«Statt mit der rasanten Veränderung konstruktiv umzugehen, wird sie bejammert»

Livio Dainese, CCO und Co-CEO von Wirz, wurde im April zum «Werber des Jahres» 2018 gewählt. In unserer Serie zum Jahresausklang blickt er auf 2018 zurück und wagt einen Ausblick ins kommende Jahr 2019.

Bei der dritten Nominierung in Folge klappte es: Livio Dainese wurde im April 2018 von der Leserschaft der Werbewoche und der Fachjury zum «Werber des Jahres» gekürt. Der Kreativchef und Co-CEO von Wirz hatte im Vorjahr mit mehreren Kampagnen sowohl die Öffentlichkeit wie auch die Werbewelt gleichermassen begeistert. Ein Schlafkonzert in Ikea-Betten, Cumulus-Punkte für nichtverbrauchtes M-Budget-Datenvolumen – und natürlich Migros-Wichtel Finn, der in Erinnerung rief, dass es Schweizer Werbung auch heute noch schafft, die Bevölkerung uneingeschränkt zu verzücken. Der Aargauer machte seinem Titel alle Ehre, vertrat die Werbebranche im Amtsjahr nach aussen souverän. In grossen Interviews mit beispielsweise Radio SRF3, Schweiz am Wochenende oder SonntagsBlick demonstrierte er der Öffentlichkeit in aller Ruhe und mit trockenem Humor, dass Werber – im positiven Sinne – längst nicht mehr den gängigen Klischees entsprechen.

Werbewoche: Ihr persönliches Highlight 2018?

Livio Dainese: Dass ich auch den dritten Sturz mit dem Göppel ohne Knochenbrüche überstanden habe. Dann die vielen schönen Arbeiten, die wir für unsere alten und neuen Kunden realisieren durften.

Welche Schweizer Kampagne ist Ihnen 2018 in besonderer Erinnerung geblieben?


Ich mag die Galaxus-Kampagnen, insbesondere den Claim.

Was hat Sie dieses Jahr gestört?

Pitch-Anfragen gegen acht Agenturen ohne Geld.

Welches Thema hat die Werbebranche 2018 Ihrer Meinung nach besonders geprägt?


Die Ohnmacht. Statt mit der rasanten Veränderung konstruktiv umzugehen, wird sie bejammert.

Ein zentraler Trend für 2019?

Automatisiertes Marketing, Internet of Things und der sinnvolle Einsatz von künstlicher Intelligenz und Buzzwords.

Was ist die grösste Herausforderung, der sich die Werbebranche im kommenden Jahr stellen muss?


Nicht reaktiv auf veränderte Kunden- und Marktbedürfnisse zu reagieren, sondern mit neuen Arbeits-, Zusammenarbeits- und Entgeltungsmodellen aktiv auf die Kunden zugehen.

Was stimmt Sie zuversichtlich, dass 2019
 ein gutes Jahr wird?


Nun, zum einen: Die meisten Mitarbeiter haben das legendäre Chlausfäscht überlebt. Zum anderen: Wir haben uns in den letzten Wochen und Monaten einige superspannende neue Mandate gesichert und haben tolle Projekte unserer bestehenden Kunden in der Pipeline. Ich glaube, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht dieses Jahr. Richtig gestrebert haben wir. Das Jahr 2019 kann kommen.

2018 neigt sich dem Ende zu. Zeit, nochmals zurückzublicken – und einen Ausblick aufs kommende Jahr zu wagen. Die Werbewoche hat sich bei Vertreterinnen und Vertretern der Schweizer Werbebranche umgehört. Sie alle haben der Kreativwirtschaft in der ein oder anderen Form einen prägenden Stempel aufgedrückt. Alle Interviews finden Sie in der aktuellen Werbewoche 20/21 vom 18. Dezember 2018.

Interviews und Text: Thomas Häusermann.