Berlin, 1896

Restauriert, mit Ton unterlegt und in der richtigen Geschwindigkeit abgespielt: So hat Berlin 1896 ausgesehen.

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Filmemacher Guy Jones hat sich dem filmhistorischen, digital restaurierten Schatz aus dem Archiv von Louis und Auguste Lumière angenommen. Die zwei Brüder zeigten 1895 in Paris die ersten Filme gegen Bezahlung, was heute als eigentlicher Start der Kinogeschichte gilt. Die Filmaufnahmen bildeten das normale Leben ab (Archivfilm hier), die insgesamt 1405 filmischen Impressionen zählen heute zum Weltdokumentenerbe. So zeigt auch der 1896 in Berlin entstandene Film Passanten auf der Berliner Friedrichstrasse. Dabei soll es sich um eine der ersten deutschen Filmaufnahmen überhaupt handeln (man findet hierzu verschiedenste Angaben und Quellen, die sich teilweise widersprechen). Im Hintegrund zu sehen: Im Passage-Panoptikum eröffnete an jenem Tag die Ausstellung «42 wilde Weiber aus Dahomey».

Was der von Guy Jones bearbeitete Ausschnitt besonders macht: Er ist exakt in der richtigen Geschwindigkeit abgespielt, was für Aufnahmen aus den Anfängen der Filmgeschichte ungewohnt ist. Zusätzlich wurden dem Stummfilm realistische Umgebungsgeräusche hinzugefügt. Das erinnert etwas an den Film «They Shall Not Grow Old», für den Regisseur Peter Jackson Originalaufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg derart aufwändig restauriert und koloriert hat, dass sie regelrecht zum Leben erweckt werden (aktuell in den Kinos zu sehen).