Fach-Chinesisch: Was bedeutet eigentlich «Package»?

Benno Maggi erklärt in seiner Kolumne «Fachchinesisch» Begriffe aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich.

Weihnachten ist zwar noch weit entfernt, doch über «Päckli» oder eben Packages wird grad allerorts heftig debattiert. Fragen wie «Was ist das Package? Stimmt das Package? Was fehlt im Package?» sind in den Umfragen, Diskussionen und Forderungen rund um Arbeitswelt 4.0 sehr präsent.

Aber alles der Reihe nach: Seinen Ursprung hat das Wort – wie sollte es auch anders sein – bei den Unternehmensberatern, die auf ihren Folien zu Umstrukturierungen Packages schnürten für die, die von den Veränderungen in einer Organisation profitieren und für die, die zu den Verlierern zählen würden. Compensation Packages – die Rede war und ist hier von Geld, Beförderungen, Titeln, Sabbaticals, Frühpensionierungen, Kündigungen und anderen Massnahmen, die in den Papieren von Unternehmensberatungsfirmen wie McK, BCG, Bain, PWC, EY und Co. den Managements präsentiert wurden. Von da ging das Wort den üblichen Weg, den solche Wörter gehen: Erst runter in die Middle Managements der Konzerne und von da in die Büros der Dienstleister, zu denen Marketing-, Werbe- und Kommunikations-Agenturen nun halt mal auch gehören.

Die Privatisierung eines Begriffs

Mittlerweile reden auch Privatpersonen von Packages. Angefangen bei jungen Arbeitnehmenden in Interviews und Lohnverhandlungen, für die monetäre Kompensation nur mehr ein Teil des Packages darstellt. Sinnhaftigkeit und Teamfit, flexible Arbeitszeitmodelle, Remote-Working-Optionen, Kinderbetreuungsunterstützung, ÖV-Fahrspesen-Entschädigung und vieles mehr sind vor allem jungen und gut ausgebildeten Mitarbeitenden ebenso wichtig wie Geld. Gefolgt von Studierenden, die von Packages reden, wenn sie beim Punkte sammeln für ihre Bachelor und Master Degrees Freizeit und Studium optimieren wollen.

Aber wenn dann sogar Mittelschüler vom Package reden, das nicht stimme, wenn sie meinen, dass der Freund oder die Freundin, von der man sich grad trenne, einfach nicht den eigenen Vorstellungen entspräche, dann ist das Wort definitiv im Mainstream des 21. Jahrhunderts angekommen.

 

*Der Autor: Benno Maggi ist Mitgründer und CEO von Partner & Partner. Er hatte im NZZ Folio die Rubrik «Vom Fach» ins Leben gerufen und während Jahren betreut. Er präsentiert und entschlüsselt Worte und Begriffe, die entweder zum Smalltalken, Wichtigtun, Aufregen, Scrabble spielen oder einfach zum Spass verwendet werden können.