Neues Basler Online-Medium nimmt als «Bajour» Form an

Ein angekündigtes neues Basler Online-Medium nimmt als Bajour langsam Form an. Seit Monatsbeginn besteht ein Büro. Vier Journalistinnen und Journalisten sind angestellt, und in einer Woche wird das erste eigene Podium veranstaltet. Gratis zu lesen, baut das Online-Medium auf Stiftungsgelder.

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Das Logo des neuen Basler Onlinemediums Bajour. Laut BZ soll es von Hinderling Volkart kreiert worden sein.

 

Nach dem Aus für die Basler Tageswoche im letzten November bleibt die regionale Medienlandschaft weiter in Bewegung. Im Februar angekündigt und in der Projektleitung mit Hansi Voigt (Ex-20 Minuten) und Matthias Zehnder (Ex-BZ) prominent besetzt, bekommt das neue Online-Medium jetzt erste erkennbare Konturen.

Manuel Bertschi, Präsident des Vereins Medienzukunft als Träger, hat in einem am Dienstag vertwitterten Interview mit Persönlich.com organisatorische, personelle und finanzielle Eckdaten skizziert. Er selber ist Anwalt bei der Kanzlei Kellerhals Carrard.

 

Bekannte Namen

Seit dem 1. August arbeiten Redaktion und Geschäftsleitung in einem eigenen Büro in der Basler Markthalle. Just dort ist am kommenden Dienstag eine Podiumsdiskussion zum Thema Schulbildung angekündigt, hinter der das neue Medium steht. Mit dem ersten eigenen Anlass wird der Name publik: «Bajour», was auf Basel und «à jour» anspielt.

Die fest angestellte Redaktion besteht derzeit aus vier Personen, alle mit Erfahrung im regionalen Journalismus, namentlich bei Tageswoche und BZ Basel: Naomi Gregoris, Andrea Fopp, Daniel Faulhaber und Samuel Hufschmid. Für Podien wird zudem Martina Rutschmann mandatiert. Das Team soll laut Bertschi noch wachsen.

Geschäftsführerin ist Sabrina Oberländer, vorher Head of Communications Publikumsmessen Basel der MCH-Group. Sie war so Sprecherin der einst landesweit relevanten Muba, die im Februar ihre Dernière erlebt hat. Der Fokus von Bajour ist derweil regional, aber grenzüberschreitend, daher auch der französische Anklang.

 

Hoffen auf Staatsmittel

Als Kooperationspartner nennt Bertschi das FCB-Magazin Rotblau und das Wissenschaftsmagazin Higgs.ch. Als Basis dafür dient die Nonprofit-Plattform Wepublish, über die demnächst Inhalte technisch einfach ausgetauscht und kuratiert werden sollen. Auch an diesem Projekt ist Hansi Voigt beteiligt: Er hat es angestossen.

Das auffällig unauffällige Auftauchen von Bajour kontrastiert mit den Hypes um andere Medienprojekte. Laut Bertschi wird der Ball betont flach gehalten, um den Erwartungsdruck in Grenzen zu halten. Ein fixes Startdatum gebe es nicht; man beginne fliessend – auch die Website ist noch nicht fertig. «Im Verlauf des Herbstes» gehe es los.

Zeit lassen kann sich Bajour dank einer Anschubfinanzierung der Stiftung für Medienvielfalt, die das Projekt in den kommenden drei Jahren mit einem Kostendach von jährlich einer Million Franken unterstützt. Diese Mittel stammen letztlich von der früheren Tageswoche-Mäzenin Beatrice Oeri.

Das neue Medium soll werbefrei überleben dank weiteren Stiftungen und Mitgliederbeiträgen des Vereins Medienzukunft. «Auf längere Sicht» hofft Bajour laut Bertschi auf den Staat, auf «öffentliche Fördergelder». Die Einsicht verbreite sich, dass auch Onlinemedien direkt gefördert werden sollten, wozu aber erst eine Rechtsgrundlage zu schaffen ist. «Bis dies soweit ist, dient die Stiftungsfinanzierung zur Überbrückung». (SDA)