Blondine, 34, hübsch: Sex-Werbung in der Tierwelt erzürnt Familienvater

Von wegen «Lesespass für die ganze Familie»: Die Tierwelt kann auch anders. Das hat nun auch 20 Minuten herausgefunden.

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Wo Blondinen, NICHT DUMM (aber geil!), auf die diesjährige Kaktus-Chilbi in Schafisheim AG treffen: die Tierwelt (Foto: Leserreporter 20 Minuten).

 

Ein waschechter Inserate-Skandal stopft das Sommerloch: «In einer Tier-Zeitschrift, die mit «Lesespass für die ganze Familie» wirbt, sind hinten schlüpfrige Inserate abgedruckt», schrieb 20 Minuten am Dienstag.

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Dass die Tierwelt seit Jahrzehnten nicht zwingend als Tier- und Familienzeitschrift, sondern vor allem als bunter Marktplatz für Dienstleistungen und Produkte aller Art bekannt ist, scheint weder dem Autoren, noch dem erzürnten Familienvater bisher bekannt gewesen zu sein. Entsprechend perplex war Leser T.I., als er bei den Kleinanzeigen Erotik-Inserate entdeckte – nachdem er die vermeintliche, ihm zugeschickte Tierzeitschrift den 8- und 10-jährigen Kindern in die Hand gedrückt hatte. 20 Minuten zitiert zwei besonders schockierende Beispiele:

«Sehr diskret, für unvergessliche Erotik», steht da etwa, oder: «Ich bin schlank [...], zärtlich und erotisch».

Ein weiteres Skandal-Inserat: «Blondine, 34, hübsch! NICHT DUMM aber geil! Telefonsex?»

Das Problem: Nach dem Konsum der als Familienzeitschrift angepriesenen Tierwelt erzählten die beiden betroffenen Kinder überall – auch in der Schule – «von Telefonsex, Transsexuellen und Ähnlichem».

«...sodass sie nicht so sehr auffallen»

Dass «Lesespass für die ganze Familie» und Telefonsex nicht optimal zusammenpassen, sieht auch Tierwelt-Verlagsleiter Beat Kaufmann ein. Die Inserate seien nicht für Kinder gedacht, glättet er die Wogen gegenüber 20 Minuten. «Daher haben wir sie extra nicht in einer eigenen Rubrik zusammengefasst, sodass sie nicht so sehr auffallen.» Solche Inserate gäbe es in jeder Zeitschrift – wenn sie keinen Rücklauf hätten, würde sie auch niemand in Auftrag geben, argumentiert Kaufmann. Das leuchtet ein.

Und noch ein Detail, welches für den weiteren Verbleib der Schlüpfrigkeit im Tierumfeld spricht, erwähnt der Verlagsleiter: Im Gegensatz zu allen anderen Anzeigen seien die Erotik-Inserate in den letzten 15 Jahren stabil geblieben. Balsam für die geschundene Print-Seele. Dass Sex-Anzeigen scheinbar immer noch funktionieren und aus gewissen Print-Titeln in Zeiten von schwindenden Inserateeinnahmen nicht wegzudenken sind, demonstriert ja beispielsweise auch der Blick, dessen tägliche Schmuddel-Ecke auch 2019 anmutet wie direkt den 80er-Jahren entsprungen.

Dass in der Tierwelt seit jeher nicht nur Kaninchen, sondern auch Waffen, Hellseher-Sitzungen und Sex verkauft werden, erfahren Redaktion und Familienvater durch 240 aufklärende Leserkommentare. «Seit ich die Tierwelt kenne hat es auch solche Inserate» oder «Die Tierwelt war bei uns früher immer ein Garant für Lesespass, natürlich auch wegen den einschlägigen Anzeigen», heisst es da etwa. Die Leserschaft scheint sich weitgehend einig, dass es für diesen Sturm im Wasserglas – sofern man ihn schon entfacht – nicht unbedingt hätte 2019 werden müssen.