Publizistische Produkte im Fokus

Josefa Haas, Leiterin des Medieninstitutes, über den Wandel vom Verlags- zum Medienmanagement.

Josefa Haas, Leiterin des Medieninstitutes, über den Wandel vom Verlags- zum Medienmanagement. WW: Was muss man sich unter einem Medienmanager oder einer Medienmanagerin vorstellen?
Josefa Haas: Eine
Medienmanagerin beziehungsweise ein Medienmanager kennt die
Produktions- und Wertschöpfungsprozesse der Medienbranche. Er oder sie
kann die eigenen Produkte optimal im Markt positionieren und
weiterentwickeln.

WW: In welchen Bereichen arbeiten Medienmanager, in welchen Positionen sind sie in der Medienbranche anzutreffen?
Haas: Es
sind Frauen und Männer in Medienunternehmen, die strategische
Verantwortung für die Entwicklung ihrer Produkte und für das
Gesamtunternehmen tragen.

WW: Was sind Beispiele solcher Medienprodukte?
Haas: Medienmanagerinnen
und Medienmanager werden gattungsunabhängig ausgebildet. Sie lernen den
Printbereich, den Radio- und Fernsehbereich, Internet und die
Entwicklungen in Multimedia kennen.
 

WW: Die Ausbildung hat sich den veränderten Entwicklungen in der Medienbranche angepasst. Was heisst das genau?
Haas: Das
Wichtigste ist die konsequente Ausrichtung und Weiterentwicklung vom
Verlagsmanagement hin zum Medienmanagement. Heute kann man keine
publizistischen Produkte mehr in einem isolierten Mediengattungsmarkt
ansiedeln. Wer heute eine Zeitschrift herausgibt, muss wissen, wie es
um den Internetauftritt bestellt ist beziehungsweise führt einen
solchen selber. Wer Radio macht, ist multimedial tätig, wer Print
macht, ist an den Schnittstellen mit anderen Mediengattungen selber Anbieter oder Konkurrent im Markt.

WW: Inwiefern
ist die Ausbildung auch ein Tool, um der schleichenden Veränderung der
Medien durch branchenfremdes Management, das ohne Branchenfokus auf
maximalen Gewinn zielt, Einhalt zu gebieten?
Haas: Zentral
ist, dass für den Medienmanager und die Medienmanagerin publizistische
Produkte im Zentrum stehen, also Zeitungen, Internetplattformen, Radio-
oder Fernsehprodukte. Sie müssen zwingend den redaktionellen und
journalistischen Ansprüchen genügen. Diese publizistischen Produkte
werden im Werbe- und im Nutzermarkt vermarktet, deshalb macht es einen
grossen Unterschied, ob jemand über eine reine Werbe- oder
PR-Ausbildung verfügt und Medien als eines von vielen Instrumenten
betrachtet. Bei der Ausbildung zum Medienmanager und zur
Medienmanagerin stehen publizistische Produkte im Zentrum. Der Fokus
ist damit ein anderer.

WW: Die eidgenössische Anerkennung der Ausbildung ist noch nicht unter Dach und Fach?
Haas: Derzeit
ist das Verfahren beim Bundesamt für Berufsbildung und Technologie
(BBT) noch im Gang. Bis Ende August sollte es dann so weit sein. Es
spricht nichts gegen die Anerkennung.

WW: Welche Bedeutung hat die Ausbildung im internationalen, beziehungsweise europäischen Vergleich?
Haas: Die
Positionierung der Medienmanagement-Ausbildung entspricht den
Entwicklungen, wie man sie zum Beispiel in Deutschland kennt. Auch dort
fand eine Entwicklung vom Verlagskaufmann zum Medienkaufmann statt,
weil die Orientierung nach reinen Mediengattungen im Medienmarkt heute
nicht mehr genügt. Die Schlüsselargumente sind also dieselben. Es sind
ebenso berufsbegleitende prozessorientierte Ausbildungen, wo man mit
einer grossen Systematik das Geschäft von A bis Z kennen lernt.

WW: Der Kurs ist mit 46 Kurstagen von relativ kurzer Dauer. Warum?
Haas: Die
Ausbildung geschieht berufsbegleitend. Für den Kurs ist eine der
Voraussetzungen, dass man bereits in der Medienbranche tätig ist.
Zukünftige Medienmanagerinnen und Medienmanager sind also Personen, die
in ihrem konkreten Job zum Teil bereits Expertenstatus erreicht haben.
An der Abschlussprüfung wird das gesamte Wissen getestet, also nicht
nur die Lernerfahrung, sondern auch die Berufserfahrung. Hier gehts um
eine Verschmelzung von beruflicher Praxis und Berufsausbildung. Das ist
der grosse Unterschied zu den Fachhochschulen, die stark nach rein
schulischer Wissensvermittlung orientiert sind.

WW: Wie viele Studierende können den Kurs besuchen?
Haas: Im
letzten Kurs waren es 25 Personen, das war etwas viel. Diesmal rechne
ich mit zwischen acht bis vierzehn Teilnehmenden – eine kleine,
kompakte Klasse, wobei die Mitglieder stark voneinander profitieren
werden.

WW: Die Ausbildung findet in den Räumlichkeiten des MAZ in Luzern statt. Welche Rolle spielt das MAZ?
Haas: Keine. Beim MAZ sind wir lediglich eingemietet.

Einzige Ausbildung in der Schweiz
Der Diplomkurs für Medienmanager wird vom Medieninstitut des Verbandes
Schweizer Presse organisiert und durchgeführt. Der Kurs ist die zweite
Stufe der einzigen umfassenden und praxisnahen Berufsausbildung für
Medienmanagement in der Schweiz. Im Zentrum steht die vernetzte
Anwendung von gefestigtem Branchenwissen, Markenführung,
Führungskompetenz, Controlling, Planung, Kommunikation, Recht und
Multimedia. Der Kurs richtet sich an Führungskräfte im Medienbereich
und verschafft Kenntnisse der Mechanismen und der Entwicklungen des
Medienmarktes. Die Prüfungsordnung wird an die aktuellen Entwicklungen
der europäischen Bildungspolitik angepasst.

Informationen unter
www.medieninstitut.ch

Interview: René Worni

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