Fachchinesisch: Was bedeutet eigentlich «AI»?

Benno Maggi erklärt in seiner Kolumne «Fachchinesisch» Begriffe aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich.

Die Zukunft der Branche steht und fällt mit diesem Akronym. Das A steht für «Artificial», das I für «Intelligence» und ausgesprochen wird es «Ei-Ai». Gemeint damit ist alles, was – nicht direkt von Menschenhand erschaffen – dafür sorgt, dass wir Suchbegriffe, Kampagnenausspielung, Kundenverhalten und andere Marketingmassnahmen laufend optimieren können und müssen. Der kleine Bruder der Abkürzung heisst KI, wird Deutsch ausgesprochen und steht für «Künstliche Intelligenz». Damit meint sie dasselbe, definiert aber den Benutzer anders: Während KI etwas hölzern und bedrohlich wirkt, schwingt bei AI immer etwas Sinnliches mit. Dies hat weniger damit zu tun, dass der im Juni 2001 gelaunchte gleichnamige Film von Steven Spielberg die Welt verzückt hatte und knapp 250 Mio. Dollar einspielte, als dass der angelsächsische Zugang zu dieser Thematik entspannter scheint als der deutsche.

Sprachwahl wird zur Glaubensfrage

Während im deutschen Sprachraum die ethischen Diskussionen zum Thema ähnlich hohe Wellen schlagen wie jene über den Datenschutz, ist in der angelsächsischen Welt die Verführung, aus AI Kapital zu schlagen und die Angst vor dem AI-Monster China zu gross, als dass man das Thema rückwärtsgewandt angehen würde. Dass Deutschmuttersprachler vor KI zurückschrecken, mag seinen Ursprung in der Vergangenheitsbewältigung haben und historisch berechtigt sein, hält aber den Einsatz künstlicher neuronaler Netze nicht auf. Und auch wenn Spielbergs AI damals viel weniger knuddelig war als sein noch erfolgreicherer ET, ist sie immer noch charmanter als KI. Wer also AI sagt, hat eher den Hang zur Verniedlichung. Wer KI sagt, outet sich als rückwärtsorientierter Bedenkenträger. Wer aber «Kei-Ei» sagt, outet sich definitiv als unwissender Nachplapperi.

 

*Der Autor: Benno Maggi ist Mitgründer und CEO von Partner & Partner. Er hatte im NZZ Folio die Rubrik «Vom Fach» ins Leben gerufen und während Jahren betreut. Er präsentiert und entschlüsselt Worte und Begriffe, die entweder zum Smalltalken, Wichtigtun, Aufregen, Scrabble spielen oder einfach zum Spass verwendet werden können.