Digital-Marketing im Spannungsfeld sich beschleunigender Disruption

Unser Korrespondent Christoph Oggenfuss schreibt täglich von der Inbound 2019 Digital-Marketing Konferenz in Boston. Mit über 25’000 Teilnehmenden aus ca. 100 Ländern und 300 Speakern ist die Inbound die grösste Digital-Marketing-Konferenz weltweit.

Der zweite Tag der diesjährigen Inbound-Konferenz fühlt sich wie ein Power-Paket an:

-    26000 Teilnehmende – neuer Rekord!
-    Hunderte von Speakern und mehrere Top-Keynoter
-    Ein grosses Spektrum von Themen

Somit kann der heutige Bericht nicht ein Summary der vielen Beiträge werden, sondern vielmehr eine selektive Auswahl von relevanten Aussagen als gedankliche Anregung.

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Die Inbound 2019 mit 26'000 Teilnehmenden ist fulminant gestartet.

 

Tech-Firmen werden menschlicher

Am heutigen Tag war nicht zu übersehen, dass sich viele Tech-Firmen in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess befinden – nicht hin zu den ultimativsten neuen Technologien, sondern hin zur Wertschätzung der Mitarbeitenden die neben der Arbeit ein Privatleben, eine Familie usw. zu bewältigen haben. Sehr eindrücklich und anschaulich hat das der Gründer von Reddit, Alexis Ohanian – einer bedeutenden Community-Plattform – dargestellt. Er konnte an seinem eigenen Beispiel deutlich machen, dass er erst als junger Familienvater begriffen hat, dass die Balance und Flexibilität zwischen Arbeit und Freizeit fundamental für den Unternehmenserfolg ist. Reddit ist immerhin die drittgrösste Website der USA und Alexis als Gründer und CEO dieser Firma hat sich exemplarisch die drei Monate Elternurlaub genommen und dabei viel gelernt und den Mitarbeitenden gezeigt, dass das auch für den CEO machbar ist. Er rief am Schluss seiner Keynote allen (Tech-) Firmen zu: werdet menschlicher und damit erfolgreicher.

 

Marketer werden zu «Friction Spotter»

Nicht was du verkaufst, sondern wie du verkaufst macht den Unterschied. Diesem Satz ging Emily Haahr, Vice President Global Support&Service von Hubspot auf den Grund. Sie erklärte, dass viele uns bekannten Disruptionen von Firmen wie Uber, Lyft, Spotify zum Erfolg kamen, weil diese Brands es verstanden haben den Menschen Friktionen aus dem Weg zu räumen. Seien es die lästigen physischen CD’s, das umständliche Bestellen und bezahlen eines Taxis usw.

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CD-Regale – das war einmal.

 

Marketer tun also gut daran, in den bestehenden Kundenprozessen Friktionen aus sich des Kunden auf zu spüren und Lösungen für deren Beseitigung zu finden. Gerade das Gebiet des Self-Service ist eine Fundgrube für die Beseitigung von Friktionen; sei das durch das Angebot von FAQs auf der Website, Bereitstellen einer intelligenten Contentmanagement-Lösung die für Kunden 7/24h zur Verfügung steht, oder auch die Vernetzungsmöglichkeit von Kunden in Peer-to-Peer-Communities die die Firma entlasten und den Lösungsweg beschleunigen kann. Somit ist die moderne Marketing-Abteilung gefordert möglichst viele Friction-Spotter unterwegs zu haben.

 

Eine neue Spezies von Disruptoren am Horizont

Der von Harvard-Professor Clayton Christensen in den Neunzigerjahren eingeführte Begriff Disruption ist mittlerweile völlig abgegriffen und zu Unrecht in Misskredit geraten. Der CEO von Hubspot Brian Halligan konnte aber in seiner Keynote deutlich machen, dass wenn wir von Disruption sprechen jeweils die üblichen Verdächtigen wie Netflix, Uber, Spotify meinen – also alles Tech-Firmen. In einer kürzlich durchgeführten Studie zu diesem Thema kommt er aber zum Schluss, dass es eine neue Art von Disruptoren gibt und dessen Anzahl entwickelt sich rasant. Es sind sogenannte Experience-Disruptoren – Firmen die nicht versuchen ihr Produkt noch etwas besser hinzukriegen, sondern Unternehmen die es schaffen, das Interaktionserlebnis mit den Kunden auf eine völlig neue Ebene zu bringen. Die US-Firma Carvana hat das in kurzer Zeit geschafft und ist zu einem der grössten Auto-Händler aufgestiegen. Der Lösungsansatz ist das Auto wie aus dem Getränkeautomaten zu kaufen mit Hauszustellung und Rückgabemöglichkeit in den ersten sieben Tagen.

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Experience-Disruption beim Autokauf am Beispiel Carvana.

 

Nun bin ich schon gespannt, was uns am morgigen Tag an der Inbound erwartet.

Christoph Oggenfuss ist CE-Owner MarkITing Zürich