Gute Kontrollmittel gewinnen an Bedeutung

Colormanagement I Die Druckerei Flawil hat kürzlich die Installation eines bis zum Druck durchgängigen Colormanagement-Workflows abgeschlossen.

Colormanagement I Die Druckerei Flawil hat
kürzlich die Installation eines bis zum Druck durchgängigen
Colormanagement-Workflows abgeschlossen.Die standardisierte und farbverbindliche
Herstellung von hochwertigen Druckerzeugnissen im Offsetdruckverfahren
ist kein einfaches Unterfangen. Zur Komplexität der Wiedergabe tragen
unterschiedliche Druckfarben und Monitoreigenschaften, verschiedene
Papiere, ungleiche Druckmaschinen- Charakteristiken, Lichtverhältnisse
und dergleichen mehr bei. Noch komplexer wird die hochwertige Ausgabe
von Bild- und Grafikdaten, wenn gar unterschiedliche Druckverfahren
berücksichtigt werden müssen. Spätestens dann führt kein Weg mehr daran
vorbei, sich mit Colormanagement zu beschäftigen.

Lange erkannt hat die Bedeutung des Farbmanagements die Druckerei
Flawil AG (DFAG). Dort wurde kürzlich die Installation einer in der
Schweiz einmaligen, durchgängigen Farbworkflow-Lösung abgeschlossen.
Die Werbewoche war vor Ort und hat sich abseits der Theorie um
ICC-Profile und Delta-E-Farbabstände über die Hintergründe und den
aktuellen Stand informiert. 

Übergreifende Disziplin
Colormanagement als ein Lösungsansatz für die Herstellung und Kontrolle
hoch stehender Drucksachen ist bei der DFAG nichts Neues. Bereits seit
neun Jahren werden spektrale Messtechnik im Druck und die entsprechende
Software dazu eingesetzt, um weit gehend farbverbindlich produzieren zu
können. Schon in der Vergangenheit wurde also gemessen und
kontrolliert, jedoch waren dies jeweils nur Momentaufnahmen, welche den
heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. «Seit nunmehr zwei
Jahren wird bei der Druckerei Flawil das Colormanagement auch gelebt»,
wie es der frühere Produktions- und heutige Marketing- und
Verkaufsleiter Pascal Schwarz treffend formuliert.

Durchgehend farbsicher
Als eine auf die bisherigen Massnahmen aufbauende Qualitätssicherung
hat das Ostschweizer Unternehmen während der letzten zwölf Monate
erneut in modernste Messtechnik und Software investiert. So wurden von
ihrem Lieferanten Heidelberg Schweiz die notwendigen Produkte und
Module geordert, um die Farbverbindlichkeit vom gelieferten oder
inhouse erstellten Proof bis zum Auflagendruck nicht nur durchgehend zu
gewährleisten, sondern auch belegen zu können.

Die Vorteile dieser von Heidelberg unter dem Begriff Prinect Color
Solutions zusammengefassten Gesamtlösung sind vielfältig: So kann, um
beim Druck zu beginnen, der Drucker mit dem Messgerät Image Control
spektralfotometrische Messungen durchführen. Damit lassen sich während
der Produktion an einem gezogenen Bogen in einem Messvorgang neben
Lab-Werten auch Farbauftragsdichten, Punktzunahme (Vergrösserung des
Rasterpunktes im Druck gegenüber dem definierten Wert) und Trapping
(Farbannahmeverhalten) in Sekundenschnelle prüfen und mit den Vorgaben
vergleichen.

Ein ins Firmennetzwerk eingebundener und mit der Software
Quality Monitor ausgerüsteter Arbeitsplatz kann auf diese Daten
zugreifen und diese für qualitätssichernde Massnahmen oder spätere
Auswertungen heranziehen. Ein weiteres wichtiges Element der Color
Solutions ist der Color Assistant, mit dessen Hilfe der Drucker durch
optimierte Farbvoreinstellungsdaten aus der Druckvorstufe schneller zum
ersten Gut-Bogen gelangt, was Makulatur, Zeit und Kosten spart.

Zudem setzt die Druckerei Flawil Image Control auch zur Ausmessung und
Auswertung der Proofs ein. Dies verbessert die Qualitätssicherung
erneut, weil so die gleiche Messtechnik zum Einsatz kommt. Erklärtes
Ziel der DFAG ist deshalb, nur noch ein Messgerät einzusetzen, da
unterschiedliche Messgeräte aus dort gemachter Erfahrung zu
unterschiedlichen Messresultaten führen. Doch nicht nur der Drucksaal,
sondern auch die Druckvorstufe profitiert vom modernen
Maschinenleitstand. Die Heidelberg-Software Profile Toolbox etwa und
der Calibration Manager erlauben das exakte Profilieren und Kalibrieren
des Proof-Geräts und des Computer-to- plate-Belichters.

ISO-Komponente
«Wir setzen seit mehr als zwei Jahren auf die Prozesskontrolle unter
Einhaltung des ISO-Standards 12647-2 – und stecken bei Bedarf und
Kundenwunsch den Qualitätsanspruch noch enger ab. Colormanagement ist
dabei das wichtige Werkzeug für die Farbsicherheit – und für zufriedene
Kunden», begründet Pascal Schwarz die Fokussierung auf das durchgängige
Farbmanagement.

Die Bedeutung eines in ein Proof integrierten Kontrollkeils wie den
Ugra/Fogra-Medienkeil kann Stephan Traber, gelernter Drucker und seit
über zehn Jahren als Reprofachmann tätig, nicht oft genug betonen: «Ein
Medienkeil ist zwingend notwendig, um ein angeliefertes Proof auf seine
Reproduzierbarkeit hin zu prüfen.» Leider würden in der Praxis aber
Druckereien oft erst dann ausgewählt, wenn die bereits ab separierten
Daten erstellten Proofs schon existierten, fügt Traber ernüchtert
hinzu. Ob diese Bilddaten respektive Proofs genau auf das
Druckverfahren abgestimmt sind, bleibt fraglich. Felix Signer,
Abteilungsleiter Vorstufe bei DFAG, wünscht sich daher, dass Agenturen
die Druckereien so früh wie nur möglich in den Produktionsprozess
einbinden.

Vertrauen ist gut …
Als qualitätssichernde Kontrollelemente werden bei der Druckerei Flawil
zum einen der Ugra/Fogra-Medienkeil sowie die von Heidelberg neu
entwickelten Minispots (Messfelder) eingesetzt. Letztere haben den
Vorteil, dass, wenn diese mit der Ausschiess- beziehungsweise
Bogenmontage-Software Prinect Signa Station platziert werden, sie von
Image Control automatisch erkannt werden. Die Auswertung der Minispots
liefert schliesslich alle relevanten Messwerte. So werden bei der
Druckerei Flawil beide Kontrollelemente eingesetzt: Auf der Druckplatte
werden die Minispots favorisiert, während auf dem Proof der Medienkeil
verwendet wird, um ihn mit dem ISO-Standard 12647-2 zu
vergleichen. 

Auf die Verwendung und Akzeptanz des Medienkeils auf Seiten der
Auftraggeber angesprochen, erklärt Pascal Schwarz: «Die Bedeutung der
Kontrollmittel wird zunehmend erkannt. Etwas mehr als ein Drittel
unserer Kunden setzen den Medienkeil bereits ein.» Pascal Schwarz
empfiehlt daher auch den von ihm betreuten Kunden und Agenturen, die
Vorstufendaten liefern, auf jedem Proof einen Ugra/Fogra-Medienkeil zu
platzieren.

Eine kostspielige Angelegenheit
Colormanagement wird in vielen ähnlich grossen und vergleichbar
ausgerichteten Betrieben meistens von nur sehr wenigen Personen
getragen. Das Ziel in Flawil ist jedoch, dass vom
Aussendienstmitarbeiter bis zum Drucker alle Mitarbeitenden mit der
Thematik vertraut sind. «Ein schwieriges Unterfangen», weiss Schwarz,
«da Farbmanagement beileibe kein einfaches Thema ist.» Dennoch ist er
sicher, dass ohne eine breite Abstützung aller Mitarbeitenden
Colormanagement in den Druckereien auf lange Sicht scheitern wird.

Insgesamt, so ist von den Gesprächspartnern zu erfahren, sei
Farbmanagement eine aufwändige und kostspielige Angelegenheit. Die
jährlich anfallenden Kosten für Testdrucke etc. werden im Unternehmen
separat erfasst und bewegen sich im fünfstelligen Bereich – hinzu
kommen die regelmässigen Schulungen. Dennoch ist man in Flawil
überzeugt, dass sich der Aufwand lohnt. Denn der deutliche Fokus des
Unternehmens auf Farbmanagement hat neben der Standardisierung, der
Farbsicherheit und Qualitätssicherung noch einen anderen Grund. Man
will in Flawil damit die Kundenzufriedenheit weiter steigern und
mittels hoher Messlatte neue, anspruchsvolle Kunden gewinnen.

Befreit nun Colormanagement von visuellen Kontrollen, wenn alles
standardisiert und farbverbindlich eingerichtet ist? Schwarz verneint.
«Man darf sich trotz der Messtechnik, Keile und Auswertungen nicht nur
an Zahlen orientieren. Aber Colormanagement verhilft uns zu einer
grossen Portion Produktionssicherheit, was letztlich unseren Kunden
zugute kommt. Wir bieten diesen bei spezifischen Problemstellungen wie
der Farbseparation auch zusätzliche Beratung an», erklärt Pascal
Schwarz das diesbezügliche Serviceangebot der Druckerei Flawil AG.
«Deshalb ist dort», meint Pascal Schwarz, «Colormanagement als Projekt
nie abgeschlossen.» Weitere Investitionen sind bereits geplant.

Tipps für Anwender
Die Separation, das Umwandeln von RGB- in CMYK-Daten mit einem
Bildbearbeitungsprogramm wie Adobe Photoshop verändert die Bilddaten.
Falsche Separationseinstellungen können Bilder unwiderruflich
verschlechtern. Idealerweise wird die Separation kurz vor der
Drucklegung oder von der Druckerei ausgeführt.

Ein Proof muss auf das Druckverfahren und das in der Auflage verwendete
Papier abgestimmt sein. Auch muss es mit geeigneten Kontrollelementen
versehen werden, da sonst die Farbverbindlichkeit des Proofs nicht
überprüft werden kann.

PDF-Dokumente sollten, wenn sie inhouse erzeugt werden, basierend auf
den Empfehlungen der Druckerei erstellt werden. Die Einstellungen für
den Acrobat Distiller können diese als so genannte Joboptions zur
Verfügung stellen.

Jürgen Franck

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