung in der Rangliste legt Heimat Zürich hin. 2019 tauchte die Agentur zum ersten Mal überhaupt in der Liste auf und nur ein Jahr später positioniert sich Heimat Zürich schon auf Rang 6. Notch, die seit letztem Jahr zur Publicis Gruppe gehört, sichert sich Platz 7 und verliert damit einen Rang, Serviceplan hält sich auf Rang 8, Wunderman Thompson, die letztes Jahr einen Schongang einlegte und sich dem eigenen Neuauftritt widmete, sichert sich Platz 9 und Farner besetzt Platz 10.

Arbeiten unter Corona-Bedingungen

Die Agenturwelt war, wie auch alle anderen Branchen, 2020 mit völlig neuen Ausgangslagen konfrontiert. Konzepte mussten aus dem Boden gestampft werden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lernten im Eiltempo, kreative Prozesse, wichtige Meetings, Auswahlverfahren, Pitches und vieles mehr vom Homeoffice aus zu meistern. Glücklich, wer sich mit dem «Work from anywhere»-Prinzip beschäftigt hatte. Jung von Matt Limmat investierte viel, um die notwendigen Veränderungen in Gang zu bringen.

Und das in Form und Inhalt: Remote und digital miteinander zu arbeiten, ist für die Agentur mittlerweile zum eingespielten Alltag geworden. CEO Roman Hirsbrunner fasst es so zusammen: «Wir freuen uns immer, wenn wir zuoberst auf dem Treppchen stehen. Aber auch die vierte Nummer eins in Folge ändert nichts an unseren wirklichen Ambitionen: Wie machen wir die beste Arbeit für unsere Kunden? Wie schaffen wir ein inspirierendes Umfeld für unsere Mitarbeitenden? Wie schaffen wir Arbeiten, die nicht ‹nur› verkaufen, sondern auch noch gesellschaftliche Fragen beantworten?» (Lesen Sie dazu auch das Interview auf Seite 6.)

Gesellschaftliche Fragen beantworten, Haltung leben, damit setzt sich Ruf Lanz schon lange auseinander. O-Ton Markus Ruf: «Wir halten uns auch 2021 an unseren Leitsatz: Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, trägt sie an der falschen Stelle. In Corona-Zeiten erst recht. Denn in Zeiten der Verunsicherung wird die Haltung einer Marke noch wichtiger. Die Menschen wollen wissen, wofür ein Unternehmen steht und welchen Beitrag es für die Gesellschaft leistet. Diesen Purpose unserer Kunden überraschend, unterhaltsam und intelligent zu inszenieren, ist unser Ziel.» Seit Jahren hält sich die Agentur auf dem Siegertreppchen – und das mit einem Dutzend Mitarbeitenden.

Alexander Jaggy und Andrea Bison von Thjnk haben entschieden, das Homeoffice für die Zukunft zu standardisieren. Sie stellen komplett auf Mobilarbeit um, dies sei das Learning aus der Corona-Krise.

Was war, was kommt

Hinderling Volkart hat sich letztes Jahr Dept angeschlossen, einer internationalen Gruppe von Digitalagenturen. Dann kam der Lockdown, und damit wuchs das Spannungsfeld zwischen allen Ansprüchen. Aber dank des Vertrauens und der Sensibilität von Dept und des Drangs der Kunden nach Innovation und Digitalisierung, eröffneten sich neue Anfragen und Projekte. Managing Director Michael Volkart fasst es so zusammen: «Wir freuen uns, schon zum zweiten Mal im Kreativranking zu den Top-5-Agenturen zu gehören. Diese Ernennung ist eine Wertschätzung für den Mut unserer Kunden für kreative und digitale Lösungen und das Herzblut unseres Teams. Zugleich setzt sie auch die Messlatte für dieses Jahr.»

Havas konnte sich zwei Ränge nach vorne katapultieren. Man sei sich bewusst, dass das Jahr 2021 nicht minder herausfordernd sein werde, da die Auswirkungen der Pandemie nicht wirklich fassbar seien. Patrick Beeli, Creative Director von Havas, sieht Chancen in der Diskussionskultur, da diese öfter wieder auf Augenhöhe geführt würde, weil alle im gleichen Boot sässen.

Für Heimat Zürich war 2020 trotz all seiner Widrigkeiten ein erfolgreiches Jahr, auch was das Kreativranking angeht. Die Heimat-Partner Simon Rehsche und Nico Ammann äussern sich zum Ranking so: «Werbung und Selbstvermarktung sind kein Luxus, das sollten auch Agenturen vorleben. Deshalb freuen wir uns heute umso mehr über die wichtige, gute Platzierung im Ranking – und hoffen, dass uns dieser Erfolg noch weiterbringt.»

Peter von der Touw, CEO von Notch Interactive, und sein Team sind extrem stolz, seit Jahren im Ranking ihre Position halten zu können. Die Integration in die Publicis Gruppe sieht er als spannende und sehr inspirierende Erfahrung. Serviceplan freut sich jetzt schon wieder auf die gemeinsamen Kaffeepausen, Apéros und Partys, die aufgrund des Lockdowns im letzten Jahr nicht möglich waren. Der kreative Austausch klappe auch virtuell, sei aber eben nicht dasselbe. Raul Serrat fasst zusammen: «Die Situation 2020 war für uns alle unverhofft und radikal. Wir dachten zuerst, dass der Lockdown und damit das Homeoffice die Kreativität im Keim erstickt. Doch durften wir feststellen, dass das nicht der Fall war. Kreativität erschafft und findet immer neue Lösungen und Wege, damit es weitergeht. Ich glaube fest, dass diese Situation ein paar Erkenntnisse mit sich bringt, die wir in Zukunft beibehalten und kultivieren werden.»

Wunderman Thompson freut sich, es nach der Awardpause 2019 direkt wieder in die Top 10 des Rankings geschafft zu haben. Swen Morath, CCO, erläutert noch: «Und das, obwohl wir bei internationalen Awards aufgrund des coronabedingten Einreichungsstopps vonseiten des Netzwerks keine Punkte sammeln konnten. Besonders freut es uns, dass wir mit Arbeiten für fast jeden unserer grossen Kunden Auszeichnungen erhalten haben.»

Farner nahm zum ersten Mal am Ranking teil und sicherte sich gleich einen Platz unter den Top 10. Philipp Skrabal, Partner und CCO bei Farner, über den Einstieg ins Ranking: «Gerade in einem schwierigen Umfeld ist Kreativität entscheidend. Mit unserer erstmaligen Teilnahme am Kreativranking wollen wir ein Zeichen setzen – nach innen und nach aussen.» Dies obwohl die im Ranking abgebildeten Kreativwettbewerbe nicht das volle, aus Farner-Sicht relevante Spektrum der Kommunikationsbranche abdecken würden, präzisiert Skrabal.

TBWA\Zürich rutschte nur knapp aus den Top 10. ECD Manuel Wenzel erklärt: «Wir haben uns schon relativ zu Anfang der Covid-Story für einen Awardstopp entschieden, als Teil einer Reihe von Massnahmen, die wir zur Arbeitsplatzsicherung für unsere Leute eingeleitet haben. Deshalb konnten wir nur bei vier Shows Punkte sammeln. Klar haben wir gehofft, dass es vielleicht trotzdem noch knapp für die Top 10 reicht, können aber aus genannten Gründen für dieses Jahr damit leben.»


Das Schweizer Kreativranking wird von der Werbewoche seit 2002 jährlich durchgeführt und publiziert. Es bildet die Leistungen der Agenturen bei nationalen und internationalen Wettbewerben ab. Die Regeln – also welche Awards mit welcher Gewichtung angerechnet werden dürfen – werden vom ADC Switzerland in Absprache mit den führenden Agenturen festgelegt. Die letzte Regelanpassung fand anlässlich einer sogenannten «Elefantenrunde» 2017 statt. 

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