Zahlt sich Dynamic Pricing aus? Branche ist sich uneinig

Die Bergbahnen setzen vermehrt auf dynamische Preismodelle. In der Branche wächst die Angst, dass die Rechnung nicht aufgeht.

 

Engadin St. Moritz lanciert diese Saison das totale, vollautomatisierte dynamische Preismodell – eine Premiere im Alpenraum (Werbewoche.ch berichtete). Die Verantwortlichen betonten bei der Präsentation im Juni, Ziel sei es, die Auslastung zu verbessern und nicht an einer Rabattschlacht teilzunehmen.

Dennoch: Wer richtig bucht, profitiert auch in der Region Engadin St. Moritz von Rabatten bis 30 Prozent. In anderen Gebieten – etwa Andermatt-Sedrun – passen sich die Preise für Tageskarten auch dem Wetter an. In Laax wird der Preis täglich neu bestimmt – abhängig von Erfahrungswerten, Buchungszeit, Wetteraussichten und der Zahl der bereits verkauften Tickets. Auch Zermatt plant auf diesen Winter «das Ende der Einheitspreise».

 

«Geiz ist geil» in den Bergen

Wie die Schweiz am Wochenende schreibt, ist sich die Branche aber uneinig, ob Dynamic Pricing der richtige Weg aus der Krise der Bergbahnen ist. Über die Frage, ob günstigere Preise mehr Gäste in die Berge locken, oder aber ganz einfach die «Geiz ist geil»-Mentalität der Gäste fördert, ist man sich uneinig. Klar ist aber: Reserven, um noch geringere Einnahmen wegstecken zu können, haben die Bergbahnen nicht. Im Vergleich zu 2005 verzeichnen sie heute rund 25 Prozent weniger Skitage. Eine Trendwende ist nötig, um die fehlenden, für Investitionen gebrauchten Umsätze zu generieren.

Bei Engadin St. Moritz ist man überzeugt, dass es gut kommt. Man gehe davon aus, dass man mit dem neuen Modell die Preise halten und sogar leicht erhöhen könne, sagt Thomas Rechberger, Projekt Leiter Engadin St. Moritz Mountain Pool, gegenüber der Zeitung. Sollte es anders herauskommen, werde man die Parameter anpassen.

 

Dynamische Preise – nach unten

Weniger optimistisch ist man bei den Titlis Bergbahnen – und hat eine entsprechend kritische Haltung gegenüber den neuen Preismodellen. «Unserer Ansicht nach werden die durchschnittlichen Preise eher nach unten dynamisiert», sagt Marketingchef Peter Reinle. Dies müsse zwar nicht zwingend der Fall sein – aber gehe man es falsch an, müsse man an Spitzentagen die Preise massiv erhöhen, was zu einer Verärgerung der Gäste führe.

Jürg Stettler, Tourismusprofessor an der Hochschule Luzern, bestätigt, dass die Unsicherheit in der Branche gross sei – wer Recht behalte, werde sich in ein paar Jahren zeigen. Um die Kapazitäten auszulasten, müssten die Preise deutlich gesenkt werden, ist er überzeugt. Aktuell sei es aber so, dass die Preisreduktionen gemessen an den Gesamtausgaben eines Skitages eher gering seien. «Die Befürchtung ist, dass nicht genügend zusätzliche Gäste angelockt werden», sagt er zur Schweiz am Wochenende. (hae)

So 21.10.2018 - 10:37
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