NZZ am Sonntag spottet über Tamedias Filmprojekt «Switzerländers»

Tamedia habe mit dem Filmprojekt «Switzerländers» einen Ladenhüter eingekauft, schreibt die NZZ am Sonntag. Die Autoren lassen kein gutes Haar am Filmprojekt, für das die Tamedia-Titel aktuell die Werbetrommel rühren.

PR Tsunami Switzerländers

Ringier und SRF hätten das Projekt abgelehnt, nun habe der Ladenhüter doch noch einen Käufer gefunden, spotten die Autoren Denise Bucher und Peer Teuwsen in einem Kommentar in der NZZ am Sonntag. Bereits 2017 sei das Dokumentarfilmprojekt des Schweizer Produzenten Stephan Anspichler SRF angeboten, damals noch unter dem «vergleichsweise schönen Namen» «Switzerland in a Day».

SRF habe aus verschiedenen Gründen abgelehnt, wie das Medienhaus gegenüber der Zeitung erklärt. Erstens sei der Finanzierungsplan zu undurchsichtig gewesen ausserdem sei SRF das Format «etwas veraltet» vorgekommen. So werde beispielsweise der Trend zum vertikalen Video vernachlässigt und nur im Querformat gedreht. Ausserdem habe man das Projekt eher im Web gesehen als im Kino.

Für die Schweizer Version des 2011 von Ridley Scott erstmals lancierten und seither in mehreren Ländern durchgeführte Format sei Regisseur Dani Levy abgesprungen, Michael Steiner ersetzt ihn. Im Gegensatz zu Scotts Original, an dem sich 80'000 Menschen beteiligten, sei das Interesse hier gering, schreibt die NZZ am Sonntag. Der «PR-Tsunami» von 20 Minuten und Tages-Anzeiger habe die Wirkung bisher verfehlt. Es habe bisher kaum Einsendungen gegeben und was eingereicht wurde, sei unbrauchbar, sage ein «Insider».

«Man möchte nicht in der Haut von Michael Steiners Cutter stecken. Auch nicht in derjenigen des Regisseurs, der seinen Namen für diese Hobbyvideokompilation hergeben muss», kanzeln die Autoren das gross angekündigte Projekt ab.

Und falls «das grösste Kinoprojekt der Schweiz» ein Reinfall werde, profitiere Tamedia dennoch – nämlich von den Daten der Registrierung, die für personalisierte Marketing- und Werbe-Massnahmen weiterverwendet werden dürfen.

Ob «Switzerländers» zum Erfolg wird oder wie von NZZ am Sonntag prognostiziert floppt , wird die Zukunft zeigen. Das Projekt ist erst angelaufen (Werbewoche.ch berichtete). 2020 soll es im Kino gezeigt werden.