Papier unterstreicht hochwertige Drucksachen

Papier Auf den ersten Blick unterscheiden sich die grossen Papierkonzerne kaum. Die finnische M-real kämpft an vielen Fronten mit Erfolg gegen Austauschbarkeit.

Papier Auf den ersten Blick unterscheiden sich die grossen Papierkonzerne kaum. Die finnische M-real kämpft an vielen Fronten mit Erfolg gegen Austauschbarkeit.Um im verschärften Wettbewerb bestehen zu können (siehe auch Beitrag unten), setzt M-real, drittgrösster Papierproduzent Europas, auf Differenzierung. Welche Wege der Konzern hier einschlägt, erklärten Verantwortliche des auf die Produktion von hochwertigen gestrichenen Papieren für den Rollendruck spezialisierten Werks M-real Kirkniemi zusammen mit Marketingverantwortlichen des Geschäftsbereichs Publishing kürzlich der Fachpresse.Der Umwelt verpflichtetSo ist zum Beispiel die Weiterführung einer nachhaltigen Produktion für den finnischen Papierkonzern nicht nur ein wichtiges, sondern gar ein zentrales Anliegen. «Papieranwender wollen zunehmend wissen, woher das Papier stammt, das sie einsetzen», erklärte Armi Temmes, Senior Vice President Corporate Public Affairs. Dank modernster Hilfsmittel kann M-real dessen Herstellung heute ganz exakt zurückverfolgen. Dazu werden beim Holzeinschlag der in der finnischen Metsäliitto-Genossenschaft (die auch Besitzerin von M-real ist; siehe unten) zusammengefassten Wälder moderne GIS-Systeme eingesetzt. Die von den privaten Besitzern freigegebenen Waldflächen werden unter Zuhilfenahme dieses geografischen Informationssystems und hinterlegten digitalen Karten geerntet, was schliesslich die Rückverfolgung des Holzes ermöglicht. 
M-real setzt bei der Herstellung seiner Papier- und Kartonsorten auf die Verwendung von zertifizierten Hölzern. Dabei ist der Papierproduzent bereits sehr weit fortgeschritten: Während von den 3,9 Milliarden Hektar Waldfläche weltweit lediglich 7 Prozent der Wälder zertifiziert sind, beträgt der Anteil an verwendetem Holz aus zertifizierten Wäldern bei M-real rund 63 Prozent.
Nachweis über die Herkunft des HolzesDie Nachverfolgung des Papiers wird schliesslich innerhalb eines Zertifizierungssystems gewährleistet. Die PEFC (Program for Endorsement of Forest Certification) genannte Zertifizierung unterscheidet sich zwar in einigen Punkten vom bei uns bekannteren Label FSC (Forest Stewardship Council), verfolgt aber in seinen grundlegenden Bemühungen, die durchgehende Nachverfolgbarkeit der Produktkette (Chain of Custody) zu sichern, die gleichen Ansätze. Dazu zählt vordergründig der Nachweis über die Herkunft und jener über den Anteil an zertifiziertem Holz. Woher das Holz schliesslich stammt und wie es sich zusammensetzt, können die Kunden in international standardisierten Umweltdeklarationen, so genannten Paper Profiles, erfahren, die das Unternehmen auf seiner Website www.m-real.com bereitstellt.
Die Bedeutung der Herkunft des Holzes hat für Papierfabriken wie M-real diverse Gründe: «Wir können damit sicherstellen, dass das Holz aus legalen Quellen stammt, und so eine nachhaltige Forstwirtschaft nicht nur unterstützen, sondern auch belegen», erklärt Martti Savalainen, Werkleiter bei M-real Kirkniemi. Zudem könne die Qualität festgestellt und schliesslich auch der Anteil an zertifiziertem Holz berechnet werden.
Diese freiwilligen Massnahmen will der Papierkonzern aber nicht als Marketing-Gimmick verstanden wissen. Die Konzernsprecher verweisen darauf, dass diese unter dem Begriff Corporate Responsibility zusammengefassten Massnahmen vom Konzern gelebt und als Antwort auf Forderungen der Gesellschaft gesehen werden.
Services über das Papier hinausIm Bemühen, seinen Kunden erstklassige Produkte zu bieten, hat M-real entlang der Kette vom Papier bis zum Leser eine Reihe von Dienstleistungen entwickelt, die in der Papierbranche in ihrer Gesamtheit einzigartig sind. Für eine optimierte Papierversorgung im Rollenbereich (Rollenpapiere werden meistens von den Papierfabriken direkt geliefert) sorgt M-real mit seinem Paper-Management-Konzept. Der Papierproduzent kümmert sich damit um die zeit- und volumengenaue Bestellung und Belieferung der Papierrollen und orientiert sich dabei an der verfügbaren Lagerkapazität und am Papierverbrauch des Kunden. «Die Publishing-Industrie muss neue Wege finden, um die Gesamtkosten zu reduzieren. Unser Paper Management hilft unseren Kunden dabei», erklärte Marjo Halonen, Vice President Marketing Communication, diesen Ansatz, der die Verlage und Druckereien von der Beschaffung und Lagerung von Papier weitgehend befreit.
Das Mustercenter, eine weitere Dienstleistung des Geschäftsbereichs Publishing, stellt für Kunden auf Wunsch unbedruckte oder mit bedruckten Umschlägen versehene Musterexemplare bzw. Blindmuster her und führt Belegexemplare von den im Werk Kirkniemi produzierten auf Galerie-Papiere gedruckten Zeitschriften, Katalogen, Kundenzeitschriften etc. Diese Muster sollen Verlegern, Druckereien oder Agenturen bei der Papierwahl helfen. Zudem unterstützen sie auch die Verkaufsmitarbeiter von M-real bei der Kundenberatung.
M-real hilft seinen Kunden im weiteren bei einer professionellen Reproduktion von Bildern. So versucht das Unternehmen innerhalb eines umfassenden Beratungsgesprächs beim Kunden, diesen nicht nur über die Gefahr von Farbverschiebungen im Druck zu sensibilisieren, sondern klärt seine Kundschaft bei Bedarf darüber auf, wie diese mit der «fünften Farbe», dem Papier, in Sachen Farbmanagement am besten umgehen soll. «Wir stellen unseren Kunden Empfehlungen für die Nutzung von Farbmanagement-Standardprofilen samt ICC-Profilen bei der Verwendung unserer Galerie-Papiere zur Verfügung», erklärt Miika Jokinen, Customer Applications.  
Der Einfluss von PapierDoch M-real kümmert sich nicht nur um die technischen Aspekte. Um seine Papiere besser auf die Kundenbedürfnisse auszurichten, wollte M-real wissen, wie Papier auf den Leser wirkt. Bereits seit 1998 führt das Unternehmen deshalb zusammen mit dem Fachbereich Psychologie der Universität Helsinki eine «Reader Preference Research» genannte Untersuchung durch. Es galt auch herauszufinden, ob Papier positiv (beeinflussend) eingesetzt werden kann.
Dass Papier beim Leser sehr wohl eine Rolle spielt, hätte man noch erwarten können, doch dass sich im Papier gar eine Hochwertigkeit des gezeigten Produkts, des ganzen Magazins wiederspiegelt, unterstreicht die Bedeutung des Bedruckstoffs. «Papier und Druckqualität beeinflussen den Leser sehr stark», kommentierte gar Ilka Grabener, Marketing Director M-real Publishing, die Ergebnisse der Untersuchung. Die Ausweitung der Studie auf andere europäische Länder hat schliesslich zu Tage gebracht, dass in Skandinavien weissere Papiere, in Spanien aber eher Papiere mit sanftem Glanz besser ankommen.
«Das Papier», so Grabener, «muss aber vor allem zum Layout und zum Anspruch des Kunden bzw. der Agentur passen.» Ein Kunstmagazin habe einen anderen Anspruch als eine Kundenzeitschrift. Der Einsatz eines Papiers hänge zudem vom Weissraum des Layouts ab – und vom Ziel des Verlages/der Agentur, ob das Druckerzeugnis mit dem Strom schwimmen oder sich vielmehr abheben wolle. Leser beurteilen gemäss den Resultaten der Studie die Druckprodukte mehr als ein Ganzes und nehmen Papier eher unbewusst wahr, während sich Fachleute mehr in den Details verlieren. Daher sei es ideal, wenn bei der Evaluation eines Papiers, beim Relaunch oder einer Neukonzeption neben der Agentur und der Druckerei auch der Papierlieferant beigezogen werde. Die Erkenntnisse der Studie sollen den Kunden von M-real zudem dabei helfen, neben der Druckqualität auch das Farbmanagement der Magazintitel zu optimieren.
Aus den Ergebnissen hat das Unternehmen eine Studien-Toolbox entwickelt, die M-real für seine Kundenberatungen einsetzt. Darin enthalten sind Informationen, welches Layout sich für welche Zeitschrift eignet – oder auch wann Veredelungen/Lackierungen sinnvoll eingesetzt werden.    
M-realDer Papierproduzent M-real
ist Teil der finnischen Metsäliitto-Gruppe, dem 10. grössten Forstindustriekonzern der Welt. Die Metsäliitto-Gruppe ihrerseits gehört 130 000 privaten Waldbesitzern, die 12,6 Millionen Hektar Wald besitzen (Jahresumsatz: rund 8,6 Mrd. Euro). Neben den Bereichen Holzlieferung, Holzprodukte und Faserstoffproduktion stellt die Herstellung von Feinpapier, Karton sowie von Spezialpapieren – zusammengefasst unter dem Namen M-real – den bedeutendsten Geschäftsbereich der Metsäliitto dar.M-real erwirtschaftet mit rund 15 000 Mitarbeitenden einen Umsatz von etwas mehr als 5 Milliarden Euro. Zu den 29 in Europa verteilten Fabriken gehört auch das Werk M-real Biberist im Kanton Solothurn. Neben der Papier- und Kartonproduktion ist M-real mit dem Unternehmen Map Merchant Group auch im Papierhandel tätig; die Map Merchant Group ist in der Schweiz jedoch nicht aktiv.
 
40 Jahre M-real KirkniemiIm unweit von Helsinki gelegenen
Kirkniemi produzieren drei Papiermaschinen gestrichene Papiere für den Heatset-Rollenoffsetdruck. Die Produktionskapazität der Maschinen beträgt 730 000 Jahrestonnen; damit ist M-real Kirkniemi das Werk mit der mit Abstand grössten Kapazität innerhalb von M-real. Die 1996 in Betrieb genommene Papiermaschine 3 – intern Galerie Queen genannt – war seinerzeit die grösste Papiermaschine der Welt. Sie produziert mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1500 m/Minute gestrichene Magazinpapiere. Die Halle, in der die Maschine untergebracht ist, ist rund 500 Meter lang. Produziert werden in Kirkniemi ausschliesslich «Galerie»-Papiere, die in Grammaturen von 36 bis 360 g/m2 erhältlich sind. Der jüngste Spross der Galerie-Familie, Galerie Fine, feiert dieses Jahr ebenfalls Jubiläum: eine Dekade Fine.
Jürgen Franck
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