«Eine Idee ist gut, wenn sie mir sofort eine Welt öffnet»

David Schärer, Gründungspartner von Rod Kommunikation, stellt sich unseren «13 Fragen».

David Schärer

1. Wofür würden Sie gratis arbeiten?

Gratis arbeiten tu ich nie. Was nicht heisst, dass die Arbeit immer nur finanziell entlöhnt werden muss. Ich muss aber unbedingt etwas lernen und Zugang zu einem inspirierenden Netzwerk haben.

 

2. Wofür möchten Sie am liebsten werben?

Für die Europäische Union. Das wäre ein spannendes Kommunikationsproblem.

 

3. Welche Printmedien haben Sie privat abonniert?

Die Neue Zürcher Zeitung, The Economist und den Schweizer Monat.

 

4. Ihr amüsantester Lunch-Partner?

Menschen, die es schaffen, während eines ganzen Mittagessens keine einzige Frage zu stellen und sich nach dem Lunch per Mail für das «inspirierende Gespräch» bedanken.

 

5. Das beste Buch, das Sie in letzter Zeit gelesen haben?

«Die Rückkehr nach Reims» des Soziologen und Philosophen Didier Eribon. Anhand seiner Biografie präsentiert er eine Analyse über den Aufstieg des Front National in Frankreich. Seine Geschichte hat mich gepackt und berührt und mir viel über das Dilemma der Linken erklärt.

 

6. Das beste Testimonial, das es je gegeben hat?

Gerade letzten Herbst Colin Kaepernick für Nike. Nachdem der Football-Spieler während der Nationalhymne nicht aufgestanden, sondern hingekniet ist, präsentierte Nike sein Gesicht mit dem Satz «Believe in something. Even it means sacrificing everything» und dem Claim «Just do it». Nike ist es nicht nur gelungen, eine weltweite Resonanz auszulösen, sondern sowohl an Umsatz als auch an der Börse kräftig zuzulegen.

 

7. Was möchten Sie nie über sich hören müssen?

Kleinkariert und bünzlig zu sein.

 

8. Wofür würden Sie unter keinen Umständen werben?

Natürlich sollte ein Auftrag wie bei allen andern auch einigermassen in mein Werteschema passen. Die Frage ist aber viel eher für wen zu werben als für was. Die gute Chemie mit dem Auftraggeber ist für den gemeinsamen Erfolg unerlässlich.

 

9. Welche Eigenschaften machen Sie zu einem guten Werber?

Ich glaube, ich bin ein guter Dramaturg mit Gefühl fürs Timing.

 

10. Wie wissen Sie bei einer Idee, dass sie gut ist?

Wenn sie mir sofort eine Welt öffnet.

 

11. Was halten Sie von Adblockern?

Sie sind die Hindernisse auf dem Weg in die Herzen der Menschen. Das Wegskippen von Werbung stellt die Medienbranche und damit auch uns vor ein grosses Problem, das gelöst werden muss.

 

12. Wenn Sie mit unbeschränktem Budget eine Kampagne kreieren könnten, die grosse Teile der Welt erreicht – was wäre Ihre Botschaft?

Wir leben in der besten Welt, die wir je hatten – sorgen wir dafür, dass es so bleibt.

 

13. Welche Werbekampagne aus Ihrer Kindheit hat einen bleibenden Eindruck auf Sie hinterlassen?

Der Levis-Spot «Pool Hall» mit dem Song «Should I stay or should I go» von The Clash ist eine meiner ersten bewussten Werbeerinnerungen als Teenager. Zur selben Zeit übrigens auch «Stop Aids». Diese Kampagne war es, die mich motivierte, in die Werbung zu gehen. Dass wir als dritte Agentur in dreissig Jahren für die «Love Life»-Kampagne arbeiten dürfen, macht mich unglaublich stolz.

David Schärer wurde in Basel geboren. Nach der Schule für Gestaltung Basel fand er seinen beruflichen Einstieg in der Pressestelle des Theater Basel, bis er im Jahr 2000 in die Public-Relations-Unit von der Kreativagentur Jung von Matt/Limmat wechselte. 2007 gründete er die Agentur Rod Kommunikation, die er in Partnerschaft mit Mitgründerin und Strategin Regula Bührer Fecker und Geschäftsführer Pablo Koerfer leitet. Die Agentur ist mit 25 Mitarbeitenden für Marken wie 20 Minuten, Credit Suisse, das Bundesamt für Gesundheit («Love Life), Swisscom und weitere tätig. David Schärer absolviert ein Executive MBA an der Berlin School of Creative Leadership.