Swisscom TV 2.0 bringt HbbTV auf SRG-Sender

Swisscom schaltet den multimedialen Teletext-Nachfolger am Dienstag auf. HbbTV wird auf den HD-Programmen der SRG verfügbar sein. Der neue Dienst ist aber auch umstritten.

«Das interaktive Fernseherlebnis bietet unseren Zuschauern wesentliche Zusatzinformationen, die wir in den kommenden Jahren laufend ergänzen werden», sagt Roger de Weck, Generaldirektor SRG in einer Mitteilung. Weiter ist HbbTV auf den Sendern ARD, ZDF, ORF 1 und ORF 2 zu empfangen.

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Der klassische Teletext ist in der Schweiz nach wie vor ein beliebter Medienkanal, über den täglich rund 800’000 Menschen Nachrichten und weitere Informationen auf ihrem TV aufrufen. Mit Hybrid Broadcast Broadband TV, kurz HbbTV, eröffnen sich nun ergänzend dazu neue Möglichkeiten: Dank der Verbindung mit dem Internet können TV-Zuschauer interaktive Inhalte abrufen. Swisscom schaltet jetzt HbbTV für alle Swisscom TV 2.0-Kunden auf. Der neue Dienst bringt multimediale Inhalte parallel zum Fernsehprogramm auf den Bildschirm. Zuschauer können so beispielsweise auf interaktive Zusatzinformationen zum laufenden Fernsehprogramm oder auf Online-Videotheken zugreifen sowie aktiv an Televotings teilnehmen. Texte, Sportresultate oder Wetterprognosen sind mit Bildern ergänzt.

Roger de Weck, Generaldirektor SRG: «Das Publikum verfolgt unsere Sendungen sowohl in den Kanälen als auch via Internet. Umso wichtiger ist das enge Zusammenspiel von Kanälen und Internet: von Rundfunk und Breitband, auf Englisch von Broadcast und Broadband. Das interaktive Fernsehen HbbTV oder SmartTV bietet unseren Zuschauerinnen und Zuschauern wesentliche Zusatzinformationen, welche wir in kommenden Jahren laufend ergänzen werden.»

Kritik und Befürchtungen im Vorfeld

Zur Einführung von HbbTV in der Schweiz hat sich im Vorfeld besonders der Verband Schweizer Medien besorgt geäussert (Werbewoche.ch berichtete). Die Verleger kritisierten unter anderem, HbbTV könne der erste Schritt zur Einführung von Online-Werbung der SRG werden. Denn im Gegensatz zum klassischen Onlinebereich sei Werbung im Teletext erlaubt und somit auch auf HbbTV über das TV-Signal zulässig. SRG-Mediensprecher Daniel Steiner weist diese Bedenken gegenüber Werbewoche.ch vorerst zurück: «Die aktuelle technische Versuchsbewilligung für HbbTV erlaubt der SRG SSR auf ihren HbbTV-Angeboten weder Werbung noch Links auf Onlineshops zu schalten.» Es sei an der zuständigen Behörde (Bundesrat/Uvek/Bakom) zu entscheiden, ob sich dies irgendwann ändern werde. Die SRG habe sich in der Anhörung zur neuen Radio- und Fernseh-Verordnung (RTVV) für eine Werbe-Öffnung eingesetzt und dies begründet.

Die SRG-Stellungnahme ist auf der Bakom-Seite online einsehbar (Punkt 4, Link PDF). Darin schreibt die SRG unter anderem, im Gegensatz zu den Online-Angeboten sei Werbung und Sponsoring im Teletext der SRG «seit je quasi unbestritten» und das Publikum sei daran gewöhnt – es erscheine deshalb folgerichtig, dass die SRG auch den Nachfolgedienst kommerzialisieren könne. Nicht zuletzt, um damit die Einnahmeverluste aus dem Teletext «zumindest teilweise» zu kompensieren.

Eine weiterer Dorn im Auge ist dem Verband Schweizer Medien auch eine mögliche kommerzielle Verwertung von Nutzerdaten: «HbbTV ermöglicht es dem TV-Veranstalter auch, (…) Nutzerdaten zu sammeln und diese weiter zu verwerten. Auch dies konkurrenziert die privaten Medienhäuser mit ihren Angeboten. Die Kunden zahlen bei HbbTV doppelt: Mit ihren Gebühren und mit ihren Daten.» Was geschieht mit den gesammtelten Nutzerdaten? «Die SRG nutzt nur wenige Daten und gibt diese nicht weiter», so Steiner. Die Datenschutz-Bestimmungen könnten direkt auf dem HbbTV-Dienst der SRG abgerufen werden. (hae/pd)

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