Zürich und Davos im Aufwind

DELUXE Es ist an sich erstaunlich, dass sich die Neueröffnungen oder wichtigen Umbauten in der Schweizer Luxushotellerie dieser Tage primär auf die WEF-Stadt Davos und den Business-Hub Zürich limitieren. Ein Grund dafür ist die Attraktivität dieser Orte für Tagungen und Events. Das renovierte Steigenberger Grandhotel Belvédère. Natürlich sind die Gross-Resorts in Andermatt und auf dem […]

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Das renovierte Steigenberger Grandhotel Belvédère. Natürlich sind die Gross-Resorts in Andermatt und auf dem Bürgenstock seit Jahren in den Nachrichten, aber meistens wegen zeitlichen Verzögerungen oder finanziellen Unsicherheiten. Auch in anderen Ortschaften wird um- oder neu gebaut, aber so richtig engagiert läuft es nur in Davos und in Zürich.Europas teuerstes HotelpflasterOffensichtlich stimmt aber das Produkt und die Nachfrage ist da. Das Hotelportal HRS berichtete kürzlich beispielsweise, dass Zürich 2013 die teuerste Hotelstadt in Europa war mit durchschnittlich 145 Euro pro Zimmer; dicht gefolgt von London mit 142 Euro und Moskau mit 141 Euro pro Zimmer.Jede generelle Nachfrage (ob aus dem Ferientourismus oder dem Geschäftsreisesektor) stimuliert unmittelbar die Nachfrage nach Tagungen, Konferenzen und Business-Events. Man könnte daraus also schliessen, dass wenn Zürich zu den teuersten Hotelpflastern Europas gehört, dass dies auch eine Art Referenz ist. Und so überrascht es nicht, dass grosse ausländische Ketten wie Sheraton, Hyatt und InterContinental, aber auch Dorint, nach Zürich und Davos drängen. Hier läuft das Geschäft, hier kann man Geld machen.In seinem so genannten ‚Partner Report‘ berichtete Zürich Tourismus im vergangen Herbst, dass die durchschnittliche Hotelzimmerauslastung in der Stadt Zürich gemäss dem Bundesamt für Statistik im ersten Halbjahr 2013 auf dem guten Vorjahresniveau von über 66 Prozent lag. Und zudem noch, dass die sechs grössten Schweizer Städte im ersten Halbjahr 2013 gegenüber dem Vorjahr zusammen ein Plus von 2.8% generieren konnten. Der Städte-Tourismus, und damit die Nachfrage nach Tagungen und Events, nimmt also weiterhin zu und hat bereits einen Anteil von rund einen Viertel aller Übernachtungen in der Schweiz.Meeting-Town DavosÜber die neusten Entwicklungen in Davos wurde bereits mehrmals berichtet, aber man kann schon sagen, dass der Ausbau des Kongresszentrums auch für den Bereich Meetings, Inventives, Conventions und Events (MICE) stimulierend wirkte. Die neue InterContinental oberhalb des Davoser-Sees allen voran; ein Haus mit 216 Zimmern und einer 1500 m2 grossen Eventfläche (welche in acht Breakout-Räume aufgeteilt werden kann). Auch das renovierte Steigenberger Grandhotel Belvédère und das total umgebaute Hotel Flüela eröffneten wieder zeitlich perfekt auf das World Economic Forum im vergangenen Februar. Davon können nicht nur Davoser Institutionen, wie beispielsweise die Stiftung AO Foundation (Arbeitsgemeinschaft Osteosynthese), profitieren, sondern vor allem auch interessierte Firmen und Verbände aus dem Grossraum Zürich, welche in den Bergen tagen wollen.Zürich-West und Zürich-NordAn diese beiden Begriffe werden sich künftig die nationalen und auch internationalen Event- und Tagungsplaner gewöhnen müssen. Das Stadtzentrum am See, mit dem jetzt wieder mit grossen Renovationsplänen beschäftigten Kongresshaus und wichtigen Business-Hotels wie dem Park Hyatt, wird nie seine Attraktivität verlieren. Aber nun spielen andere Quartiere mit: Zürich-West steht für «hip und chic» und Zürich-Nord für «schnelle & globale Anbindung». An beiden Orten wurde und wird zünftig gebaut; allerlei Unterkünfte mit 3 bis 5 Sternen.2011 macht das Renaissance Zürich Tower Hotel mit seinen 300 Zimmern und hellen, attraktiven Konferenzräumen den Anfang in Zürich-West; gleich neben dem Prime Tower. Im unteren Bereich kam danach das «25 hours» und anfangs dieses Jahres das zur Starwood-Gruppe gehörende Sheraton Zürich-West. Es ist in Zürich das zweite Hotel der Marke Sheraton und ergänzt das Neues Schloss Hotel vorne am Zürichsee beim Kongresshaus. Und das 3. Schweizer Sheraton Hotel steht, wenn wunderst, in Davos; es ist das Waldhuus.Direktor des Zürich-West ist Sven Lehmann, ein gebürtiger Hamburg, der schon in München und Stuttgart tätig war und nun die beiden Zürcher Sheraton Hotels als Complex General Manager führt. Das neue Haus bietet neben 197 Zimmern und Suiten auch sieben modernste Konferenz- und Tagungsräume sowie einen Ballroom für 240 Gäste an. Zum neuen Hotel lässt sich Lehmann wie folgt zitieren: «Zürich West ist ein dynamisches Quartier, das wir unseren Gästen von einer noch wenig bekannten Seite näher bringen wollen. Aber auch für die Menschen, die im Quartier leben und arbeiten, soll das unser Haus ein Ort sein, wo man sich gerne trifft.»Kameha und noch mehr HyattÄhnlich geht es in Zürich-Nord und rund um den Flughafen zu. Mehrere Hotels haben oder werden eröffnen; auch wenn die meisten ohne Bezug zum MICE-Geschäft sind. So wie NH, Best Western, Ibis-Budget und vor allem auch das attraktive neue Hotel Dorint direkt neben dem Mövenpick Hotel.Ganz anders das Kameha, welches im März 2015 eröffnen wird. Mit 245 Zimmern, einem Eventdome für bis zu 960 Gäste sowie mehreren Veranstaltungsräumen für bis zu 630 Personen richtet sich das Kameha Grand Zürich ganz gezielt an Geschäftsreisende und Meetingsplaner. «Der Seminar- und Tagungsmarkt der nationalen und internationalen Firmen gehört mit zu unseren wichtigsten Kernzielgruppen», erklärt Carsten K. Rath, Chef der LH&E Management AG, welche das Kameha als Managementgesellschaft führt.Das Kameha bedeutet direkte Konkurrenz einerseits zum Vierstern-Haus Swissôtel in Zürich-Oerlikon und andererseits zum Radisson Blu direkt am Flughafen; beide Häuser zielen ja erfolgreich auf Firmenevents, Sitzungen und Konferenzen.Der Grossraum Oerlikon-Glattbrugg-Flughafen wird also zum Ballungsgebiet der nationalen Tagungsszene. Und in etwas über drei Jahren verstärkt sich der Kampf ums MICE-Geschäft erneut; dann nämlich eröffnen am «The Circle» wahrscheinlich ein Hyatt Regency und ein Hyatt Place mit zusammen 550 Zimmern und einem Kongressbereich mit 1’500 Plätzen.Andermatt, Grindelwald und BaselVereinzelt gibt es auch in der restlichen Schweiz neue oder renovierte MICE-relevante Hotels. Andermatt wurde bereits erwähnt; dort dürfte in drei bis vier Jahren ein Radisson Blu eine preisliche Alternative zum Chedi eröffnen; auch mit Tagungsräumen. In Verbier gibt es seit diesem Winter ein W (ebenfalls zur Starwood-Gruppe gehörend), aber mit ‚nur‘ zwei Konferenzräumen.Auch das komplett renovierte Grand Hotel Regina in Grindelwald bietet Meetings-Räume an und zwar mit dem folgenden Slogan:«mit Blick zur berühmten Eigernordwand lässt es sich entspannt tagen.» In Luzern beendet der Fünfstern-Schweizerhof in diesem Frühjahr seine Zimmer-Umbauten; das Haus hat immerhin neun Konferenzsäle im Angebot.Und letztlich ein Besuch in Basel; dort gibt es ebenfalls mehrere Projekte, aber mit wenig Einfluss aufs Tagungs- und Event-Geschäft. An der Clarastrasse eröffnet das ehemalige Europa neu als Pullman; es verfügt über 141 Zimmer und sechs Meetingsräume. Accor baut zudem ein Novotel (159 Zimmer) und ein Etap (180 Zimmer); beide sollen im Herbst 2014 in einem gemeinsamen Gebäudetrack eröffnen. Erwähnenswert sind auch die beiden Boutique-Hotels «D» und «Passage» (Eröffnung vor wenigen Wochen). Die grossen MICE-Players bleiben aber vorerst Davos und Zürich. Autor: Daniel Tschudy
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