Sender NW1 ist alders

Lokal-TV NW1-Gründer Beat Alder, der 2004 in die Wüste geschickt wurde, will den serbelnden Sender retten.

Lokal-TV NW1-Gründer Beat Alder, der 2004 in die Wüste geschickt wurde, will den serbelnden Sender retten.Gerade mal eineinhalb Jahre lang hat es
der steinreiche Christian Heeb, Mitgründer von Radio Basilisk, als
VR-Präsident des Baselbieter Regional-TV NW1 ausgehalten. Jetzt hat er
den serbelnden Sender, der monatlich 100 000 Franken Verlust einfährt,
verlassen und alle seine Aktien der Mitaktionärin Elektra Birseck
Münchenstein (EBM) verkauft. Diese hält nun 90 Prozent und gewährt dem
Personal und allfälligen Kaufinteressenten noch eine Frist bis Juni.
Dann wird der Sender dichtgemacht. Fest steht: Weder die Stiftung
Kabelnetz, Trägerin von TeleBasel, noch die Basler Zeitung Medien
zeigen sich an einer wie auch immer gearteten Übernahme von NW1
interessiert.

Doch einer hat Interesse: Beat Alder, derzeit Verleger des Basler
Gratisblattes Stadt-Zytig, will NW1 weiterführen. «Mit meinem Anwalt
arbeite ich ein Angebot für NW1 aus, das wir bis Ende Woche der EBM
unterbreiten», sagt er. Dank Investoren seien zwei bis drei Millionen
Franken bereit. Das Angebot: «Die EBM muss mir die Aktien zum Nulltarif
abgeben, dann übernehme ich Personal, Ausrüstung und Büros. Nicht
jedoch die Schulden, die muss sie selber tragen.» Binnen dreier Monate
soll der Sender kostendeckend sein.

Alders fordernde Haltung ist begründet: Er überführte 2002 den lokalen
Gemeindesender NW5 zu NW1 und erhielt gegen den Willen von TeleBasel
eine Konzession für die ganze Nordwestschweiz (samt Basel). 2004 wurde
er von der Mitaktionärin EBM vor die Tür gestellt, nachdem diese
Christian Heeb ins Boot geholt hatte. Heeb und die EBM hätten den
Sender seither heruntergewirtschaftet, sagt Alder. Dass es nun zwischen
ihm und der EBM wieder zum Handschlag kommt, glaubt er selbst nicht.
Doch das ist Alder egal. Dann gehe er halt auf das NW1-Personal zu und
übernehme nach dem definitiven Aus die Sendeanlagen, sagt er. NW1 will
er auf jeden Fall auferstehen lassen.

Wie ernst er das meint, ist offen. Alder hat schon unzählige
Medienprojekte angerissen. Manche gingen ein, aber einige haben – ohne
ihn – auch heute noch Bestand. Streitereien sind die Regel, der letzte
Krach kein Monat her (WW 17/06). Doch NW1 ist alders. Das ist nicht zu
unterschätzen.
   

Markus Knöpfli

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