Marchand lobt Zügel-Stopp und kündigt Stellenabbau in Bern an

SRG-Direktor Gilles Marchand zeigt sich gegenüber der NZZ am Sonntag zufrieden mit Lösung, mit der man aus einem «Zielkonflikt» herausgekommen sei.

SRF-Direktorin verkündete am Donnerstag, die Umzugspläne der SRF-Radiostudios von Bern und Zürich seien weitgehend begraben (Werbewoche.ch berichtete). Verschiedene Radioredaktionen – darunter «Echo der Zeit», «Tagesgespräch» und «Rendez-vous» – dürfen in der Hauptstadt bleiben. Im Rahmen der neuen Audiostrategie werden voraussichtlich nur der Sender Radio SRF 4 und die Digitalexperten nach Zürich ziehen.

Die SRG gibt damit dem immer stärker werdenden Druck nach. Erst wehrte sich die Belegschaft vehement, drohte gar ein Konkurrenzprodukt zu lancieren (Werbewoche.ch berichtete). Beim SRG-Verwaltungsrat blieben die Proteste jedoch ungehört: Er entschied, dass der Umzug wie geplant über die Bühne geht. Der Grund: Mit der Zentralisierung hätte die SRG viel Geld sparen und somit den politisch verordneten Sparauftrag umsetzen können.

Politik macht Druck und erzwingt Kehrtwende

Rückendeckung erhielt die SRF-Belegschaft immer stärker auch aus der Politik. Dass die Medien immer stärker in Zürich zentralisiert werden sollen, stösst in Bern sauer auf. Die ständerätliche Fernmeldekommission (KVF) sprach sich zwar Anfang Mai noch dagegen aus, die Pläne der SRG zu durchkreuzen. Mitte Mai hingegen formierte sich eine starke politische Front gegen das Vorhaben: Parteipräsidenten von links nach rechts forderten die SRG schriftlich auf, die Zügelvorbereitungen auf Eis zu legen, bis die Sachlage geklärt sei. Die Rede war dabei von einem «Affront gegenüber der föderalistischen Schweiz, den Gebührenzahlern und den Regionen».

Mitte Juni dann die definitive Kehrtwende: Der Nationalrat hiess gleich fünf gleichlautende parlamentarische Initiativen gut. Diese verlangen, dass die Radio-Informationssendungen weiterhin schwergewichtig in Bern und Lausanne und die TV-Informationssendungen in Zürich und Genf produziert werden müssen. Der Nationalrat entschied damit nicht nur gegen die ständerätliche Fernmeldekommission, sondern auch gegen die eigene vorberatende Kommission.

Der politische Rückenwind mobilisierte in der Folge die Stadt und den Kanton Bern. Nach dem «deutlichen Signal» aus dem Nationalrat seien die Vorbereitungen zu stoppen, so die Forderung. Diese verfehlte – wie eingangs beschrieben – die Wirkung nicht.

Politische Einmischung soll Ausnahme bleiben

Nun nimmt SRG-Direktor Gilles Marchand Stellung. Gegenüber der NZZ am Sonntag schreibt er, man habe eine «professionelle Lösung gesucht und gefunden, um aus einem Zielkonflikt herauszukommen. Einem Zielkonflikt zwischen professionellen Anforderungen an die Entwicklung der Medien und der Effizienz auf der einen Seite und politische Erwartungen an den Föderalismus auf der anderen Seite».

Gleichzeitig weist Marchand darauf hin, dass die SRG das Gesetz über die Standorte des öffentlichen Rundfunks weiterhin bekämpfen werde. Mit anderen Worten: Ein weiteres Mal will man sich nicht von der Politik reinreden lassen, wenn es um wirtschaftliche Entscheidungen bezüglich der Standorte geht. Ein Gesetz, welches der SRG vorschreibt, wo sie ihre Studios zu betreiben hat, wäre für die SRG «gravierend» und «angesichts der Entwicklung der Medien und der digitalen Realität völlig anachronistisch», so Marchand.

Zudem kündigt der Direktor an, dass in den Berner Radiostudios mit Stellenabbau gerechnet werden müsse. Insgesamt will die SRG in Bern nämlich fünf Millionen Franken einsparen, drei davon beim Radio. «Wir werden Auswirkungen auf die Arbeitsplätze vermutlich nicht vermeiden können», so die wenig optimistische Prognose von Marchand.