SRG und Private machen heimlich gegen Replay-TV mobil

Abseits der Öffentlichkeit sollen Bemühungen im Gange sein, dem zeitversetzen Fernsehen auf parlamentarischer Ebene den Riegel zu schieben. Konsumentenschützerin Sara Stalder stört sich daran.

Wie die NZZ am Sonntag in ihrer aktuellen Ausgabe schreibt, soll die Interessengemeinschaft Radio und Fernsehen (IRF) aktuell daran sein, auf parlamentarischem Wege eine Änderung der Spielregeln beim Replay-TV zu erwirken. Ein Mitglied der Fernmeldekommission des Nationalrats will in der kommenden Woche demnach bei den Beratungen über die Revision des Fernmeldegesetzes folgende Änderung vorschlagen: Neu sollen Anbieter von Fernsehprogrammen diese «nur zeitgleich, unverändert und vollständig» weiterverbreiten dürfen. Dem Zuschauer sollen neu nur noch «mit Zustimmung des Veranstalters Funktionen zur Verfügung gestellt werden, die ihm die zeitverversetzte Nutzung der Programme erlaubt».

«Rückschritt in die Steinzeit des Medienkonsums»

Konsumentenschützerin Sara Stalder warnt vor den Plänen. Dass überhaupt darüber diskutiert werde, sei abstrus und bedeute einen Rückschritt in die Steinzeit des Medienkonsums, sagt sie zur NZZ am Sonntag. Sie befürchte einen «massiven Anstieg» der Preise. Dem Konsumenten würde sein gesetzlich veranktertes Recht auf Privatkopie von urheberrechtlich geschützten Inhalten «ersatzlos weggenommen».

Brief von TV-Verbreitern verlangt Ablehnung des Vorschlages

Bei den TV-Verbreitern, für welche die Replay-Funktionen eine entscheidende Erhöung des Kundennutzens darstellt, hat man Kenntnis von diesen Plänen. Sechs davon – darunter Swisscom und UPC – rufen die Kommissionsmitglieder in einem Brief dazu auf, den Vorschlag abzulehnen. Die Swisscom spricht sich gegenüber der NZZ am Sonntag klar und deutlich gegen die beabsichtigte Gesetzesänderung aus. Die von den Sendern beklagten Werbeverluste, so Sprecher Armin Schädeli, hätten – sofern sie überhaupt zuträfen – auch andere Gründe.

Die IRF, welche hinter dem Vorstoss stehen soll, winkt ab. Es gehe nicht darum, Replay-TV zu verbieten, so Geschäftsführerin Andrea Werder – man begrüsse die kundenfreundliche Funktion. Jedoch würden die Sender verlangen, dass die TV-Verbreiter (als Swisscom, UPC etc) die Konditionen für das Replay-TV mit ihnen absprechen würden, wie das in allen europäischen Ländern auch der Fall sei. Replay-TV sei in der Schweiz für existenzbedrohende Mindereinnahmen verantwortlich. Laut Werder sollen 2017 den Sendern rund 100 Millionen Franken entgangen sein – entschädigt worden seien sie hingegen nur mit 8,3 Millionen Franken. (hae)