«Vielleicht kennen wir die Technologien noch gar nicht, die unsere Branche von Grund auf verändern werden»

Annette Häcki, Creative Director bei Y&R Wunderman, stellt sich unseren «13 Fragen».

Annette Häcki

1. Was kommt Ihnen auf keinen Fall ins Büro?

Wenn ich das verrate, ist nach den nächsten Ferien mein Schreibtisch damit zugekleistert. Wir haben da so eine nette kleine Prank-Tradition bei Y&R Wunderman.

 

2. Wer war der amüsanteste Lunch-Partner?

Thomas Meyer. Er ist als Lunch-Partner genauso unterhaltsam und schlau wie seine Bücher. Er ist auch der Grund, weshalb ich damals in der Werbung gelandet bin.

 

3. Was ist für Sie die momentan grösste Herausforderung für die Werbung?

Aktuell greift die Überzeugung um sich, dass eine kleinstteilige Segmentierung ausreicht, um Menschen von einem Produkt oder Service zu überzeugen. Doch je mehr man sich auf Programmatic Advertisting etc. verlässt, desto grobschlächtiger sind oft Idee und Umsetzung. Die technischen Möglichkeiten sinnvoll einzusetzen und trotzdem Menschen nicht für dumm zu verkaufen, sehe ich als grosse Herausforderung.

 

4. Hat das klassische Agenturmodell langfristig eine Zukunft?

Mit Sicherheit nicht. Veränderung lässt sich ja bekanntlich nicht verhindern, sondern höchstens mitgestalten. Was das heutige, längst nicht mehr ganz so klassische Agenturmodell dereinst ablösen wird, darüber lässt sich allerdings nur spekulieren. Vielleicht kennen wir die Technologien noch gar nicht, die unsere Branche von Grund auf verändern werden. Ich finde das wunderbar!

 

5. Was möchten Sie nie über sich hören müssen?

Da gibt es so einiges. Etwa, dass meine Antworten auf die 13 Fragen etwas vom Langweiligsten sind, was es aktuell zu lesen gibt. Allerdings versuche ich, mein Selbstbild nicht davon abhängig zu machen, was ich über mich höre. Gerade in einer Führungsposition steht man immer in irgendjemandes Schusslinie.

 

6. Schon mal überlegt, die Werbebranche zu verlassen?

Ich mache immer wieder gedankliche Ausflüge in andere Berufsfelder. Bisher stets mit dem Resultat, dass ich absolut verzückt in die eigene Realität zurückgekehrt bin. Ich empfinde es als grosses Glück, einen Beruf ausüben zu dürfen, der mir so grossen Spass macht.

 

7. Ein Buzz-Wort, das Ihnen auf die Nerven geht?

Co-Creation. Aktuell kommt man nicht darum herum. Auch bei Y&R Wunderman benutzen wir es inflationär, weil wir seit Jahren tatsächlich so arbeiten. Was es bedeutet und wofür es bei uns steht, finde ich grossartig. Aber das Wort an sich kann ich nicht mehr hören. Vielleicht sollten wir in Zukunft, wie das Wunderman-Netzwerk, eher von Collision sprechen. Eigentlich trifft es das viel besser, aber der Erklärungsbedarf ist grösser.

 

8. Können Sie uns ein kleines Geheimnis verraten?

Ich liebe Excel.

 

9. Was unterscheidet die Werbe- und Kommunikationsbranche von anderen Branchen?

Wir potenzieren Fachkompetenz durch Prozesskompetenz.

 

10. Welchen Berufskollegen würden Sie mit auf die einsame Insel nehmen?

Sandy Pfuhl, Art Director. Sie ist unfassbar optimistisch, voller Energie und Tatendrang. Es wäre zwar immer noch eine Insel, aber einsam wäre es nicht. (Nachtrag: Die Strategin Sarah Bürger aus Berlin hat meine Antworten durchgelesen und erklärt, ich solle gefälligst sie mitnehmen. Um unsere langjährige Freundschaft nicht zu gefährden, ist also auch sie mit von der Partie.)

 

11. Was wird aktuell überschätzt?

Messbarkeit. Dass man sie anstrebt, verstehe ich. Dass man ihr allzu oft blind vertraut, weniger. Wie schön wäre es doch, wenn man für Entscheidungen keinen Mut mehr benötigen würde und sich komplett auf Zahlen verlassen könnte. Doch das zu messen, was man tatsächlich messen will, ist unglaublich schwierig und komplex. Das Ergebnis zu interpretieren, ebenso.

 

12. Wieso gibt es in den Führungsetagen der Schweizer Werbebranche nicht mehr Frauen?

Um das zu ändern, müsste man vielleicht die Frage andersrum stellen. Wieso gibt es in den Führungsetagen der Schweizer Werbebranche so viele Männer? Hinter so manchem beruflich erfolgreichen Mann steht eine Frau, die auf den eigenen Erfolg verzichtet.

 

13. Haben Sie ein Vorbild?

Ich hoffe, irgendwann jeder Situation gelassen, weise und couragiert zu begegnen. An diesem Bild von mir selbst in vielen Jahren orientiere ich mich schon heute.

 

Annette Häcki ist seit März 2018 Creative Director bei Y&R Wunderman. Nach ihrem Studium in Bern und Berlin wollte sie Dramaturgin werden und unternahm berufliche Ausflüge in die Theaterwelt, entschied dann aber anders. Stattdessen stieg sie in die Werbung ein, war als Texterin für verschiedene Kreativagenturen tätig, leitete bei Rod Kommunikation mehrere Jahre lang die Kreation, wollte dann freelancen, liess sich aber von Y&R Wunderman von einer Festanstellung überzeugen. Ihren jetzigen Arbeitgeber bezeichnet sie als fast perfekt. Fast, weil aktuell noch keine Hunde in der Agentur erlaubt sind. Sie arbeitet daran, das zu ändern.