NZZ fördert psychische Gesundheit am Arbeitsplatz

Der Beruf der Journalistin oder des Journalisten kann belastend sein. Das Unternehmen NZZ schuf deshalb eine Reihe von Angeboten, um die psychische Gesundheit seiner Mitarbeitenden am Arbeitsplatz zu unterstützen.

«Wir möchten dieses tabuisierte Thema bei der NZZ nicht nur an der Oberfläche streifen, sondern mit der nötigen Geduld und Standhaftigkeit angehen, um für die Führungskräfte und alle Mitarbeitenden eine klare Leitplanke zur Förderung und zum Erhalt der psychischen Gesundheit zu setzen», sagt Felix Graf, CEO der NZZ. «Wir haben deshalb unser Angebot in diesem Bereich ausgebaut.» Seit Januar 2022 arbeitet das Unternehmen mit der unabhängigen Organisation Pro Mente Sana zusammen. Alle Mitarbeitenden der NZZ können sich bei Bedarf unter einer eigens eingerichteten E-Mail-Adresse anonym an ein Expertenteam von Pro Mente Sana wenden. Zur Sensibilisierung der Führungskräfte und Mitarbeitenden wurden entsprechende Schulungen durchgeführt und Informationsmaterial bereitgestellt. Führungskräften wird ein Halbtageskurs empfohlen, um Anzeichen für Veränderungen bei Mitarbeitenden bereits im Anfangsstadium zu erkennen. Das Angebot wurde auch auf Wunsch der Führungskräfte eingeführt.

«Das Thema psychische Gesundheit am Arbeitsplatz hat durch die Pandemie zusätzlich an Dringlichkeit gewonnen», sagt Nicole Rütsche, Leiterin HR NZZ. «Gerade vor diesem Hintergrund war es uns ein Anliegen, dass man sich bei Bedarf an eine Fachperson wenden kann.» Aktuell werden daher Schlüsselpersonen bei HR zu Ersthelfern ausgebildet, die bei Bedarf eine Lotsenfunktion für Betroffene übernehmen und schnellere Behandlungsmöglichkeiten organisieren können. Denn trotz einer relativ hohen Anzahl von Behandlern in der Schweiz ist es immer noch schwierig, zeitnah einen Termin zu bekommen, so Dr. med. Thomas Ihde, Präsident von Pro Mente Sana. Zugang zu Hilfe, ein möglichst vertrauensvolles Betriebsklima und ein angstfreies Klima für die psychische Gesundheit seien die wichtigsten Faktoren für die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden, so der Mediziner.

Tabu-Brecher Jonas Projer

«Insgesamt scheint also, dass der Punkt, wie in einer Firma über psychische Belastung gesprochen beziehungsweise wie sie beurteilt wird, matchentscheidend ist für die künftige psychische Gesundheit der Mitarbeitenden in einem Betrieb. Stigma ist beeinflussbar.»

In einem kürzlich in der SonntagsZeitung veröffentlichten Interview sagte Jonas Projer, Chefredaktor der NZZ am Sonntag, dass er selbst nach der Einführung des digitalen NZZ Magazins gesundheitlich an seine Grenzen gestossen sei und das Thema in der Redaktion offen thematisiert habe. «Als Chef ist mir eine Kultur der Transparenz und mentalen Gesundheit enorm wichtig. Das darf in der heutigen Zeit kein Tabuthema mehr sein», so Projer. Er suchte sich professionelle Hilfe und nahm eine Auszeit. Danach kehrte er gestärkt auf die Redaktion zurück.

Mentale Gesundheit ist nicht nur ein Thema bei der NZZ. Der Verein Junge Journalistinnen und Journalisten Schweiz (JJS) hat bereits im vergangenen Jahr einen Schwerpunkt zum Thema Mental Health gesetzt, nachdem bekannt geworden war, dass einige Mitglieder bereits mit unter 30 Jahren ein Burnout erlitten hatten. Die Branche müsse offener über das Thema sprechen, sonst gehe der Nachwuchs verloren, so der Verband. Nach Angaben des Bundesamts für Gesundheit (BAG) gehören psychische Erkrankungen zu den am meisten verbreiteten Erkrankungen überhaupt. Betroffene sind in allen Lebensbereichen beeinträchtigt. Neben dem persönlichen Leid verursachen psychische Erkrankungen auch hohe volkswirtschaftliche Kosten. Schätzungen des BAG gehen von über 7 Milliarden Franken jährlich aus.

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