Dramatisches Ende nach verheissungsvollem Start für den Schweizer Wintertourismus

Nach zwei erfolgreichen Wintersaisons konnte die Dritte bis Februar an den letztjährigen Erfolgen anknüpfen. Die sehr gute Zwischenbilanz, gerade in höheren Lagen, vermag das erzwungene vorzeitige Saisonende aber keinesfalls zu kompensieren.

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Verheissungsvoller Start, jähes Ende: Der Schweizer Winter-Tourismus – hier Engelberg – spürt die Auswirkungen des Coronavirus dramatisch. (Foto: Engelberg-Titlis; Photo Christian Perret)

 

Massive Einbussen ziehen die gesamte Branche in Mitleidenschaft, wie Nachfragen von Schweiz Tourismus (ST) ergaben. Diese Verluste haben neben kurz- und auch langfristige Effekte, indem sich etwa Mittel für künftige Investitionen und Werbemassnahmen drastisch mindern.

 

Einbruch der chinesischen Logiernächtezahlen

Anfang Februar hatte ST angesichts des damals in China grassierenden Covid-19 einen Verlust der Hälfte der chinesischen Hotelübernachtungen für den laufenden Monat prognostiziert. Jetzt liegen die definitiven Zahlen vor, und sie sind noch deutlich schlechter: Die Schweizer Hotellerie musste im Februar ein Minus von über 62’000 Logiernächten aus China (mit Hongkong und Taiwan) verzeichnen, was einem Minus von 61,5 Prozent entspricht.

Dass dieser dramatische Einbruch nur die Spitze des Eisbergs sein sollte, das wollte sich damals noch niemand vorstellen. Trotz dem deutlichen asiatischen Minus aus China, Singapur (-21,0%), Japan (-14,6%) und Korea (-11,5%) endete der Monat Februar noch immer mit einem Gesamtplus von 6,4 Prozent. Vor allem die Gäste aus den Euroländern waren mit +15,9 Prozent so zahlreich in der Schweiz in den Ferien wie schon lange nicht mehr. Auch der Gesamtwinter (November bis Februar) war bis dahin mit einem Plus von 5,3 Prozent insgesamt (Schweiz + 6,8%, Euroländer +3,8%) unterwegs zu einem neuen Rekord – bevor der Ausbruch von Covid-19 auch in Europa zu einem dramatischen Ende der Saison und zu einem Einbruch von heute noch unabsehbarer Dimension führte.

 

Bergbahnen ausgebremst

Per Ende Februar lagen die Ersteintritte in die Skigebiete 10,6 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Die anschliessende Stilllegung hat diesen Trend rigoros gestoppt und stellt die Bahnunternehmungen mit ihren 13’000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor grosse Herausforderungen, welchen auch mit Kurzarbeit begegnet wird. Gemäss einer repräsentativen Umfrage von ST und HotellerieSuisse durch die Hochschule für Wirtschaft HES-SO (Stand: 24. März 2020) rechnen Bergbahnen und Transportgesellschaften schweizweit mit Umsatzverlusten von 53 Prozent im Monat März, respektive 80 Prozent im April. Gemäss eigenen Angaben prognostizieren alleine die Regionen Wallis und Graubünden ausbleibende Erlöse von rund 100 Millionen Franken. Einige Unternehmen haben bereits einen Investitionsstopp ausgesprochen.

 

Schweizer Skischulen stark beeinträchtigt

Die Schliessung der Skigebiete zwang auch alle Schweizer Skischulen, ihren Betrieb am 14. März 2020 einzustellen. Gemäss eigener Erhebung rechnet Swiss Snowsports, der Dachverband der Schweizer Skischulen, von März bis Saisonende mit einem Umsatzausfall von rund 80 Prozent, was etwa 15 Millionen Franken entspricht. Dadurch fehlen Mittel etwa für Marketingaktivitäten. Neben den Umsatzeinbussen stellt eine teilweise ausfallende Aus- und Fortbildung eine der grössten Beeinträchtigungen dar. Durch das vorzeitige Ende der Wintersaison mussten insgesamt 58 Kurse annulliert werden.

 

Erfolgreichste digitale Kampagne der Geschichte

Unter dem Titel «Come and see for yourself» bewarb ST Winterferien in der Schweiz und erreichte 2019/20 weltweit 4,7 Millionen Kontakte (Stand: 29. Februar 2020). Dies entspricht der erfolgreichsten digitalen Kampagne in der Geschichte von ST. Hierfür verantwortlich waren 46 unterschiedliche Werbespots, ausgerichtet an den Interessen und Herkunftsländern potentieller Gäste. «Das grundsätzliche Gästebedürfnis, den Schweizer Winter erleben zu wollen, ist damit nachweislich vorhanden. Umso bedauerlicher, dass die Saison ein solch abruptes Ende nehmen musste. Für die nächste Wintersaison wird es darum gehen, im Gespräch zu bleiben und all diese Schweiz-Fans effektiv zu unseren Gästen zu machen», sagt Direktor Martin Nydegger.

Die starke Nachfrage zeigte sich auch bei Schneesportlagern, was die Zahlen der Schneesportinitiative Schweiz mit ihrer Plattform «GoSnow.ch» wiederspiegeln. Hier wurden Schneesportlager für 11’500 Teilnehmende vermittelt, was einem Plus von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

 

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