GDI-Abendveranstaltung: Ist unser Wachstum endlich?

Die Abendveranstaltung am Gottlieb Duttweiler Institute in Rüschlikon am 26. August hat gezeigt, dass das Thema Wachstum die Leute bewegt. Mathias Binswanger und David Bosshart haben das Thema Wachstum nicht nur in einen historischen Kontext gestellt, sondern auch veranschaulicht, wie schwierig bis unmöglich es ist, aus der aktuellen Wachstumsspirale auszubrechen.

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Abschlusspanel mit den Referenten Prof. Binswanger und Dr. Bosshart

 

Historisch gesehen ist Wachstum ein junges Phänomen – es hat erst im 19. Jahrhundert eingesetzt. In der früheren Agrarwirtschaft wurde das Wachstum durch die endliche Bodenfläche limitiert. Erst mit der Industrialisierung wurde diese Beschränkung zunehmend nebensächlich – und ein starkes Wachstum konnte sich entfalten. 

Wachstum als Chance?

Bis vor kurzem wurde mit dem Begriff Wachstum etwas Positives in Beziehung gebracht. Die Eltern waren überzeugt, dass dank des kontinuierlichen Wachstums die nachfolgende Generation ein besseres Leben haben werde.

Dieser Optimismus ist zunehmend am verfliegen; Bürger in entwickelten Industrienationen machen sich Gedanken, ob unser Ressourcenverbrauch ethisch vertretbar und nachhaltig sei. Aktuelle Studien belegen, dass der bisherige direkte Zusammenhang zwischen Wachstum und Glück nicht mehr gegeben ist. Diese Sättigungserscheinung bringt immer mehr Menschen zum Nachdenken und dazu, die Dinge zu hinterfragen.

Bedürfnisdeckung?

Ging es in den vergangenen Jahrzehnten darum, durch Wachstum Bedürfnisse abzudecken, sind wir heute in einer Situation, in der zu viele Produkte im Angebot krampfhaft Abnehmer suchen. Marketing und Kommunikation werden vermehrt zu Erfüllungsgehilfen der Bedürfnisweckung. Professor Binswanger bezeichnete es als postmodernes Wirtschaftswunder, dass sich für das gigantisch grosse Produkteangebot überhaupt noch Käufer finden lassen.

Ausbrechen aus der Wachstumsspirale

Natürlich konnte vor dem Besuch der Veranstaltung nicht erwartet werden, dass die beiden Referenten den Weg aus der gefährlichen Wachstumsspirale aufzeigen könnten. Vielmehr konnten beide Exponenten darlegen, dass eine Abkehr vom Wachstumskurs aus verschiedenen Gründen nicht realistisch sei. Drei Gründe seien hier für viele weitere stellvertretend aufgeführt:

  • Die Erwartung der Aktienmärkte an das Wachstum der börsenkotierten Unternehmen
  • Das ständig steigende Geldmengenwachstum und die damit zusammenhängende Entwertung des Geldes
  • Die Vernetztheit der Volkswirtschaften durch die Globalisierung.

Vor dem Hintergrund stellt sich für Marketingfachleute zunehmend die Frage, ob die bisherige Aufgabe des Marketings, als Absatzstimulator zu wirken, inskünftig noch zutreffend und vertretbar ist.