Fast alles für fast jeden: Der Mann, der Galaxus, Škoda und Trivago spricht

Wer ab und zu Werbung schaut oder hört, kennt Dominik Zeltners Stimme gut. Der 38-Jährige, der auch unter dem Namen Mietmaul auftritt, ist mitunter aus Spots von Galaxus und Škoda Schweiz bekannt. Von tief und rauchig über ruhig bis zu marktschreiend bietet er das volle Stimmrepetoire an. Die Werbewoche hat ihn getroffen.

Dominik Zeltner

Dominik Zeltner kommt pünktlich auf die Minute ins vereinbarte Café. «Ah gut, wir haben uns gefunden», sagt er erleichtert und fügt an: «Ich hoffe, Sie sind jetzt nicht enttäuscht.» Er sei nicht der, erklärt er, den er in Werbespots oft spreche: der Mann mit tiefer Stimme, der Rolex trägt und BMW fährt und einfach sehr männlich klingt. Er könne zwar wunderbar in diese Rolle schlüpfen – wie zuletzt im Spot von Man’s Place, «wo ein Mann noch ein Mann sein kann». Zu der tiefen, rauchigen Stimme aus dem Man’s-Place-Spot passt Zeltners Erscheinung aber tatsächlich nicht.

Dominik Zeltner

Der 38-Jährige trägt braune Cordhosen, einen blauen Wollpulli, Ledertasche, Strubbelfrisur und Bart. Seine Stimme klingt nicht besonders tief, sondern einfach angenehm. Er scheint jeden Buchstaben mit Bedacht zu betonen. Nicht übertrieben, einfach gut verständlich. Er hat eine Stimme, der man gerne zuhört. Diesen Morgen hat Zeltner, der als Sprecher unter dem Namen Mietmaul auftritt, schon einen Radiospot für Appenzeller Bier eingesprochen. Die Tonart «coole Socke» in einer Bar war gefragt, erzählt er. Welche Stimme zu welchem Text passe, erkenne er nach 19 Jahren im Beruf schnell. Wenn die Anweisung nicht direkt vom Auftraggeber käme, sehe er Texten an, ob sie «männlich gelesen werden sollen» (sagt er in der tiefen Man’s-Place-Stimme), «oder zurückhaltend» (sagt er ruhig) «oder laut, als Marktschreier!» (ruft er). Letzteres merke man beispielsweise an kurzen Sätzen und vielen Ausrufezeichen. Manchmal gibt auch die Marke die Tonart vor. Seit einigen Jahren ist Zeltner die ClaimStimme von Škoda Schweiz («Simply clever»), Galaxus («Fast alles für fast jeden») und Radio Pilatus («Die bescht Musig»).

 

Beispiele für Spots, die Zeltner spricht – weitere Beispiele finden Sie am Ende des Artikels:

Solche wiederkehrenden Aufträge seien toll, da die Kunden erst ihr Markenimage wechseln müssten, um seine Stimme auszutauschen. Eine Lieblingskampagne von Zeltner war von Trivago. «Das war Toplevel auf jeder Ebene», sagt er. «Die Geschichte, die Bildproduktion, die Soundproduktion: alles super. Und ich durfte sprechen.» Vier Spots zeigten Insider-Storys, die sich in Hotels zugetragen haben sollen. Am Ende die Auflösung; Zeltner spricht mit einer Stimme, die direkt der Werbung entsprungen scheint: «Wieso wir das wissen? Wir wissen alles über Hotels. Hotel – Trivago.»

Spaghetti ohne Sauce und dazu Wasser 

Der Kundenstamm von Dominik Zeltner ist beachtlich. Das kommt dem Werbesprecher gelegen, da er ungern telefoniert und Eigenwerbung tendenziell als unangenehme Pflichtübung empfindet. Die Aufträge kommen heute wie von allein rein. Das war nicht immer so. Als Zeltner mit Anfang 20 gemeinsam mit seiner Frau beschloss, sich selbstständig zu machen, ging es in den ersten Jahren vor allem ums Durchhalten. «Spaghetti ohne Sauce und dazu Wasser standen auf dem Tagesplan», erinnert er sich lächelnd. «Das war ein Abenteuer und eine super Zeit.» Das Paar hatte sich während seiner gemeinsamen Anstellung beim privaten Fernsehsender TV3 kennengelernt. Nach dessen Konkurs wechselten sie zum Radio. Dort waren die Tage lang und beide dachten – «naiv, wie wir waren» – sie könnten all die Energie monetär auch in ihre eigene Tasche stecken. Gemeinsam starteten sie als Werbesprecher in die Selbstständigkeit. Seine Frau war mitunter lange Zeit die Lidl-Stimme («Lidl lohnt sich»). Heute hat sie umgesattelt und berät Selbstständige auf ihrem Berufsweg.

Seine Frau war lange Zeit die Lidl-Stimme.

Dominik Zeltner aber ist weiterhin mit Leidenschaft als Sprecher tätig. Rund 80 Prozent seiner Aufträge nimmt Zeltner im eigenen Studio auf. Die Texte liest er von seinem Smartphone ab – um Papier zu sparen – und zwar so, dass es klingt, als lese er eben nicht vor. Sein Mikro kann er mit Firmensitzen von Kunden verbinden, damit ihm diese live zuhören und Kommentare abgeben können. Die meisten aber vertrauen ihm blind. Lassen ihn machen und freuen sich für gewöhnlich über das professionelle Endergebnis. Nur selten wird Zeltner in externe Studios geladen. Kürzlich beispielsweise nach London für die aktuelle Babbel-Kampagne, in der ein Alien auf der Erde landet und Sprachen lernen muss. Den persönlichen Kontakt mit den Werbern zwischendurch geniesst Zeltner. «Ich fühle mich wie ein Gast, der von aussen die Szene beobachtet. Ich denke dann: ‹Ah ja, das ist sicher der Texter, das der Art Director, das der Studienbetreiber und das die Assistentin…›» Im Grossen und Ganzen sei das Sprecherdasein aber einsam. «Das passt zu mir», fügt der gebürtige Aargauer überzeugt an.

Sein Studio befindet sich im Untergeschoss seines Hauses, in dem er mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern zur Miete wohnt. In Herschmettlen, einem 300-Seelen-Dorf in der Zürcher Gemeinde Gossau, «wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen». Die Ruhe brauche er als Ausgleich. «Wenn ich tagsüber erzähle, wie super diese und jene Firma sei, geniesse ich es, auf dem Land mit meiner Familie das wahre Leben zu spüren.» Sein Beruf sei ausserdem nicht nur Sprecher und Hörspieler, sondern auch Vater. Seit der Geburt seiner beiden Mädchen teilt er sich die Kinderbetreuung mit seiner Frau auf. «Ich trenne Berufliches und Privates nicht so streng. Zwar grenze ich mich ab, wenn ich mit den Kindern Zeit verbringe. Aber wenn sie im Bett sind, erledige ich auch mal noch abends um 22 Uhr einen Auftrag.» 

Dominik Zeltner
Dominik Zeltner
Dominik Zeltner

Hörspiele mit Sinnhaftigkeit 

Das Leben mit den Kindern, die mittlerweile sieben und zehn Jahre alt sind, zeigt ihm aber auch die Endlichkeit des Lebens auf. «Kinder wachsen schnell, woran man merkt, dass man selbst älter wird. Was ich im Leben noch vorhabe, sollte ich also anpacken.» Und er fügt an: «Wenn ich mal sterbe, will ich nicht nur als Werbesprecher in Erinnerung bleiben, sondern etwas hinterlassen.» Deshalb sucht er seit zwei Jahren bewusst nach Lektüren, die ihn faszinieren, und setzt diese als Hörbuch um. Dabei geht er – entgegen seinem sonst eher schüchternen Naturell – gezielt auf kleine Verlage zu und bietet ihnen an, ihre Werke zu vertonen. Oft handelt es sich nicht um Geschichten, die er privat lesen würde, sondern vor allem um Texte, in denen verschiedene Charaktere vorkommen («Bei gewissen könnte ich nicht schlafen. Zum Sprechen ist das aber ein Geschenk!»).

Dass er sich als Teenager nicht traute, die Schauspielschule zu besuchen, hielt er sich eine Zeit lang vor. Als Hörspieler kann er seinen Traum nun dennoch ein Stück weit verwirklichen. Beispielsweise spielt er im SRF-Hörspiel «Donjon» mit und interagiert mit den anderen Sprecherinnen und Sprechern im geräumigen Basler Studio. «Eine meiner Rollen ist die Gürtelschnalle – und die ist ein bisschen fiiiies», fügt er in einer anderen, gemein und leicht gruselig klingenden Stimme an. Sich auszuprobieren, gefällt Zeltner. Manchmal kommen Anmerkungen von der Regie: «Quietsch nicht so! Mach mal normal!» Früher machte ihm solche Kritik zu schaffen. «Heute aber weiss ich: Jaja, wir nehmen jetzt noch 17 Takes auf und schlussendlich verwenden wir eine der ersten Aufnahmen.»

Dominik Zeltner ist in Mutschellen im Kanton Aargau als Pfarrerssohn aufgewachsen. Nach der abgeschlossenen KV-Lehre in einem Luzerner Hotel gelang ihm der Übertritt in die Medienwelt. Heute ist der 38-Jährige unter dem Namen Mietmaul als Werbesprecher und Hörspieler selbstständig tätig. Sein Claim lautet: «Dominik Zeltner sagt, was gesagt werden muss.» Gebucht wird der zweifache Vater vor allem für ruhige Sprecharten. Marktschreier-Aufträge («Dä Samstig!») nehme er zwar auch an – einigen Kunden schlage er aber schon mal vor, auf die Anschreierei zu verzichten. Zeltners Stimme ist unter anderem bekannt aus Spots von Škoda Schweiz, Galaxus, Crowdhouse, Autofit, Radio Pilatus, Watson und Babbel. Mietmaul.ch

Fotocredits: Karine&Oliver (Nr. 1), Ann-Kathrin Kübler (Nr. 2), zVg (3,4 und 5). Dieser Artikel wurde zuerst in der gedruckten Werbewoche 16/2018 publiziert.