Wirtschaftsmagazin PUNKT verschwindet vom Markt

Das im Abo und am Kiosk erhältliche PUNKTmagazin wird eingestellt. Aufgrund des rückläufigen Werbemarktes sehe sich das Zürcher Medienhaus Financialmedia zu diesem Schritt gezwungen. Drei Mitarbeiter verlieren ihren Job.

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Das bisher zweimonatlich erscheinende Wirtschaftsmagazin PUNKT und die zugehörige Website sind die jüngsten Opfer der Werbeflaute im Printmarkt. Beide Produkte werden eingestampft.

Wie Verleger Rino Borini gegenüber Werbewoche.ch erklärt, habe man hart mit dieser Entscheidung gerungen. «Der Werbemarkt hat mittlerweile eine Dimension erreicht, die eine nachhaltige Rentabilität nicht mehr gewährleistet», so der CEO von Financialmedia. Bei gleichbleibend tiefen Werbeeinahmen hätte das Verlagshaus mittelfristig zwischen 3000 und 5000 neue, zahlende Abonnenenten gebraucht um weitermachen zu können.

Werbekunden setzen auf Reichweite

«Der gesamte Printwerbemarkt ist massiv zurückgegangen über die letzten Jahre. Das PUNKTmagazin hat es noch stärker getroffen als andere regelmässig erscheinende Publikationen, da wir aufgrund unseres Erscheinungsintervals oft auch Kampagnen verpasst haben», erklärt Rino Borini. «Werbekunden setzen eben nach wie vor auf Reichweite, was dem PUNKT schlussendlich den Kopf gekostet hat.»

Das PUNKTmagazin ist vor 12 Jahren das erste Mal erschienen. Insgesamt wurden in dieser Zeit insgesamt 80 Ausgaben des Wirtschaftstitels publiziert. Die jetzt im Juli erschienene Ausgabe ist die allerletzte gewesen. Die Abonnenten werden laut Patrick Widmer, Co-Gründer von financialmedia, persönlich über die Einstellung informiert. Die Kunden würden entweder den Abo-Restbetrag zurückerhalten oder in den Genuss eines alternativen Angebots kommen. Im Durchschnitt betrug die Auflage des PUNKTmagazins etwa 10'000 Stück.

Drei Stellen werden abgebaut

Von der definitiven Schliessung des PUNKTmagazins sind insgesamt 260 Stellenprozente betroffen. Borini und Widmer sahen sich gezwungen, insgesamt drei Mitarbeitern die Kündigung auszusprechen. «Wir haben den betroffenen Kollegen aber angeboten, dass sie weiterhin als Freelancer beziehungsweise mit einem Teilzeitpensum bei uns tätig sein können», so Widmer. financialmedia brauche auch in Zukunft Journalisten und Grafiker.

Das Unternehmen will sich in Zukunft konsequent auf «Next Generation» fokussieren, das heisst auf Personen, die sich für die Themen nachhaltiges Anlegen, Impact Investing, Fintechs oder beispielsweise Crypto-Währungen interessieren. «Alle diese Themen wollen wir in Zukunft gezielter auf all unseren Kanälen spielen», verrät Borini gegenüber Werbewoche.ch

Mithilfe der Digital Finance- / Fintech-Konferenzreiche «Finance 2.0», der Anlageplattform 10x10.ch und der Verlagsbeilage Anlegen mit Weitsicht würde das Angebot von Financialmedia im Bereich «Next Generation» in den kommenden Monaten weiter ausgebaut. Als Beispiel erwähnt Rino Borini den Event «Krypto Lunch», der aufgrund seiner grossen Beliebtheit ausgebaut wird. Ab Herbst will Financialmedia weitere Dienstleistungen und Produkte auf den Markt bringen. Den Brand «PUNKT» wolle man, wenn immer möglich, in einer neuen Form weiterführen. 

Borini muss nun sein Baby begraben

Der Entscheid, den Titel einzustellen habe dem Mitgründer von financialmedia, Rino Borini, sehr weh getan. «Wir waren schon ein sehr spezielles Magazin.» Unter dem Motto «Du bist Wirtschaft» wurden nicht nur CEOs von grossen börsenkotierten Unternehmen portraitiert, sondern auch KMU-Chefs und andere, wirtschaftlich denkende, Personen interviewt. «Vor ein paar Jahren habe ich beispielsweise mit dem jüngsten Bischof der Schweiz, Felix Gmür, ein Interview gemacht. Unsere Leserinnen und Leser haben erfahren, wie es ist ein Bistum wirtschaftlich zu führen», so der Zürcher Verleger. Weiter habe man in einer PUNKT-Ausgabe beispielsweise mit Klaus Michael Kühne über dessen Ableben gesprochen und was aus seiner Firma wird, wenn der Gründer und Verwaltungsrat von Kühne und Nagel einmal nicht mehr lebt. «Wir waren immer auf der Suche nach Perlen und fielen vor allem durch grosse Bilder, ausgefallene Infografiken und kreative Texte auf.»

«Jetzt ist die Zeit gekommen, dass ich mein Baby definitiv begraben muss», wie Borini ausführt. «Aber nur so, können wir dafür sorgen, dass die Firma als Ganzes wieder aus Wachstumskurs kommt.» Er habe schon oft Leute entlassen, aber noch nie, aus ökonomischen Gründen. Es sei aber auch ein Befreiungsschlag für Financialmedia, so Rino Borini mit einem weinenden und einem lachenden Auge. «Wir sind an der Planung von weiteren tollen Dingen, darüber kann ich allerdings erst im Herbst mehr erzählen.»