Die Form von häuslicher Gewalt, über die nicht gesprochen wird

Die Allied Irish Bank (AIB) machte am 25. April auf einen weit verbreiteten, aber selten thematisierten Teil der häuslichen Gewalt aufmerksam.

AIB

Häusliche Gewalt hat viele Gesichter. Nebst der körperlichen, sexuellen und psychischen gibt es auch die weit verbreitete, aber weniger oft thematisierte wirtschaftliche Gewalt. Dazu zählt unter anderem, wenn Partnern der Zugang zu finanziellen Mitteln vorenthalten wird. Demonstrierte Macht auf der einen, Abhängkeit und ausgeliefert sein auf der anderen Seite. Für betroffene Frauen kann finanzielle Gewalt ein scheinbar unüberwindbares Hindernis darstellen, den missbräuchlichen Partner zu verlassen.

AIB, das grösste Finanzinstitut Irlands, hat in Zusammenarbeit mit Women's Aid auf einen Missstand aufmerksam gemacht, der vielen nicht bewusst sein dürfte: Gegen 200'000 Frauen sind im Land von finanzieller Gewalt betroffen. Oder anders ausgedrückt: Fast jede zehnte Irin über 15. Und ja: Natürlich gibt es auch männliche Opfer.

Wie es sich anfühlt, wenn man von dieser Art des Missbrauches betroffen ist, hat die Bank zusammen mit der NPO Women’s Aid und der Agentur Rothco demonstriert. Ein Geldautomat wurde so präpariert, dass er offensive, misstrauische und bedrohliche Fragen stellt, statt das Geld «auszuspucken».

Laut Alan Kelly, CCO bei Rothco, handelt es sich dabei um die einzige Form des Missbrauchs, über die nicht gesprochen wird. «Den Menschen einfach davon erzählen, würde nichts daran ändern. Finanzieller Missbrauch ist so subtil und heimtükisch, dass die Menschen ihn am eigenen Leib erfahren mussten, um ihn vollständig zu verstehen.» Genau das habe man mit dem Geldautomaten erreichen wollen. Der mit verstecketer Kamera gedrehte – laut Agentur ungeskriptete – Film wird über die Social-Media-Kanäle der beteiligten Parteien ausgespielt und trägt hoffentlich dazu bei, ein weiteres Tabu zu brechen.