Was der Blaufahrer sieht

Unfallprävention Für den Verein RoadCross fuhr Lesch+Frei bewusst über den Strassenrand hinaus.

Unfallprävention Für den Verein RoadCross fuhr Lesch+Frei bewusst über den Strassenrand hinaus. 600 Tote und mehr als 26000 Verletzte fordern Verkehrsunfälle auf Schweizer Strassen jährlich. Obwohl die Zahlen leicht rückläufig sind, ist dies noch immer ein zu hoher Preis für die Mobilität – davon ist der Verein RoadCross überzeugt. Die gemeinnützige Organisation mit Sitz in Zürich hat sich die Prävention von Strassenverkehrsunfällen und damit die Verwirklichung der Vision Zero (siehe Kasten) auf die Fahne geschrieben. Neben Massnahmen zur Sensibilisierung für Gefahren und Folgen von Unfällen betreut RoadCross auch Betroffene. Dazu gehört unter anderem psychologische Nothilfe, Beistand in medizinischen Belangen sowie juristischer Rat. Pünktlich auf die kommenden Festtage hin hat sich der Verein von Lesch+Frei in Zürich eine Weihnachtskampagne konzipieren lassen. Diese will den Betrachter aber nicht feierlich, sondern nachdenklich stimmen. Zwei Sujets mit unterschiedlichen Strassensignalisationen sollen die verzerrte Realität einer alkoholisierten Wahrnehmung dramatisieren. Gemäss dieser endet eine Strasse in einer Hausmauer, eine andere auf der Gegenfahrbahn. Die sternförmigen Lichtkegel der Strassenlaternen sind das Einzige, was den Betrachter weihnächtlich stimmen könnte. Mit gutem Grund: Was wären Weihnachten und Silvester ohne einen Toast, und was wäre ein Toast ohne einen guten Tropfen Wein oder perlenden Champagner? Dass sich viele angetrunkene Autofahrer noch im Stande fühlen, ein Fahrzeug zu lenken, verursacht aber – gemäss Bundesamt für Unfallverhütung – jeden dritten Unfall.Lesch+Frei visualisierte für RoadCross die Wahrnehmungsunschärfe von alkoholisierten Automobilisten. Unfallprävention Da war kein Alkohol im Spiel: Für den Verein RoadCross schrammte Lesch+Frei eine Hausmauer >> Seite 7 Vision Zero kommt auch in der SchweizDas schwedische Parlament setzte 1997 mit Vision Zero neue Richtlinien für die Sicherheitspolitik im Strassenverkehr. Ziel ist die Vermeidung von Toten und Schwerverletzten. Der neue Ansatz basiert auf der Einsicht, dass der Mensch Fehler begeht. Als Folge davon müssten das Verkehrs- und Rettungssystem so gestaltet werden, dass Fehler keine fatalen Folgen mehr hätten. Hier zu Lande läuft das Projekt unter dem Namen Veispo (Verkehrssicherheitspolitik). Für eine Annäherung an die Vision will das Bundesamt für Strassen (Astra) die Zahl der Verkehrsopfer bis 2010 mindestens halbieren. Im letzten Oktober verbreiteten die Medien missverständliche Äusserungen von Astra-Direktor Rudolf Dieterle, wonach das Projekt auf Eis gelegt würde – was das Astra dementierte. Zurzeit wird ein Massnahmenpaket des Bundes geprüft. (sk)Simone Keller