Das war Inbound Boston 2019

Unser Korrespondent Christoph Oggenfuss schreibt heute zum letzten Mal von der Inbound 2019 Digital-Marketing-Konferenz in Boston. Mit über 25’000 Teilnehmenden aus ca. 100 Ländern und 300 Speakern ist die Inbound die grösste Digital-Marketing-Konferenz weltweit.

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Brian Halligan, CEO von Hubspot und Initiant der Inbound-Konferenz, im Gespräch mit Christoph Oggenfuss.

 

Mit dem vierten Tag endet die Inbound Konferenz 2019, es werden letzte Gespräche geführt und Informationen gesammelt. Ich will an diesem Punkt herausstreichen, wie bemerkenswert die Tatsache ist, dass diese Mega-Konferenz von einer mittelgrossen Softwarefirma getragen wird. Gemessen an der Qualität der Konferenz und insbesondere der Relevanz der Themen und Referenten kann man einfach sagen: Hubspot sei Dank!

Konferenzmässig ist heute das Programm bereits ausgedünnt, und so nutze ich die Gelegenheit für ein Interview mit einer spannenden Persönlichkeit: Dem CEO von Hubspot, Brian Halligan (Bild).

Als CEO von Hubspot, einer Digital-Marketing-Software-Firma, verantwortet Brian Halligan ein Unternehmen, das 15 Jahre nach seiner Gründung global eine halbe Milliarde Umsatz erwirtschaftet und an der New Yorker Börse kotiert ist.

 

MK: Brian, du hast an deiner Keynote am Mittwoch von Experience Disruption als neues Phänomen gesprochen. Ein weiteres Buzzword oder steckt mehr dahinter?

Brian Halligan: Es steckt fraglos mehr dahinter; ich stelle das ja täglich an meinen eigenen Gewohnheiten fest. Ich fahre nicht mit meinem eigenen Wagen zur Arbeit, sondern mit dem Service von Lyft. Als leidenschaftlicher Gitarrenspieler und Musikliebhaber habe ich mich von iTunes verabschiedet und schätze Spotify, und meine Rasierklingen kaufe ich nicht mehr im Laden – die werden mir von Dollar Shave Club bedarfsgerecht zugestellt.

Das macht doch deutlich, dass sich unsere Kauf- und Lebensgewohnheiten fundamental verändert haben, und ich denke, wir stehen da erst am Anfang. Die neuen Marktspielregeln haben weniger mit dem Produkt, sondern vielmehr mit dem Gesamterlebnis und der Einfachheit des Zugangs und der Abwicklung zu tun.

 

Welchen nächsten Entwicklungsschritt strebst du mit Hubspot an?

In den vergangenen 15 Jahren haben wir eine moderne und leistungsfähige CRM-Software für Marketing, Verkauf und Service entwickelt und erfolgreich bei Kunden implementiert. Unsere Ambition ist es, dass daraus eine echte Digital-Marketing-Plattform wird, die mehr und mehr den Charakter eines Ökosystems annimmt.

Damit meine ich, dass sich unsere Geschäftspartner andocken können, dass die Möglichkeit besteht, dass Kunden die für sie relevanten Apps anbinden können – also eine offene Verbundlösung mit einer durchdachten Architektur.

 

Was kommt nach Inbound-Marketing?

Das Internet hat für das Marketing völlig neue Lösungsansätze geschaffen und Chancen eröffnet, mit tiefen Eintrittsbarrieren und überschaubaren Kosten neue Dinge zu realisieren.

Uber oder Airbnb haben das eindrücklich unter Beweis gestellt und gezeigt, welche Kraft im Inbound-Marketing liegt. Ich bin überzeugt, dass sich der Wettbewerb inskünftig weniger um das Produkt dreht, sondern vielmehr um den Service und die damit zusammenhängende Convenience. Oder anders ausgedrückt: wenn ich den Service für den Kunden verbessere, erreiche ich wettbewerbsmässig mehr, als wenn ich das Produkt noch einen Zacken besser mache. Die Differenzierung bewegt sich in ein neues Feld.

 

Wenn Hubspot eine Auto-Marke wäre, welcher Brand wäre es?

Schwer zu sagen – ich denke Tesla in fünf Jahren. In fünf Jahren daher, weil bis dann die Preise auch auf einem moderaten Niveau sein werden – oder müssen –, und weil dann Tesla nur noch so viel verspricht wie gehalten werden kann! 

Danke Brian für dieses Gespräch und dein Engagement für diese Konferenz.

 

Wenn ich zum Schluss meiner Berichterstattung versuche, die vier Tage Inbound 2019 auf den Punkt zu bringen, tönt das wie folgt:

  • Mit aller Faszination für die verfügbare Technologie – der Fokus gehört dem Kunden und den Mitarbeitenden
  • Marketing-Profis müssen zu sogenannten «Friction-Spotters» werden – dem Kunden jegliche Steine aus dem Weg räumen
  • AI muss nicht nur taktisch mit konkreten Anwendungen verstanden werden, sondern einer Marketing-strategischen Logik folgen
  • Jede AI-Anwendung muss auch ethischen Anforderungen gerecht werden  

* Christoph Oggenfuss ist CE-Owner von Markiting Zürich.