Was bedeutet eigentlich… «Crunchtime»?

Benno Maggi erklärt in seiner Kolumne «Was bedeutet eigentlich...?» Begriffe aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich. Dieses Mal teilt er seine Gedanken zum Begriff «Crunchtime», und zeigt, was American Football mit Werbung zu tun hat.

Der Begriff «Crunchtime» stammt aus dem American Football. Hierzulande ist das zwar eine Randsportart, im Land, dessen Name die Sportart definiert, jedoch der Sport schlechthin. Komprimiert auf 18 Wochen plus Playoffs bis zum Finale, dem Super Bowl anfangs Februar, laufen dort Wochenende für Wochenende die Kabel in den Haushalten heiss. «Crunchtime» – sozusagen.

«Crunchtime» frei übersetzt heisst nichts anderes als «Wenn’s drauf ankommt» oder Neudeutsch «Wenn’s kracht». Im American Football dann, wenn die massigen Körper aufeinanderprallen, je näher an der Grundlinie des Gegners oder am Ende des Spiels, desto heftiger. Wer dann trotz Bedrängnis die richtigen Pässe schlägt oder Wege geht und die Bälle fängt, die wie Gewehrkugeln angeflogen kommen, der gewinnt. Aber was hat das mit Werbung zu tun?

Der Super Bowl der Branche

Weil jetzt eben Crunchtime ist. Die Diamant-, Spielwaren-, Tee- und anderen Branchen kennen das schon längst: Die Umsätze dümpeln dahin, bis sie in den zweistelligen Monaten, dem legendären Q4, als Hockey-Stick auf den Charts hochschnellen, statt sich kontinuierlich oder in Wellen übers Jahr zu verteilen. Es ist die Zeit, wo’s drauf ankommt und keine Fehler gemacht werden dürfen.

Für die Werbe- und Kommunikations-Branche ist das eher neu. Klar wurden auch früher Ende Jahr noch Budgets verballert, damit sie den Marketingabteilungen vom CFO nicht gekürzt wurden, aber das ist damit nicht gemeint. Vielmehr steht jetzt mit Ablauf der Kurzarbeitsentschädigung, von der auch in unserer Branche kräftig profitiert wurde, und den gleichzeitig sinkenden Marketingbudgets fürs neue Jahr eine echte Herausforderung an.

Diese müssen sowohl die Agenturen wie deren Mitarbeitende annehmen. Einerseits werden beim Arbeitgeber die Zahlen geprüft und Fragen zum Bedarf und der Höhe von Büroflächen, FTE und Spesen gestellt. Auf der anderen Seite gehen die Fragen der Arbeitnehmenden eher in Richtung Sinn, Erfüllung und Wertschätzung in der aktuellen Tätigkeit. «Auf was kommt’s an?» lautet dann auf beiden Seiten die Schlüsselfrage. Statt wie unter Anwältinnen und Marketern beliebt mit «Es kommt drauf an» zu antworten, lieber richtig handeln, denn: Es kommt drauf an! Nur so finden Sie Ende Januar zum Super Bowl keinen Scherbenhaufen vor.


Benno Maggi ist Mitgründer und CEO von Partner & Partner. Er lauscht seit über 30 Jahren in der Branche und entdeckt dabei für uns Worte und Begriffe, die entweder zum Smalltalken, Wichtigtun, Aufregen, Scrabble spielen oder einfach so verwendet werden können.

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