Das Problem ist nicht der starke Franken

Geht es nach Investor Samih Sawiris, läuft im Schweizer Tourismus einiges falsch.

Der im Vergleich zum Euro dauererstarkte Schweizer Franken sieht Sawiris im Interview mit dem SonntagsBlick nicht als Hauptproblem für die Leiden des Tourismus. Man habe in den guten Jahren etwas Fett angesetzt. «Es ist wie beim Menschen: Fasten schadet nicht», sagt der Ägypter, der seit Jahren in Andermatt investiert.

 

VIP-Behandlung am Skilift

Das Problem sei vielmehr, dass man sich hierzulande zu sehr auf die «fantastische Natur» mit den «wunderschönen Bergen und Seen» verlasse. Dabei müsse man den ausländischen Gästen das bieten, was die Konkurrenz auch biete.

Als Beispiel fügt Sawiris VIP-Linien an Skiliften an, bei denen man mehr bezahle, aber nicht anstehen müsse. In der Schweiz werde eine solche Bevorzugung gegen Geld als unangemessen empfunden.

Ein Konzept, das übrigens in Laax bereits 2012 eingeführt wurde – allerdings auf Spitzentage beschränkt. Sawiris macht sich dafür stark, dass auch Andermatt die Skilift-Bevorzugung für zahlungskräftige Kunden einführt. Auch wenn seine Leute noch skeptisch seien. «Ich habe schon viel gemacht, wo die Leute zuerst dagegen und danach dafür waren.»

 

Geringe Identifikation

Überhaupt ortet Sawiris die Hauptprobleme beim Service. Die Schweiz beschäftige zu viele Gastarbeiter, die wegen der guten Bezahlung nur zwei, drei Monate ins Land kämen, sich aber nicht wirklich mit dem Ort identifizieren würden. So mache man bereits Kompromisse. «Wenn ein Kellner in Österreich selber im Dorf wohnt, auch wenn die Touristen nicht dort sind, lebt er für diesen Ort. Dann ist auch sein Service besser», ist der Ägypter überzeugt.

Nicht die Preise müssten in der Schweiz runter, denn diese würden von den Leuten ja erwartet. Aber man müsse den Gästen die den Preisen entsprechende Qualität bieten. «Wenn man zu Prada einkaufen geht, weiss man, dass es teuer wird. Aber man will dann auch eine Jacke in Prada-Qualität und nicht eine von C&A. Sonst gehen die Leute direkt zu C&A», fasst Sawiris den Punkt zusammen, den ihm zur Zeit am meisten Sorgen macht.

Der Tourismus müsse sich ein Vorbild an der Maschinenindustrie nehmen: Die Schweizer Industriegüter seien teurer, aber man kaufe sie, da sie viel präzisier und besser seien als die Konkurrenz. (hae/SoBli)

 

Bild: Keystone/Alexandra Wey

So 20.11.2016 - 10:48
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