Werbeausgaben für Autos steigen nur schleppend

Die Werbeausgaben der Automobilmarken werden 2019 voraussichtlich um 0,8 Prozent steigen (2018 waren es noch 1,5 Prozent). Dies geht aus Zeniths erstem Automotive Advertising Expenditure Forecasts hervor, der am Montag veröffentlicht wurde.

Mercedes

Die Autobauer erwarten für 2019 ein schweres Jahr, da sie sich den fortwährenden Spannungen in den Handelsbeziehungen, insbesondere zwischen den USA und China, sowie der möglichen Einführung von Automobileinfuhrzöllen in den USA gegenübersehen. Letzteres sorgt dafür, dass die Beschaffungskosten der Hersteller für Rohstoffe und Teile steigen und der grenzübergreifende Verkauf erschwert wird. Zenith prognostiziert ein Wachstum von 2,0 Prozent im Jahr 2020, wenn die Olympischen Sommerspiele in Tokyo und die UEFA Euro 2020 als wertvolle Werbefläche für Autowerbung zur Verfügung stehen. 

Insgesamt bleibt der Autowerbesektor auf dem Werbemarkt, der ein Wachstum von 4 Prozent verzeichnet, hinter den Erwartungen. Neue Technologien und sich ständig verändernde Kundenbedürfnisse sind eine grosse Herausforderung für die Art und Weise, wie in der Autoindustrie verkauft wird. Biokraftstoffe, innovative Kommunikationstechnologien sowie neue Eigentumsmodelle und die Nutzung von neuen digitalen Kanälen – um Käufer auf aktivem Wege online zu erreichen – sind in den kommenden Jahren der Schlüssel zu schnellerem Markenwachstum. 

Zenith hat seine erste exklusive Umfrage über Werbung in der Automobilbranche in 14 Schlüsselmärkten weltweit* durchgeführt, Basis hierfür sind die vierteljährlich erscheinenden Advertising Expenditure Forecasts, die seit nunmehr 31 Jahren veröffentlicht werden. Nach den Berechnungen beliefen sich die Werbeausgaben im Automobilsektor auf diesen Märkten im Jahr 2018 auf 35,5 Milliarden US-Dollar.

Die USA stellen in diesem Bericht mit Werbeaufwendungen von 18 Milliarden USD in 2018 bei Weitem den grössten Automobilmarkt dar. Damit übertreffen sie China, den mit 6,3 Milliarden USD nächstgrössten Markt, um fast das Dreifache. Die US-Werbeausgaben der Automarken befinden sich seit 2012 schon länger im Sinkflug, insgesamt mit einer Abnahme von 12 Prozent zwischen 2012 und 2018. In China hingegen sind die Werbeausgaben der Automobilbranche über den gleichen Zeitraum um 47 Prozent gestiegen. Der am schnellsten wachsende Markt ist Indien. Dort wird eine Zunahme der Autowerbungskosten von durchschnittlich 12,8 Prozent bis 2020 erwartet.

Das Fernsehen dominiert in der Autowerbung - Internet-Werbung wächst schnell

Mehr als 50 Prozent aller Werbeaufwendungen für Automobile gehen an das Fernsehen – 54,9 Prozent in 2018 und somit deutlich über den 32,9 Prozent des weltweiten Durchschnitts in allen Kategorien. Das Fernsehen bleibt der beste Kanal, um emotionale Markenauftritte zu vermitteln und über die Zeit aufrechtzuerhalten. Dennoch hat die kontinuierliche lineare Abnahme der Einschaltquoten in den meisten entwickelten Märkten die Preise für die restlichen Zuschauer in die Höhe getrieben. Dies bringt die Marken derzeit dazu, einen grösseren Teil ihrer Ausgaben für Onlinevideos und andere Internetformate aufzuwenden. Es wird erwartet, dass der TV-Anteil der Werbeaufwendungen in der Automobilbranche, der in 2018 rund 54,9 Prozent betrug, im Jahr 2019 auf 54,4 Prozent und anschliessend in 2020 auf 53,1 Prozent fällt.

Die Automarken haben stetig mehr Budget in Richtung Internetwerbung verschoben. Hierzu gehört auch Werbung auf allen Online-Videodiensten, die fernsehähnlichen Inhalt über das Internet ausstrahlen. Die Marken hinken dem Markt in Sachen Internetwerbung insgesamt hinterher: Im Vergleich zum weltweiten Durchschnitt von 40,6 Prozent haben sie in 2018 in der Tat nur 20,9 Prozent ihres Budgets für Online-Werbung aufgewendet. Die Tatsache, dass Fahrzeugverkäufe fast ausschliesslich offline getätigt werden, macht es für Automobilmarken im Gegensatz zu Marken der meisten anderen Kategorien schwer, ihre Online-Verkaufsaktivitäten zu optimieren. Die Verbraucher von heute stellen ihre Recherchen in Sachen Automarken mittlerweile online an, sodass es dennoch wichtig ist, dass die Automarken eine starke Onlinepräsenz wahren, um Kunden in dieser Schlüsselphase auf dem Weg zum Kauf zu erreichen. Zenith geht davon aus, dass der Digital-Anteil der Werbeaufwendungen für den Automobilsektor bis 2020 auf 24,4 Prozent steigen wird. 

Abgesehen von Druckmedien, die weiterhin mit der kontinuierlichen Abnahme der Auflagenzahlen zu kämpfen haben, hält der Rest der traditionellen Medien der Werbung im Automotive-Sektor ziemlich gut mit. Es wird erwartet, dass Radio-, Kino- und Out-of-Home Werbung ihren Anteil an Automobilwerbung zwischen 2018 und 2020 entweder aufrechterhalten oder knapp steigern. Radio, das viele Verbraucher im Auto hören, funktioniert bei Automarken besonders gut, was 7,2 Prozent der Werbeaufwendungen für Autos im Vergleich zu 6,0 Prozent Werbeaufwendungen global in allen Kategorien ausmacht.

Automarken stehen einmaligen Kommunikationsherausforderungen gegenüber

Automarken stehen demselben Veränderungsdruck gegenüber, die alle Branchen derzeit antreiben, ihre Kommunikationsmethode mit Verbrauchern zu ändern und ihre bezahlte Werbung zu nutzen. Doch sie haben auch mit einzigartigen Herausforderungen zu kämpfen. Der rapide Anstieg der Verbrauchernachfrage nach SUV-Modellen hat zu einem viel stärkeren Wettbewerb unter den Anbietern geführt. Dies bedeutet, dass Werbefachleute ihre Werbung effizienter auf potenzielle SUV-Käufer zuschneiden und die Rendite ihrer Werbung strenger beurteilen müssen, und zwar sowohl nach Kanal als auch nach Modell. Unterdessen zwingen die Intervention der Regierung und die Verbrauchernachfrage die Marken dazu, in umweltfreundliche Technologien zu investieren und den Kunden, die eine Veränderung fordern, ihre innovativen Werte zu vermitteln. Die Verwendung von Datenhinweisen wie beispielsweise Interesse an Umweltaspekten und schneller Einführung neuer Technologien kann auf effektiverem Wege Informationen liefern, um potenzielle umweltbewusste Käufer anzusprechen.