Rundschau im Tramstreit entgleist?

Laut Schweiz am Sonntag liess sich das SRF-Informationsmagazin Rundschau bei der Berichterstattung über die Trambeschaffung der VBZ instrumentalisieren.

Die Rundschau berichtete diese Woche über die Zürcher Trambeschaffung: Sie sei ein Skandal, der Anbieter Bombardier sei in der Bewertung der Offerten krass bevorzugt worden.

Das Fersehmagazin hat den deutschen Ingenieur Martin Weis als Experten eingeladen. Dieser forderte gleich zu Beginn des Beitrags, dasss das Verfahren neu aufgesetzt werden muss. Zu diesem Schluss sei er nach der Lektüre eines vertraulichen Zwischenberichts des Winterthurer Expertenbüros Molinari gekommen. Dieser Bericht wurde vom Zürcher Verkehrsverbund ZVV in Auftrag gegeben, weil er den VBZ bezüglich Evaluation der Offerten misstraut.

Experte mit Konkurrenz verbandelt

Der Darstellung in der Rundschau mangle es an Glaubwürdigkeit, unabhängig zu sein, so nun der Vorwurf der Schweiz am Sonntag. Zum einen sei Weis zumindest seit Februar 2014 geschäftlich mit Molinari verbunden – was die Rundschau hätte berücksichtigen müssen. Redaktionsleiter Mario Poletti erklärte demgegenüber auf Anfrage von Schweiz am Sonntag, Weis arbeite gemäss dessen Auskunft derzeit nicht mit Molinari zusammen und habe erst durch die Rundschau erfahren, dass es den Zwischenbericht überhaupt gebe.

Weis ist laut Schweiz am Sonntag zudem gut bekannt mit Stadler Rail, die ebenfalls offerierte. Als Geschäftsführer der Potsdamer Verkehrsbetriebe sei er 2009 für die Anschaffung von Stadler-Trams verantwortlich gewesen. Im Interview mit Schweiz am Sonntag äussert sich Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler deckungsgleich mit Weis, betont die Zeitung.

Aufnahmen belegen nichts

Die in der Rundschau abgefilmten «Belege» würden wenig überzeugend darlegen, dass tatsächlich eine Bevorzugung Bombardiers vorliegt, heisst es weiter im Artikel. Die Bilder würden schlicht nichts beweisen, auch nicht das Gegenteil.

Relativierungen ignoriert

Von der Rundschau und ihrem Experten Weis gänzlich ausgeklammert würden zudem die von Molinari wiederholt angeführten Bemerkungen, der Zwischenbericht lasse aufgrund «eines begrenzten Zugangs zu den Dokumenten» eine «abschliessende Beurteilung» nicht zu. Doch Relativierungen würden wenig Platz finden, wenn die Wogen hochgehen und das Exklusive auch noch explosiv ist, schliesst der Artikel. (Schweiz am Sonntag/sis)
 

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