MCH und Corona: Wer deckt den Schaden?

Die Messeabsagen bei der MCH Group häufen sich in den letzten Tagen. Sind Versicherungen für den Schaden haftbar oder gilt hier einfach höhere Gewalt? Corona dürfte jetzt ein Loch in die laufende Rechnung der MCH Group reissen.

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Bernd Stadlwieser, CEO MCH Group, sagt, die Stabilität der MCH Group sei nicht gefährdet.

 

Am Freitag, 6. März publizierte die MCH Group eine Pressemeldung mit dem Titel «Coronavirus: Stabilität der MCH Group ist nicht gefährdet». Aber sie plant Sparmassnahmen zur Senkung der Personalkosten. Dies, nachdem wegen des Coronavirus die Art Basel Hong Kong im 2020 abgesagt wurde und zahlreiche grosse Messen in der Schweiz wie die Baselworld, die Giardina oder die SmartCity dem Eventverbot des Bundesrates zum Opfer fielen.

 

Wer bezahlt den Schaden?

Wer bezahlt jetzt den entstandenen Schaden und worin besteht er genau? Die MCH Group hat den Ausstellern der Art Basel Hong Kong bereits anfangs Februar 2020 die Rückerstattung von 75 Prozent der Standmieten für die nicht durchgeführte Messe im März versprochen. Messen wie diese oder die Giardina in Zürich befanden sich teilweise bereits im Aufbau. Wer trägt jetzt diesen zusätzlichen Schaden der Aussteller und allenfalls der Messebauer? Und können Aussteller gar einen Schaden für ausgefallene Geschäfte geltend machen?

MCH Unternehmenssprecher Christian Jecker sagt in der Basler Zeitung am 5. März: «Wir klären gerade mit den Versicherungen ab, ob die Messeausfälle (Anmerkung: wohl nicht nur der Art Basel Hong Kong) gedeckt sind.»

Die Geschäftsjahre 2019 und 2020 dürften ein Loch in die Erfolgsrechnung der MCH Group reissen. Wie können jetzt bevorstehende Verluste gedeckt werden? Die Stabilität der MCH-Group sei nicht gefährdet, sagt MCH CEO Bernd Stadlwieser (Bild oben) in der Pressemitteilung am 6. März. MCH Unternehmenssprecher Christian Jecker sagte der Basler Zeitung am 6. März «Es ist nicht so, dass es für uns jetzt ums Überleben geht.» Gemäss der Basler Zeitung übertrafen die Verbindlichkeiten der MCH Group mit 410 Millionen Franken aber das Eigenkapital um 700 (!) Prozent. Als «gesund» gälte ein Verschuldungsgrade von 200 Prozent. Beides will erst einmal jemand verstehen. Sogar Grossaktionär Erhard Lee von der Investorengruppe AMG, die im Januar 2020 eine ausserordentliche Generalversammlung verlangt hatte, sagt «Ich glaube nicht, dass die Gruppe in eine finanzielle Notlage gerät.» Anderer Ansicht der Basler Grossrat David Wüest-Rudin in der Basler Zeitung: «Die Situation ist besorgniserregend.»

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Die Vermögenswerte der MCH Group

Die MCH Group hat Vermögenswerte mit den relativ jungen respektive modernisiierten Messezentren in Basel und Zürich in attraktiven innerstädtischen Lagen, der Art Basel, die auf 200 – 300 Millionen Franken geschätzt wird und mit den Live Marketing Solutions, den Dienstleistunsunternehmen für das Kerngeschäft Marketing Events (=Messen und Events).

Vermögenswerte sind das eine, aber wie können die drohenden und die bisherigen Verluste der MCH Group gedeckt werden? Der Coronavirus könnte jetzt den Prozess des Verkaufs der Live Marketing Solutions mit Expomobilia, MCH Global und dem amerikanischen Messebauunternehmen MC2 beschleunigen. Das könnte dringend benötigtes Geld in die Kassen spülen und den Betriebsaufwand von rund 500 der um die 950 MitarbeiterInnen entlasten. Dann gibt es angeblich immer wieder Interessenten an der Art Basel. Gemäss der Newsplattform «Switzerland News» will die MCH Group das Flaggschiff aber nicht verkaufen. Wenn die MCH Group die Art Basel behalten will, wäre das ein weiteres Indiz dafür, dass die LMS jetzt verkauft werden muss. Auch hier ist es möglich, dass Corona einen Strich durch den Wert dieses Assets macht, so wie bereits mit der Art Basel Hong Kong, die wegen Corona im März 2020 abgesagt werden musste. Der Wert einer Messe kann sich ja nur danach bemessen, wenn sie tatsächlich stattfindet.

Der Coronavirus hat auf einen Schlag das Messegeschäft in der Schweiz und anderswo (Deutschland) gestoppt.

 

Ein  Eventverbot ist zu kurzsichtig

Der Aktienkurs der MCH Group, wen wunderts, liegt mittlerweile bei 18.50 Franken (8. März 2020). Am 29. November 2019 lag er noch bei 29.60 Franken. Als ob die MCH Group nicht genug mit sich selbst zu tun hätte nach der rückläufigen Entwicklung des Messegeschäfts in der Schweiz, steht sie jetzt durch Corona vor der grössten Bewährungsprobe ihrer Geschichte.

Aber es ist wohl jedem klar, dass die Auswirkungen der Coronakrise nicht von einer Unternehmensgruppe allein bewältigt werden können. Der schweizerische Bundesrat sollte jetzt, bis am 15. März hart daran arbeiten, was er für die schweizerische Eventbranche tun kann. Deren weiterer Niedergang muss wo immer möglich verhindert werden, zu gross sind ihre wirtschaftlichen Auswirkungen. Wo es keine Messen mehr gibt, wird zuerst das Gewerbe der Messebauer, dann der übrigen Messedienstleister und schliesslich das Gewerbe direkt leiden, zusammen könnte das einen ungewollten weiteren Kreis von negativen wirtschaftlichen Auswirkungen auslösen, von denen wir vielleicht noch gar nichts ahnen. Deshalb greift ein Veranstaltungsverbot allein viel zu kurz.

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