Rundum zufriedene Gesichter

Plakat Zürich brachte zu Stande, was Basel und Luzern nicht schafften: Eine Plakatsubmission, mit der (fast) alle glücklich sind.

Plakat Zürich brachte zu Stande, was Basel und Luzern nicht schafften: Eine Plakatsubmission, mit der (fast) alle glücklich sind.Noch läuft eine 30-tägige Frist, in der
gegen den jüngsten Plakatierungsentscheid der Stadt Zürich rekurriert
werden kann. Die Stadt gab am 7. Juli bekannt, dass APG und Clear
Channel Outdoor Plakanda (CCOP) die Plakatierung auf öffentlichem Grund
ab 2007 weitere fünf Jahre besorgen können. Zwar haben sich beide
Aussenwerber bereits über den je eigenen Anteil zufrieden geäussert.

Mehr noch:
CCOP, die in Basel und Luzern gegen die Vergaben an die APG rekurriert
hatte, lobte diesmal das Verfahren als «fair» und «richtungsweisend».
Dennoch sind noch Einsprachen und damit auch Verzögerungen möglich –
immerhin gingen acht der zehn Firmen, die sich um den Aushang der
Plakatstellen beworben hatten, leer aus.

Das Vergabemodell, das der Zürcher Stadtrat gewählt hatte, war
tatsächlich interessant und für die Schweiz neu: Die insgesamt 2199
Plakatflächen verschiedener Formate wurden in Form von 16 Losen
ausgeschrieben. Vier dieser Lose erhielt nun CCOP, zwölf bekam die APG.
Die Stadt rechnet damit, dass sie mit den neuen Verträgen etwa 30
Prozent höhere Erträge erzielen wird als noch 2005.

Wird der Vergabeentscheid rechtskräftig, ergeben sich folgende
Änderungen: CCOP wird wieder direkte Ansprechpartnerin der Stadt. Das
war gut zehn Jahre lang nicht der Fall, denn die Stadt hatte nur einen
Vertrag mit der APG. Dieser enthielt die Auflage, dass die APG der CCOP
einen Marktanteil von 25 Prozent zu überlassen hat. Der so genannte
Konsortialvertrag wird nun aufgehoben, CCOP fühlt sich somit wieder von
der Stadt als Partnerin ernst genommen.

Bezüglich der Flächenverteilung ändert sich dagegen wenig. Die APG
kommt neu auf insgesamt 2080 Einzelstellen (bisher 2021), CCOP auf 119
(120). Während CCOP alle seine Stellen frei vermarkten kann, sind es
bei der APG «nur» etwa 790 Flächen. Der Grund: Unter ihren 2080 Flächen
hat die APG weiterhin 1650 F4-Stellen, die vorwiegend der gewerblichen,
aber auch kulturellen und politischen Werbung vorbehalten und mit von
der Stadt bestimmten Fixpreisen belegt sind. Neu darf die APG aber etwa
360 davon mit eigenen Tarifen frei vermarkten.

Bei den übrigen Formaten kommt es zu einigen qualitativen
Verschiebungen: Die elf Grossflächen auf öffentlichem Grund, die bisher
von der APG bewirtschaftet wurden, werden alle der CCOP übertragen,
diese erhält neu auch 69 F200-Stellen, ein Format, das sie bisher nicht
zu betreuen hatte. Umgekehrt tritt CCOP alle ihre 88 F12 an die APG ab.
Zusätzlich geht das Recht für die Plakatierung auf Bauwänden
vollumfänglich an die APG, die nun die rund 100 variierenden Stellen
exklusiv vermarktet.

Rechnet man nun alle frei vermarktbaren Flächen zusammen, so erhöht
sich der Marktanteil der APG massiv auf 87 Prozent. Geht man dagegen
nur von den permanenten F12, F200 und den Grossflächen aus, behält CCOP
einen Marktanteil von 26 Prozent.

Neu an den Verträgen ist, dass beide Aussenwerber ihre Stellen nach
fünf Jahren an die Stadt abtreten müssen. Beat Roeschlin, CEO von CCOP,
findet das grundsätzlich positiv, da die Stadt bei der nächsten
Ausschreibung noch freier entscheiden und vergeben könne. «Bisher waren
die Stellen für die Plakatfirmen ja fast so etwas wie eine
Absicherung», sagt er. Allerdings sei die fünfjährige Laufzeit des
neuen Vertrages deshalb aus CCOP-Sicht «betriebswirtschaftlich an der
untersten Grenze.» Beat Holenstein, Leiter der APG Zürich, stört sich
dagegen «massiv» an der neuen Forderung der Stadt und spricht von
«Enteignung» und «Verstaatlichung»: «Der Unterhalt eines Stellennetzes
gehört wirklich nicht zur Kernkompetenz einer öffentlichen
Körperschaft.        

Markus Knöpfli

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