«So etwas wie einen Lieblings- oder Traumkunden gibt es für mich nicht»

Sacha Moser, Gründer und Creative Partner von Foundry, stellt sich unseren «13 Fragen».

1. Wofür würden Sie gratis arbeiten?


Auch als relativ junge Agentur arbeiten wir regelmässig an Pro-Bono-Projekten. Das ist uns wichtig, denn unser Team kommt aus aller Welt und ist sehr divers. Wir unterstützen Kunden und Institutionen, die für Menschenrechte, Verständigung, Miteinander und eine offene, solidarische Gesellschaft einstehen. Gerade entwickeln wir beispielsweise eine Kampagne für Amnesty International Finnland.

2. Wofür möchten Sie am liebsten werben?


So etwas wie einen Lieblings- oder Traumkunden gibt es für mich nicht. Der Reiz besteht eher in der Aufgabe. Und der kreativen Lösung eines Problems.

3. Was halten Sie von Influencer Marketing?


Influencer gibt es so lange wie die Kommunikation selbst. Und vermarktet wurden sie auch seit jeher. Früher vielleicht nicht ganz so schnell und professionell und bei Weitem nicht mit den Skalierungsmöglichkeiten von heute. Fakt ist, dass Influencer beim Aufbau einer Marke eine grosse Rolle spielen und für eine diversifizierte Zielgruppenansprache relevant sein können. Das Entscheidende dabei ist, dass authentische Kollaborationen geschaffen werden, nur so wird ein Engagement auch glaubwürdig.

4. Auf welche drei elektro­nischen Geräte könnten Sie zuletzt verzichten?


Mein Telefon, mein Telefon und die Powerbank. Ja, ich habe zwei Telefone.

5. Hat das klassische Agentur­Modell eine Zukunft?

Gegenfrage: Was ist das klassische Agentur-Modell? 
Das Spannende in unserer Branche ist der stetige Wandel. Ich finde es toll, dass wir uns immer sehr früh und intensiv mit neuen Trends und Weiterentwicklungen beschäftigen.

6. Was möchten Sie nie über sich hören müssen?

Er war stets (sehr) bemüht.

7. Schon mal überlegt, die Werbebranche zu verlassen?

Ich verlasse jeden Tag die Werbebranche. Manchmal gehe ich fast zu weit und beschäftige mich dermassen stark mit den Kunden unserer Kunden, dass ich mitunter glaube, Teil einer anderen Branche zu sein. Das Schöne ist, dadurch bleibt es immer spannend, und ich muss nie zum Berufsberater.

8. Können Sie uns ein kleines Geheimnis verraten?

Nein, ich verrate nur grosse.

9. Eine Kampagne, die Ihnen in letzter Zeit positiv auf­ gefallen ist – aber nicht von Ihnen stammt?


Nike mit Colin Kaepernick. Eine starke Haltungskampagne mit einem unglaublich guten Timing und viel Weitblick. Die Kampagne hat laut Edison Trends die Online-Sales am Bank-Holiday-Wochenende nach Lancierung um 31 Prozent nach oben getrieben und sicherlich ihren Teil zum aktuellen Allzeithoch der Aktie beigetragen. Am Rande sei bemerkt, sie wurde sogar vom amerikanischen Präsidenten ge(t)adelt. Nike. Just did it again.

10. Welchen Berufskollegen würden Sie mit auf die einsame Insel nehmen?


Meine Frau arbeitet (leider oder glücklicherweise) in einer anderen Branche.

11. Was nervt Sie an der hiesigen Werbebranche?


In der Zeit, als ich hautsächlich in Zürich gearbeitet habe, wunderte ich mich immer darüber, wie viel Zeit Menschen damit verbringen, über die Branche zu tratschen und Kollegen oder deren Arbeit zu dissen. Klar, ein gewisses Konkurrenzdenken ist gesund. Es kreieren aber viele Agenturen herausragende Arbeiten, die ich mir dann auch gerne anschaue. Eines der wichtigsten Themen unserer Branche ist die Stärkung der Wertschätzung kreativer Arbeit insgesamt. Stichwort unbezahlte Pitches, Ideenklau und so weiter – hier gilt es, besser und stärker zusammenzuarbeiten.

12. Was war das Beste, das Sie in den letzten fünf Jahren getan haben?


Die Gründung von Foundry. Wissen Sie, das ging so: Nach dem Besuch bei meiner Grossmutter in Berlin hatte ich den Foundry Business Plan bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft «Berlin Partner» präsentiert. Deren Feedback und grosszügige Unterstützung bestätigte mich in meiner Überzeugung, meine Vision konkret in die Tat umzusetzen. Das Resultat: Heute, also drei Jahre später, sind wir ein internationales Team von fast dreissig Talenten, das an zwei Standorten in Berlin und Zürich innovative Kunden aus ganz Europa betreut.

13. Die beste Schweizer Kampagne aller Zeiten?


Die «Wendesätze» der Swiss Life Versicherungswerbung wurde noch nie so toll umgesetzt wie bei den Schadenskizzen der Mobiliar.

Sacha Moser gründete 2015 die schnell wachsende Agentur Foundry mit Standorten Zürich und Berlin. Zuvor war er jahrelang erfolgreich für Young & Rubicam in New York und San Juan, Puerto Rico, tätig, war Intl. Creative Director bei Publicis und Mitgründer, Creative Partner und VR von Serviceplan Suisse.