Die Wirkung des neuen ICC-Kodex auf die Schweizer Werbung

Die Internationale Handelskammer ICC hat ihren Kodex für die Werbe- und Marketingkommunikation im vergangenen Jahr komplett revidiert und ihn in Bezug auf die digitale Transformation aktualisiert. Die Sektion Deutschschweiz von KS/CS Kommunikation Schweiz hat diese Revision zum Anlass genommen, den neuen Kodex gemeinsam mit ICC Switzerland und der Schweizerischen Lauterkeitskommission an ihrem dritten «Talk im Mascotte» den interessierten Fachleuten vorzustellen.

Raelene Martin

Gastdozentin aus Paris: Raelene Martin, Policy Manager, Commission on Marketing and Advertising, ICC International

 

«Building consumer trust through responsible marketing» lautet der Leitsatz des ICC-Kodexes – im genauen Wortlaut: ICC Advertising and Marketing Communications Code. An seiner Aktualität habe sich auch mit der zehnten Revision von 2018 nichts geändert, wie Raelene Martin, Policy Manager Marketing and Advertising bei ICC International, versicherte.

Neue Alterskategorien für Kinder und Jugendliche

Wesentliche Änderungen betreffen gemäss Martin die klare begriffliche Ausdehnung auf sämtliche digitalen Werbekanäle sowie eine neue Alterseinteilung für Kinder und Jugendliche. Habe es bislang keine Alterskategorien gegeben, werde neu zwischen Kinder «jünger als 12 Jahre» und Jugendlichen «13-17 Jahre» unterschieden. Nach wie vor gelte jedoch für beide Altersgruppen, dass entsprechende Werbung besondere Rücksichtnahme verlange. ICC hat für den neuen Kodex eine eigene Website aufgeschaltet mit allen wichti-gen Informationen zu den neuen Regeln, einem Schulungstool für Kommunikationsfachleute sowie spezifischen Regelungen für Alkohol, Direct Marketing oder Umweltthemen.

Der ICC-Kodex wirkt subsidiär zu den SLK-Grundsätzen

Dr. Marc Schwenninger, juristischer Sekretär der Schweizerischen Lauterkeitskommission (SLK), erläuterte anschliessend an einigen Beispielen aus der Praxis, welche Wirkungen der ICC-Kodex bei der Beurteilung einer Beschwerde hat. Konkret seien es drei Bereiche, die vom Schweizer Recht und den Grundsätzen der Lauterkeitskommission nicht abgedeckt würden und bei denen die SLK jeweils auf den ICC-Kodex abstelle. Das betreffe zum einen die erwähnte Werbung, die sich speziell an Kinder und Jugendliche richtet, anderseits das Thema «Social Responsibility», das heisst Verstösse gegen gesellschaftlich breit akzeptierte Werte. Im vorgestellten Fall aus dem Jahr 2008 hat ein Telekom-Unternehmen mit einem Sujet geworben, das einen verzweifelten Mann zeigt, der sich im WC zu ertränken versucht. Obwohl die Beschwerde abgewiesen wurde, lässt sich die Problematik daran gut aufzeigen. Im dritten Bereich, in dem sich die SLK auf den ICC-Kodex beruft, geht es um Werbung für Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen, für die eine besonders strenge Beweispflicht gilt.

In alle Netze

Abgewiesen wegen klarer werberischer Überzeichnung: verstiess nicht gegen gesellschaftliche Werte.

Schwenninger

Dr. Marc Schwenninger, juristischer Sekretär Schweizerische Lauterkeitskommission, erläutert, in welchen Fällen sich die SLK auf den ICC-Kodex stützt.

KS CS V.l.n.r.: Christian Merk (Präsident Sektion Deutschschweiz KS/CS), Raelene Martin (ICC International), Thomas Pletscher (Generalsekretär ICC Switzerland) und Marc Schwenninger (SLK)

Christian Merk (Präsident Sektion Deutschschweiz KS/CS), Raelene Martin (ICC International), Thomas Pletscher (Generalsekretär ICC Switzerland) und Marc Schwenninger (SLK) (v.l)