Grüsse aus dem Homeoffice – Folge 31: Martin Matt, Mjm.cc

Martin J. Matt ist Gründer und CEO der Agentur Mjm.cc mit Sitz in Basel und Liechtenstein. Aktuell gilt aber auch für Matt: Das Büro befindet sich in den eigenen vier Wänden. Die 31. Folge der Serie «Grüsse aus dem Homeoffice» .

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Martin J. Matt ist Gründer und CEO der Kreativagentur Mjm.cc. Mit seinem Team aus zehn Personen betreut er seit gut 15 Jahren Mandate in der gesamten Schweiz – unter anderem die Awards Best of Swiss Web und Best of Swiss Apps. Der zweifache Familienvater liebt Kunst, Film und reist gerne. Falls die Corona-Krise noch lange andauert, wird er nächstes Jahr sein achtjähriges Projekt, den New York City Marathon zu absolvieren, endlich erfolgreich abschliessen können.

 

Werbewoche.ch: Wie lange befinden Sie sich schon im Homeoffice?

Martin Matt: Seit dem Freitag der Dreizehnte, wie fast alle.

 

Befindet sich Ihre ganze Agentur im Homeoffice?

Da wir unsere Agentur die letzten Jahre auf Flexibilität getrimmt haben, waren wir innert einer Stunde Homeoffice-bereit.

 

Hatten Sie damals bei der Einrichtung Ihres Arbeitsplatzes mit technischen Problemen zu kämpfen?

Ich habe auch vorher nur ein bis zwei Tage pro Woche in der Agentur gearbeitet. In überfüllten Zügen, bei Kunden, in überbeschallten Cafés und zuhause zu arbeiten bin ich gewohnt. Ungewohnt für mich ist die totale Immobilität.

 

Wo haben Sie sich eingerichtet?

Da ich neben Agentur-Retter derzeit auch noch Lehrer, Dogsitter, Koch, Projektabsager, Jurist und Vollzeit-Papa bin, ist mein Arbeitsplatz immer dort, wo ich für gefühlte fünf Minuten sicher vor meinen Kindern bin. Also im Garten bei Regen, im Wohnzimmer bei Sonnenschein und manchmal auch im Bett.

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Was benötigen Sie alles, um Ihrer Tätigkeit nachgehen zu können?

Kaffee, Mobiltelefon, MacBook. In der Reihenfolge. Und freitags einen Gin Tonic.

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Ist es schwierig, sich genügend abzugrenzen, wenn die Kinder zuhause sind?

Wie oben schon erwähnt: unmöglich. Aber ich gebe zu, ich geniesse es sehr. Ich hoffe, dass ich rückblickend die Krise als positive Familienzeit ansehen werde.

 

Haben Sie Homeoffice-Erfahrung oder handelt es sich um eine Premiere?

Für mich ist es nicht neu. Allerdings ist es dann weniger ein Homeoffice als ein Mobileoffice. Ich versuche seit Jahren nicht mehr zu oft nachts und an Wochenenden zu arbeiten. Es blieb und bleibt wohl beim Versuch.

 

Welche Prozesse gestalten sich im Vergleich zum normalen Agenturalltag schwierig?

Der Teamspirit. Die allermeisten unserer Award-prämierten Projekte haben einen sehr starken partizipativen Charakter. Insofern denke ich, dass es unsere grosse Qualität ist, mit Menschen zu arbeiten und sie in unsere Arbeit einzubeziehen. Dementsprechend fehlen mir meine Komplizen, also mein Team, unsere Kunden und freien Mitarbeiter. Unsere Projekte entstehen nie in einem Kopf, sondern sind immer das Produkt von Ideen einer verschworenen Bande an Persönlichkeiten mit gleichen Zielen und ähnlichen Vorstellungen.

 

Welche Arbeiten klappen problemlos?

Sitzungen per Videokonferenz machen wir schon sehr lange. Zu meinem Erstaunen gehen Teamsitzungen und Brainstormings per Zoom merkwürdig gut.

 

Gibt es etwas, was sogar einfacher oder produktiver funktioniert im heimischen Büro?

Pendeln innerhalb des eigenen Hauses ist schon sehr angenehm. Ansonsten ist es für mich weder einfacher noch produktiver geworden.

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Was tun sie dagegen, dass Ihnen die Decke auf den Kopf fällt?

Ich war schon lange nicht mehr so fit wie jetzt. Wir nehmen uns viel mehr Zeit zu kochen und um uns bewusst zu ernähren. So gesehen hat mich die Corona-Krise gesünder gemacht.

 

Hat sich bei Ihnen schon so etwas wie ein Homeoffice-Koller bemerkbar gemacht?

Wäre ich nicht Agenturinhaber, so wären die täglich zwei Stunden mehr Schlaf, die zusätzliche Familienzeit, der tägliche Sport, das gute Essen, die wegfallenden Pendel- und Reisezeiten doch sehr erträglich.

 

Was vermissen Sie am meisten am physischen Agenturalltag?

Die Kontakte mit Menschen und das Ausbrüten von kreativen Ideen für neue Projekte. Das einzige was nicht digitalisiert werden kann, ist das Zwischenmenschliche. Ich habe in der Agentur meinen Arbeitsplatz mitten im Team. Diese Zwangsisolation tut uns allen längerfristig nicht gut.

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Sind Sie zuversichtlich, dass Ihre Agentur die Krise unbeschadet überstehen wird?

Im Januar standen wir vor einem absoluten Rekordjahr. Jetzt wird es wohl eher ein Negativrekord. Da wir viele Live-Produktionen machen, trifft uns diese Krise knochenhart. Aber wie immer wird es Verlierer und Gewinner geben. Und wir versuchen mit Umstrukturierungen, neuen Ideen und unserer Flexibilität zu den Corona-Gewinnern zu gehören. Ich glaube, das gelingt uns.

 

Bekanntlich hat alles auch seine positiven Seiten. Was ist es in Ihrer aktuellen Homeoffice-Situation?

Wie erwähnt das Plus an Familie und Sport. Und ich bin wieder ein geübterer Koch.

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Wann und wieso haben Sie im Zusammenhang mit dem Homeoffice zum letzten Mal gelacht?

Mein Sohn hat das Potential zum Entertainer. Zusammen mit seiner Schwester bringt er mich ständig zum Lachen. Gerade während Zoom Konferenzen. Beide haben schnell erkannt, dass ich während Videomeetings zu vielem Ja sage und nützen das natürlich aus.

 

Auch wenn Sie keine Kristallkugel besitzen: Rechnen Sie damit, dass die aktuelle Situation noch lange andauern wird?

Die Krise mit ihren direkten Auswirkungen auf uns wird uns sicher noch etwas beschäftigen. Mehr Sorgen bereitet mir die Rezession anschliessend. Diesbezüglich glaube ich, dass sich hier die Schweiz einmal mehr besser behauptet als andere. Aber spurlos geht auch diese nicht an uns vorbei.

 

Was möchten Sie Ihren Branchenkolleginnen und -kollegen mit auf den Weg durch die Krise geben?

Um gute Ratschläge geben zu können, bin ich zu jung. Hätte ich welche, wäre ich alt genug, um zu wissen, dass es besser ist, diese für mich zu behalten.

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Das Coronavirus hat die Gesellschaft fest im Griff. Wer zuhause bleiben kann, bleibt zuhause. Auch die Werbe-, Kommunikations- und Marketingbranche verlagert den Betrieb grossflächig ins Homeoffice. Mit der Serie «Grüsse aus dem Homeoffice» beleuchtet Werbewoche.ch den Berufsalltag in den heimischen vier Wänden.

Alle Folgen im Überblick:

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