Die Schweizer Popstars halten sich beim Thema No-Billag vornehm zurück

Eine Umfrage der SonntagsZeitung zeigt: Auf Rückendeckung aus der Musikbranche wartet die SRG im Kampf gegen die No-Billag-Initiative bislang vergeblich.

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Paradebeispiel Baschi: Sebastian Bürgin, wie er mit bürgerlichem Namen heisst, hat seine Karriere mit gütiger Mithilfe der SRG-Medien aufgebaut. Bekannt geworden durch die SRF-Show «Music Star», boten ihm die SRF-Sender in der Folge immer wieder in verschiedensten Sendeformaten eine prominente Plattform. Und fast noch zentraler: Besonders im Musikprogramm Radio SRF 3 ist Baschi seit jeher ein Stammgast – ganze 3615 mal wurde er in den letzten zehn Jahren gespielt.

Auf Anfrage der SonntagsZeitung teilte sein Management erst mit, der Musiker äussere sich nicht zur No-Billag-Initiative. Beim Nachhaken nach den Gründen des Schweigens dann doch noch ein Statement: Er hoffe natürlich sehr, dass die Initiative abgelehnt werde.

Auch andere jahrelange SRG-Profiteure tun sich schwer mit einer klaren Haltung. Züri West hat sich noch keine Gedanken dazu gemacht – Acts wie Florian Ast, Stephan Eicher, Stress oder Francine Jordi wollen überhaupt keinen Kommentar abgeben. Auch DJ Bobo, dessen Konzerte schon mehrmals ausgestrahlt wurden und der zum Bühnenjubiläum gar schon eine eigene Samstagabend-Show erhielt, schweigt lieber.

Sie alle haben – bis auf Gölä, Büne Hueber, Sina, Marc Sway und nach der SonntagsZeitung-Umfrage auch Kuno Lauener – nicht einmal die Suisa-Resolution gegen die Initiative unterschrieben. Dabei erhalten die Musiker dank den SRF-Plays beachtliche Suisa-Erträge ausbezahlt. Durchschnittlich sieben Franken gibt es pro gespieltem Lied im Radio. Züri West beispielsweise wurde in den letzten zehn Jahren auf SRF 1 und SRF 3 über 7500 mal gespielt. Im Gegensatz zu den Privatradios, bei denen der Schweizer Musikanteil oft unter zehn Prozent liegt, müssen die SRF-Sender mindestens 20 Prozent eidgenössische Titel spielen. Kurz: Es geht bei der No-Billag-Frage für die Schweizer Künstler auch um bares Geld.

Ernst der Lage noch nicht erkannt

Offiziell will man sich bei SRF nicht zum fehlenden Engagement der Stars, die man zum Teil seit Jahren unterstützt, äussern. Die SonntagsZeitung weiss aber: Hinter den Kulissen ist der Frust darüber gross – man fühlt sich von den Musikern nicht nur im Stich gelassen, sondern wirft ihnen auch vor, den Ernst der Lage zu verkennen.

Das sieht auch der Verein Musikschaffende Schweiz, die Branchenorganisation der Popmusiker, so. Die Gefahr, die von der Initiative ausgehe, sei noch nicht von allen Musikern erfasst worden, so Präsident Christoph Trummer – immerhin stehe das gesamte Mediensystem auf dem Spiel, nicht nur die SRG. Der Verein plant eine Kampagne.

Nebst fehlendem Bewusstsein für den Ernst der Lage gibt es aber natürlich noch eine andere Begründung, wieso sich Musiker mit einem breiten Zielpublikum oft nicht oder nur zurückhaltend zu politischen Themen äussern: Sie wollen es sich nicht mit den Gegnern, die ebenfalls zu ihrer Käuferschaft und ihren Konzertbesuchern gehören, verscherzen. (hae)

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