It’s (never) time for a change*

Eine Initiative will ein neues Verbot in der Verfassung verankern: Untersagt werden soll jede Art von Werbung für Tabakprodukte, die Kinder und Jugendliche erreichen könnte. In den meisten europäischen Ländern ist dies bereits gang und gäbe.

Für Tabakkonzerne dürfte die Schweiz als Schlaraffenland gelten. Zwar ist hierzulande seit 1964 Werbung für Tabak in Radio und Fernsehen untersagt. Geht es aber um Werbung im Internet, in Printmedien und Kinos, an Verkaufsstellen, Veranstaltungen und auf Plakaten, existieren zumindest auf Bundesebene keine Regelungen. So hat eine Studie, die in den Jahren 2013 und 2014 in der Westschweiz durchgeführt wurde, ergeben, dass Jugendliche im ausserschulischen Alltag sechsmal mehr Tabakwerbereizen begegnen als Präventionsbotschaften. Eine Initiative fordert nun, dass sich das ändert. Die Initianten, darunter Gesundheits- und Jugendorganisationen, wollen das Werbeverbot ausdehnen. Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, sagen sie, sollten auch Gratisangebote, Wettbewerbe und Sponsoring etwa von Musikanlässen und Feiern untersagt werden. Denn die Mehrheit der Rauchenden fange in der Jugend an.

Diesbezüglich ist wichtig zu wissen: Eine Diskussion darüber, inwieweit man Tabakwerbung weiter beschränken müsste, um die Jugend zu schützen, läuft bereits in Bundesbern. 2015 hatte der Bundesrat eine Verschärfung für Tabakwerbung vorgelegt. Das Parlament lehnte die vorgeschlagene Werbeeinschränkung zwar ab. Die Begründung lautete, dass die freie Marktwirtscha höher zu gewichten sei als die Prävention. Inzwischen hat der Bundesrat aber neue, entschärfte Vorschläge vorgelegt, die auf den Jugendschutz abzielen. Dazu gehört ein schweizweites Verkaufsverbot von Tabak an unter 18-Jährige und das Verbot von Werbung beispielsweise in Gratiszeitungen und neben Süssigkeiten. Der Initiative «Ja zum Schutz der Kinder und Ju- gendlichen vor Tabakwerbung» gehen die Vorschläge allerdings nicht weit genug. Der Bereich Sponsoring bleibt in diesem Vorschlag beispielsweise ausgeklammert.

Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt: Das europäische Ausland kennt tatsächlich striktere Regelungen, geht es um das Anpreisen von Zigaretten. EU-weit ist die Werbung in Printmedien und im Radio untersagt. In den meisten europäischen Ländern sind zudem die Aussenwerbung und das Sponsoring von Veranstaltungen verboten. Und beispielsweise Irland, Norwegen, Grossbritannien und Finnland untersagen darüber hinaus, Tabakwaren an Verkaufsstellen sichtbar auszulegen. Die härtesten Regeln herrschen derweil in Australien: Am anderen Ende der Welt ist nicht mal mehr Werbung durch Verpackungsdesign gestattet. Die Zigarettenpackungen sind olivgrün, die Markennamen klein in einheitlicher Schrift aufgedruckt. DenGrossteil der Verpackungen zieren Schreckensbilder, welche auf die Gefahren des Rauchens hinweisen. Die australische Regierung ist überzeugt, mit Massnahmen wie diesen dazu beigetragen zu haben, dass 2015 nur noch 14,7 Prozent der Bevölkerung des roten Kontinents rauchten. 1990 waren es noch 27,7 Prozent.

*Werbeslogan von Lucky Strike

Text: Ann-Kathrin Kübler; erschienen in der Werbewoche 11/2018.