Junge Medienschaffende wollen offen über Druck in Branche sprechen

Der Verein Junge Journalistinnen und Journalisten Schweiz (JJS) will mit einer Kampagne auf den psychischen Druck in der Medienbranche aufmerksam machen. Er fordert, dass die Branche offener über das Thema spricht, weil ansonsten der Nachwuchs verloren geht.

Mehrere Mitglieder ihres Vereins hätten bereits vor dem 30. Altersjahr ein Burnout erlitten, schreibt JJS am Donnerstag in einer Mitteilung. Die Mitglieder berichteten etwa davon, dass sie sich nicht mehr getrauen würden, die Mails in den Ferien oder während einer Krankheit nicht anzuschauen, weil sie dafür zuvor bereits gerügt worden seien.

Journalistinnen und Journalisten hätten zwar grundsätzlich eine gute Stressresistenz, weil sie zufrieden seien mit dem Beruf, lässt sich Daniela Landau, Psychologin und Dozentin an der Journalistenschule MAZ Luzern, in der Mitteilung zitieren. Dazu passt das Beispiel eines 31-jährigen Mitglieds des Vereins, von dem am Montag im Büro erwartet werde, dass er alle Sonntagszeitungen richtig gelesen hat und eine Anschlussgeschichte machen kann. «Das heisst: Mein Sonntag ist nicht nur Freizeit, sondern besteht auch aus Zeitungslesen. Zum grossen Teil macht mir das Spass, es kann aber auch belastend sein.»

Die Stressresistenz habe auch ihre Grenzen, schreibt JJS. Viele Journalistinnen und Journalisten – gerade auch junge – würden diese Belastungsgrenze aber oft überschreiten. Als Folge davon hätten die Mitglieder von schlechtem Schlaf, hohem Koffein-, Nikotin oder Alkoholkonsum, Dauerstress, schlechter Konzentration, Angst, Burnout oder Depressionen berichtet.

Diese Personen würden die Freude am Beruf verlieren – und der Journalismus damit langfristig Talente, befürchte der Verein. In der Branche würden diese Probleme aber verschwiegen und «normalisiert». In den kommenden Wochen will der Verein daher auf seinen Kanälen mit Podcasts, Videos und Texten auf das Thema aufmerksam machen.

In den Beiträgen sollen junge Journalistinnen und Journalisten erzählen, wie sich der Beruf auf ihre psychische Gesundheit auswirkt. Zudem soll aufgezeigt werden, was Medienschaffende tun können, wenn der Job sie belastet, wie Arbeit und Freizeit besser getrennt werden können und wie ein Burnout verhindert werden kann. Zudem soll aufgezeigt werden, was die Medienhäuser unternehmen, um die psychische Gesundheit ihrer Angestellten. zu unterstützen. (SDA)

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