Den Erfolg auf den Punkt gebracht

Der Zürcher Künstler Max Grüter hat eine neue Trophäe für den Werber des Jahres geschaffen

Der Zürcher Künstler Max Grüter hat eine neue Trophäe für den Werber des Jahres geschaffenVon Andreas PanzeriMit seiner Bausatzkunst hat Max Grüter eine neue Art von Skulpturen entwickelt. Einem breiteren Publikum ist der Zürcher Plastiker auch bekannt geworden durch regelmässige Titelbilder für das Folio der Neuen Zürcher Zeitung, aber auch durch seine Computergrafiken in der SonntagsZeitung. Jetzt hat Max Grüter im Auftrag der WerbeWoche eine ideale Form für den Werber des Jahres gefunden.
«Die Arbeit am Computer kann einen grossen sinnlichen Reiz haben. Es stört mich nicht, dass ich mit den Händen kein Material mehr spüre», meint Max Grüter auf die Frage, ob er nicht das Kneten, Löten oder Giessen vermisse, wenn er seine dreidimensionalen Objekte nur noch am Computer gestalte. Auch die neu geschaffene Skulptur für den Werber des Jahres ist ausschliesslich eine Bildschirmgeburt. «Früher habe ich noch relativ klassisch gearbeitet. Doch dann hat der Computer bei mir so etwas wie eingeschlagen», so Max Grüter über seinen veränderten Arbeitsstil.
Eine Plastik entsteht zuerst in Form von dreidimensionalen Plänen mit einem leistungsfähigen CAD-Programm auf dem Computer. Dann werden die Daten per E-Mail in die Giesserei oder sonst eine handwerkliche Produktionsstätte übermittelt, wo die Figur letztlich physisch hergestellt wird. «Mit dieser Methode geht man eine Geschichte anders an, nämlich mehr im Kopf und gleichzeitig spielerischer», glaubt Grüter.
Bei den Künstlern sei er als Plastiker mit dieser Arbeitsweise wohl einer der Ersten. Im Industriebereich der Designer ist aber diese Computertechnik schon vielfach die Norm. Kein Zufall also, dass Grüter mit seinen aktuellen künstlerischen Arbeiten die Massenproduktion als Sujet gewählt hat.
Serielle Kunst als Kritik an der Massenproduktion
«Vorgefertigt» nannte er zum Beispiel seine 99fach ausgeführten Baukastenteile, die 66-mal einzeln erhältlich waren, die aber auch 33fach als Einheit erworben werden können. Die verschiedenen 33fachen Objekte, die in der Alten Fabrik Rapperswil anlässlich Grüters letzter grosser Ausstellung 1998 zum Nachdenken über die Absurdität der Massenproduktion anregen wollten, sind aus plastischen Formen von Gegenständen des Alltags gefertigt.
Ganze Reihen von Goldbarren – oder reihenweise braune Äste, die je- weils fünf grüne, genau gleich gross ausgestanzte dreifache Blätter tragen, oder einemenschliche Familie im «Klon-Verband» bilden Grüters witzige, aber gleichzeitig beklemmenden Paradoxien der Industriegesellschaft.
Mit solchen «Wiederholungen» ist Grüter auch in seinem aktuellen Schaffen beschäftigt. Auf dem Kunstmarkt vertreten wird er dabei von der Galerie Schedler an der Josefstrasse in Zürich. Sein Atelier hat er neu aus Oerlikon an die Kernstrasse im Kreis 4 verlegt. «Da ist die Chance grösser, dass mich gelegentlich jemand persönlich besucht», meint Grüter.
Der 1955 in Langnau am Albis Geborene hat seine Studien 1976 an der Kunstgewerbeschule Zürich als Graphic Designer abgeschlossen. Darauf arbeitete er frei als Illustrator, Maler und Objektkünstler. «Auch für die Werbung habe ich in jüngeren Jahren gearbeitet», verrät Grüter.
Später unterrichtete er an der Kunstgewerbeschule oder zeichnete als Art Director verantwortlich für die legendäre Theatertruppe Zampanoo’s Variété. Verschiedene Einzel- und Gruppenausstellungen, von der Galerie Hannibal bis Andy Jllien oder bei der Düsseldorfer Werbeagentur Grey zeigten Grüters Arbeiten.
His Master’s Voice verrät die Vaterschaft
1998 durfte Grüter einen Gold-Award Type Directors Club New York sowie einen Award des Art Directors Club New York entgegennehmen. Seit 1991 wirkt der Künstler als Art Director für die Titelseite des Magazins NZZ Folio. Grafische Arbeiten finden sich auch regelmässig in Publikationen der Tamedia. Das Besondere an diesen Illustrationen ist, dass sie auch auf dem Computer wie dreidimensionale Skulpturen gestaltet werden. «Man kann das Objekt in Gedanken umgehen», meint Max Grüter zur Idee dieser speziellen visuellen Wirkung.
Bei der Gestaltung des Preises für den «Werber des Jahres» dachte Grüter «zuerst an einen Pokal, denn ein Pokal ist der klassische Siegerpreis». Auch Oscar aus Hollywood ist ein bisschen Pate gestanden. Dazu liess sich Grüter inspirieren vom alten Logo «His Master’s Voice», denn der Werber müsse ja im Grunde ebenfalls eine möglichst folgsame Stimme seines Meisters sein.
Die Röhre symbolisiert das Marktschreierische. Zwischen ihr und der Siegespyramide wirkt der Werber fast ein wenig eingeklemmt. «Der Werber scheint mir dort zwischen Erfolgsdruck und Publikum in einer unglücklichen Situation», philosophiert dazu Max Grüter. Es ist aber eine besonders gelungene Raffinesse, dass sich das zwischen Auftrag (Pyramide) und Kommunikationsmittel (Megafon) eingeklemmte kleine Männchen (Werber) bei der gelungenen Skulptur genau an der Schnittstelle befindet, wo auch der Erfolg auf den Punkt gebracht wird.
Ob der neu geschaffene Werbe-Oscar in der Schweiz schliesslich auf den Namen Rudolph, Jean Etienne, Markus, Jost, Reinhold oder Hermann getauft wird, darf das Publikum erst am 18. Januar im Zürcher Rohstofflager erfahren. Moderiert wird die Wahl-Party von Radio-24-Mann Christian Handelsman. Für die Pokalübergabe inklusive Siegerkuss hat die WerbeWoche keine Schönere als die amtierende Miss Schweiz, Mahara McKay, verpflichten können.
PARTY-PROGRAMM

Alle Leserinnen und Leser der WerbeWoche sind herzlich zur Party «Werber des Jahres» eingeladen. Anmelden kann man sich unter www.werberdes
jahres.ch oder Tel. 01 296 97 98.
Die Action beginnt am Donnerstag, 18. Januar, mit einem Apéro um 17.30 Uhr im Rohstofflager. Der Zürcher Szeneclub unter der Regie von Arnold Meyer ist nach dem Abbruch der Liegenschaft an der Heinrichstrasse neu an der Binzmühlestrasse 86 in Oerlikon installiert. Erreichbar per S-Bahn oder Tram bis Bahnhof Oerlikon, dann 5 Minuten zu Fuss. Direkt auf dem Areal stehen nur 200 Parkplätze zur Verfügung.
Dafür warten zur Kompensation einige trendige Bars, ein kulinarisch interessantes Buffet, eine Smokers-Lounge, viele Emotionen rund um die Siegerehrung sowie ab 23 Uhr einschlägiger Sound zum Tanzen mit einem Trend-DJ.

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