Oh weh, 5G...

Gute oder unglückliche Platzierung? 5G war in der SonntagsZeitung zumindest ein omnipräsentes Thema.

Man wird den Verdacht nicht los, dass die Bevölkerung die 5G-Euphorie der Telekom-Anbieter, denen der Ausbau nicht schnell genug gehen kann, nicht ganz teilt. Das liegt einerseits daran, dass die meisten Menschen mit ihrem aktuellen mobilen Internet wohl ganz zufrieden sind und nicht einsehen, wieso es nötig sein soll, einen Spielfilm innert Sekunden aufs Handy laden zu können. Zumal hierfür ein neues, 5G-fähiges Gerät nötig wird und viele Nutzer die einstige «jedes-Jahr-ein-neues-iPhone»-Kultur aus Kosten- und Nachhaltigkeitsgründen überdacht haben.Technologien der Zukunft – zum Beispiel autonom fahrende Autos – werden das Netz zwar nötig machen, momentan verspüren viele Menschen aber noch wenig Lust darauf.

Vor allem aber gibt es gesundheitliche Bedenken. Die Begeisterung über die Aussicht auf noch mehr und noch «leistungsfähigere» Datenübertragung durch die Luft hält sich nicht nur bei strahlensensiblen Menschen in Grenzen. Vielleicht, so eine weit verbreitete Meinung, sollte man sich mit gewissen Bedenken etwas ausführlicher auseinandersetzen, bevor man das Land grossflächig mit 5G versorgt. Eine Forderung, die mittlerweile auch die Politik erreicht hat und von verschiedenen Volksvertretern aufs Parkett gebracht wurde. Ein Moratorium soll den Ausbau aufschieben, bis man mehr weiss. Konzentrierte sich der Protest bisher auf die Romandie, hat die Skepsis laut SonntagsZeitung mittlerweile auch die Deutschschweiz erreicht. Nicht nur die Mobilfunk-Anbieter, auch der Bundesrat würde bisher wenig Rücksicht auf die Bedenken von Lokalpolitikern und Bevölkerung nehmen, war im Artikel der aktuellen Ausgabe zu lesen.

Zufall oder Gegensteuer? Die SonntagsZeitung schaltete eine Seite zuvor ein doppelseitiges Swisscom-Inserat, das stolz die schweizweite 5G-Versorgung bis Ende Jahr ankündigte. Dies, obwohl man den Eindruck hat, dass zumindest Teile der Bevölkerung ganz froh sind, noch nicht zu den Glücklichen mit 5G-Abdeckung zu gehören.

Zumindest die Telekom-Anbieter befinden sich angesichts der 5G-Bescherung in kollektiver Feierlaune. Vielleicht zieht ja die Bevölkerung bald nach. Es wäre nicht das erste Mal, dass es Marketing und Werbung gelingt, ein Bedürfnis zu schaffen, das eigentlich gar (noch) nicht existiert.

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5G SonntagsZeitung