Halbjahreszahlen: Tamedia steigert Umsatz dank Übernahmen

Tamedia ist im ersten Semester vor allen dank Übernahmen gewachsen. Im angestammten publizistischen Kerngeschäft hält der Kriechgang indes weiter an. Und auch die erfolgreichen Marktplätze spüren vermehrt Konkurrenz, was erhöhte Investitionen notwendig macht.

Tamedia Gebäude

Der Umsatz des grössten privaten Medienkonzerns in der Schweiz nahm in den ersten sechs Monaten 2019 um 9,8 Prozent auf 524,1 Millionen Franken zu. Treiber des Wachstums waren dabei vor allem die übernommenen Unternehmen Goldbach und Zattoo, wie Tamedia am Dienstag mitteilte.

Der Betriebsgewinn verminderte sich dagegen um gut 22 Prozent auf 41,0 Millionen Franken. Der Rückgang wird vor allem mit erhöhten Abschreibungen als Folge der Übernahmen sowie mit Investitionen in die Digitalplattformen und Bezahlmedien begründet. Die Marge betrug 7,8 Prozent nach 11,0 Prozent im Vorjahr.

Unter dem Strich resultierte ein Konzerngewinn von 53,6 Millionen Franken. Dies entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Plus von gut 34 Prozent. Darin enthalten ist indes ein ausserordentlicher Gewinn aus dem Verkauf des Tamedia-Anteils an Localsearch an Swisscom in Höhe von rund 18,7 Millionen Franken.

Die ausgewiesenen Zahlen liegen bezüglich Umsatz über, auf Ebene EBIT indes klar unter den Schätzungen der ZKB. Das Zürcher Kantonsinstitut rechnete mit einem Umsatz von 495,5 Millionen und einem EBIT von 46,4 Millionen.

 

Print bleibt unter Druck

Mit Blick auf die Segmente zeigt sich in der Publizistik das bereits gewohnte Munster. Das Geschäft mit gedruckten publizistischen Zeitungen und Zeitschriften bleibt unter Druck. «Im Vergleich zum Vorjahr haben wir rund 18 Millionen Franken im Printwerbemarkt verloren, die digital nicht kompensiert werden konnten», lässt sich CEO Christoph Tonini in der Mitteilung zitieren. Die rückläufigen Umsätze belasten insbesondere im Geschäftsfeld Bezahlmedien auch stark die Profitabilität. Auf Stufe EBIT betrug die Marge hier noch magere 0,8 Prozent.

Klar besser sieht es diesbezüglich im Bereich Pendlermedien und Vermarktung aus. Der auch hier spürbare Druck auf die gedruckten Ausgaben der Pendlerzeitungen wurde im Halbjahr durch die stark wachsenden Digitalwerbeerträge sowie durch das durch Zukäufe gestärkte Geschäft mit der Werbe-Vermarktung überkompensiert.

 

Marktplätze sind gefordert

Und anders als in früheren Perioden laufen auch die Geschäfte im Bereich Marktplätze und Beteiligungen nicht mehr ganz so gut. Die digitalen Marktplätze spüren gemäss CEO Tonini die Konkurrenz von internationalen Anbietern. Um einer möglichen Disruption zuvorzukommen, investiert Tamedia hier deshalb in den Ausbau von Personal und IT, was markant auf die Margen drückt. Das Management gibt sich überzeugt, dass diese Investitionen langfristig gewinnbringend sein werden.

 

Impressum fordert einen Kurswechsel

Der Journalistenverband Impressum äussert sich in einer Stellungnahme vom Dienstag kritisch gegenüber Tamedia. Die Forderung: «Massive» Investionen in die Redaktionen, statt Titel zu streichen. Angesichts der Halbjahreszahlen solle Tamedia die Forderung der Redaktionen in der Romandie akzeptieren und während mindestens zwei Jahren auf Entlassungen verzichten. Weiter solle der Konzern die mit Internetplattformen erzielten Gewinne in den Journalismus reinvestieren. Diese Investitionen in die Redaktionen seien nötig, damit Titel wie die Tribune de Genève in Genf und Der Bund und die Berner Zeitung in Bern ihre jeweilige Identität behalten könnten. (SDA/pd/hae)


 

Tamedia Erstes Semester 2019
Kennzahlen 2019-6 2018-6 Veränderung
  in Mio. CHF in Mio. CHF in Prozent
Tamedia-Gruppe      
Betriebsertrag 524.1 477.5 9.8
Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) 91.5 85.4 7.2
Marge (in Prozent) 17.5 17.9 -2.4
Betriebsergebnis vor Effekten aus Unternehmenszusammenschlüssen 71.1 72.7 -2.3
Betriebsergebnis (EBIT) 41 52.7 -22.3
Marge (in Prozent) 7.8 11 -29.2
Ergebnis 53.6 39.9 34.3
davon Anteil Aktionäre von Tamedia 39.6 26.3 50.6
Mittelfluss aus betrieblicher Tätigkeit 64.9 98.8 -34.3
Bilanzsumme 2 841.6 2 948.41 -3.6
Eigenfinanzierungsgrad (in Prozent)² 72.8 71.31 2.2
Bezahlmedien      
Betriebsertrag 276.1 290.1 -4.8
davon Intersegment 17.7 21.7 -18.7
EBITDA 17.6 22.5 -21.5
EBITDA-Marge (in Prozent)³ 6.4 7.7 -17.6
Pendlermedien und Vermarktung      
Betriebsertrag 141.8 93.6 51.4
davon Intersegment 7.2 4.1 73.7
EBITDA 32.5 13.8 135.3
EBITDA-Marge (in Prozent)³ 22.9 14.8 55.4
Marktplätze und Beteiligungen      
Betriebsertrag 137 124.9 9.7
davon Intersegment 6 5.3 12.4
EBITDA 42.1 53.2 -20.9
EBITDA-Marge (in Prozent)³ 30.7 42.6 -27.9
Durchschnittlicher Bestand Mitarbeitende⁴ 3 642 3 224 13
Quelle: Tamedia

¹ per 31.12.2018
² Eigenkapital zu Bilanzsumme
³ Die Marge bezieht sich auf den Betriebsertrag
⁴ Der durchschnittliche Mitarbeiterbestand versteht sich ohne Mitarbeitende von Assoziierten / Joint Ventures
 
Alternative Performance-Kennzahlen

Tamedia verwendet die folgenden alternativen Performance-Kennzahlen:
•    Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA)
•    Betriebsergebnis vor Effekten aus Unternehmenszusammenschlüssen
•    Konsolidierte normalisierte Erfolgsrechnung