Presserat kritisiert 20 Minuten – Pendlerzeitung gelobt Besserung

Von Microspot gesponserte Test-Berichte in 20 Minuten waren unzureichend deklariert. Die Pendlerzeitung will künftig klarer kennzeichnen.

20 Minuten Kooperation Microspot.ch Presserat

Am 6. Mai 2019 publizierte 20 Minuten zwei Produktetests in der Printausgabe. Tester «Gadget Gab» nahm zwei Produkte aus dem Microspot-Sortiment unter die Lupe: Eine Schnarchmaske und ein Wasserfilter. Der Aritkel war im normalen 20-Minuten-Layout aufgemacht, verzichtete auf kritische Aspekte der Produkte und verwies am Ende darauf, dass diese auf Microspot.ch erhältlich seien. Der Online-Shop habe die beiden getesteten Geräte zur Verfügung gestellt, war ausserdem zu lesen. Unter dem «Artikel» ein normales Inserat, welches die beiden Produkte aus dem Microspot-Sortiment bewarb.

Von der Schweiz am Wochenende auf die besagte Seite angesprochen, kritisiert der Presserat das Vorgehen der Pendlerzeitung. Man müsse, so Geschäftsführererin Ursina Wey, davon ausgehen, dass es sich «um eine für die Leserschaft völlig ungenügend deklarierte Kooperation zwischen 20 Minuten und Microspot handelt». Für Wey ist klar: Der Artikel müsste als Werbung gekennzeichnet sein.

Kennzeichnung wird angepasst

Bei Tamedia bestätigt man, dass es sich um eine Kooperation mit Microspot handle und dass die Inhalte von der Tamedia-Werbeabteilung erstellt würden. «Gadget Gab» sei hingegen ein freier Mitarbeiter und würde Microspot-Produkte auf 20min.ch «durchaus auch kritisch» bewerten.

Die Kritik des Presserats nehme man aber ernst und werde die Kennzeichnung in der Printausgabe künftig anpassen, um die Transparenz zu erhöhen, so das 20-Minuten-Mutterhaus.

«Ganz auf verschleiernde Wortgebilde verzichten»

Ob die Pendlerzeitung die Tests künftig mit «Werbung» kennzeichnen wird, bleibt abzuwarten und ist zumindest fraglich. Ginge es nach dem Presserat, wäre dies jedoch der korrekte Weg. Die Selbstregulierungs-Instanz hat sich kürzlich ihm Rahmen einer Native-Ad-Rüge an Blick.ch zum Thema Deklaration geäussert (Werbewoche.ch berichtete). Grundsätzlich empfiehlt der Presserat demnach, ganz auf die den werblichen Charakter verschleiernden Wortgebilde «In Kooperation mit...» oder «Sponsored Content» zu verzichten. Diese würden das Vertrauen der Leserschaft in den Journalismus untergraben. Verlage sollten sie daher stets durch die unmissverständliche wie zutreffende Bezeichnung «Werbung» ersetzen, findet der Presserat.