Politiker fordern mehr Transparenz bei den Nebeneinkommen von SRF-Stars

Manche SRF-Moderatoren verdienen abseits ihres TV-Engagements viel Geld. Politiker aus allen Lagern fordern nun mehr Transparenz.

Bis zu 10'000 Franken muss man laut Schweiz am Wochenende bezahlen, wenn man über eine Agentur wie Show Connection, Premium Speakers oder Speakers einen prominenten SRF-Star für einen privaten Event buchen will. Abgeben müssen diese der SRG von ihren teils beachtlichen Nebeneinkünften aber nichts, weil es im Gegensatz zu zum Beispiel Uni-Professoren keine Abgeltungsregeln gibt.

SRF-Aushängeschilder wie Rainer Maria Salzgeber oder Patrizia Laeri haben zur Abwicklung ihrer Nebengeschäfte gar eigene Firmen gegründet – das wirke sich steuerlich günstig aus, schreibt die Schweiz am Wochenende. SRF-Sprecherin Andrea Wenger entgegnet, die Firmen würden «rein aus administrativen Gründen» betrieben.

No-Billag lässt Diskussion neu aufflammen

Am intransparenten Umgang mit den Nebeneinkünften stören sich zahlreiche Politiker. Der Ex-Medienminister Moritz Leuenberger forderte bereits 2010, dass ein Teil der Nebeneinkünfte an die SRG zurückfliessen soll. Grund: Beim Marktwert der Moderatoren handle es sich um gebührenfinanzierten Mehrwert. Der damalige SRG-Direktor Roger de Weck winkte ab. Das sei ein «Geben und Nehmen» – die SRG habe Erfolg dank charismatischen Moderatoren.

Im Rahmen der No-Billag-Diskussion kommt nun Leuenbergers Forderung wieder auf den Tisch – und erhält Zuspruch aus allen Lagern. Gefordert wird mehr Transparenz. Die beiden linken Nationalräte Cédric Wermuth und Bastien Girod würden gar eine Offenlegung und Obergrenze der Nebeneinkommen begrüssen.

SVP-Nationalrat Claudio Zanetti ist ganz auf Leuenbergers Linie: Ein grosser Teil der Nebeneinkünfte müsse zwingend an die SRG zurückfliessen, fordert er.

Rückendeckung von Candidas und Matter

Anderer Meinung ist hingegen Martin Candidas von der CVP: Es handle sich nicht um eine politische, sondern um eine unternehmerische Frage – folglich müsse die SRG selbst entscheiden, wo die Grenzen seien.

SRG-Sprecher Edi Estermann nimmt die TV-Stars und ihre Nebeneinkünfte gegenüber der Schweiz am Wochenende in Schutz. Seine Argumentation: Die Moderatoren verdienten mit ihren Redaktoren-Arbeitsverträgen bei der SRG branchenübliche Journalistenlöhne und arbeiteten oft Teilzeit. Es sei also legitim, dass sie in ihrer Freizeit Nebenbeschäftigungen nachgehen würden, ist Estermann überzeugt. Allerdings weist er auch auf die strengen Richtlinien hin, welche die erlaubte Art von Nebenbeschäftigungen in den Unternehmenseinheiten regeln.

Auch für SVP-Politiker Thomas Matter bilden die SRG-Nebeneinkommen «kein staatspolitisches Problem». Hinter den Glamourauftritten stecke viel Arbeit, findet er. Ihn stören vielmehr die Gehälter der SRF-Spitze, welche teilweise höher seien als der Lohn eines Bundesrates. (hae)

Fotos: SRF