Zügelpläne von Bern nach Zürich: Politiker pfeifen die SRG zurück

Der umstrittene Umzug der Radiostudios von Bern nach Zürich gerät ins Stocken: Parteipräsidenten von links bis rechts fordern die SRG auf, mit dem Zügeln abzuwarten.

SRG Umzug Bern Zürich

Dass die SRG die Radiostudios in Zürich zentralisieren will, ist in den vergangenen Monaten auf teilweise erbitterten Widerstand gestossen. Der Fokus auf Zürich und die damit verbundene Schwächung des Medienstandortes Bern stösst vielerorts sauer auf. Der Streit sorgte gar für eine interne Eskalation: Die Genossenschaft Bern Freiburg Wallis, welche die Umzugspläne kategorisch ablehnt, prüfte im September nicht nur den Ausstieg aus der SRG, sondern auch die Lancierung eines SRG-Konkurrenzprogramms (Werbewoche.ch berichtete). Beim SRG-Verwaltungsrat sind die Proteste nicht auf offene Ohren gestossen – er entschied, dass die Sparmassnahmen unumgänglich seien, um die von der Politik geforderten Einsparungen zu erzielen (Werbewoche.ch berichtete).

Bereits bei Bekanntwerden der Pläne reichten Politiker aus verschiedenen Lagern eine parlamentarische Initiative ein. Die Forderung: Die SRG müsse ihre Standorte über die ganze Schweiz verteilen.

 

«Affront gegenüber der föderalistischen Schweiz»

Da die SRG den Ausgang der Initiative nicht abgewartet und in der Zwischenzeit die Zügelpläne beschlossen, respektive konkretisiert hat, regt sich nun politischer Widerstand. Wie die SonntagsZeitung in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, richten sich die Parteipräsidenten von SP, CVP, Grüne, BDP, SVP und CVP in einem Brief an die SRG und fordern die sofortige Sistierung der Umzugspläne. Die Zentralisierung sei, so heisst es im Brief, ein «Affront gegenüber der föderalistischen Schweiz, den Gebührenzahlern und den Regionen». Es befremde die Absender, dass die SRG bereits unzählige Arbeitsstunden in die Umsetzung des Umzugs investiere und damit Mittel dem Programm entziehe, obwohl der Ausgang der Initiative hängig sei.

 

SRG weiterhin wenig beeindruckt

Die SRG hingegen zeigt sich einmal mehr unbeeindruckt von den Versuchen, sie vom Umzug nach Zürich abzuhalten. Sprecher Edi Estermann sagt, man müsse – unabhängig vom Ausgang der Initiative – die Umsetzung der Reformprojekte professionell vorbereiten. Für die Umsetzung der konkreten Projekte werde man die Entscheide des Parlaments abwarten.

Estermann betont gegenüber der SonntagsZeitung, wieso man die unpopulären Massnahmen ergreife: Man wolle den vom Bund verordneten Sparplan einhalten, ohne dabei dem Programm zu stark zu schaden oder Personal abbauen zu müssen.

Sparen tut weh

Mit anderen Worten: Ihr wolltet Sparmassnahmen, jetzt kriegt Ihr sie. Die SRG spart mit dem Umzug jährlich 5 Millionen Franken an Immobilienkosten ein. Andere Sparmassnahmen führten etwa zur Abschaltung des DVB-T-Netzes (Werbewoche.ch berichtete), was unter anderem im benachbarten Ausland für grosses Bedauern sorgte. Dass die SRG auf die Sparbremse tritt, bekommt indes auch das breite Publikum zu spüren: Erstmals in der Geschichte zeigt SRF beispielsweise den Champions-League-Final nicht mehr live – die vollumfänglichen Rechte hat man bereits an die Pay-TV-Sender verloren. Beim Wettbieten um die Rechte – in diesem Fall mit Teleclub – ist man nicht bereit, in neue Sphären vorzudringen.

Parlament könnte anderer Meinung sein als die Kommission

Die Chancen, dass sich das Paralement für die Initiative ausspricht, sollen gut stehen. Zwar haben sich die beiden vorberatenden Kommissionen dagegen ausgesprochen. Für Initiativen-Urheber und CVP-Ständerat Beat Vonlanthen ist aber klar, wieso: Die SRG habe im Vorfeld aggressiv lobbyiert und praktisch geschlossen an der Anhörung teilgenommen. Während ihm nur zehn Minuten Redezeit eingeräumt worden sei, hätte die SRG-Spitze und ihre PR-Beraterin fast anderthalb Stunden Redezeit erhalten.