Marketing-Gespräche: Das Geheimnis von authentischem (Self-) Marketing

Die zweite Ausgabe der Marketing-Gespräche von MK und Werbewoche war ein Erfolg: Trotz hochsommerlichen Temperaturen kamen an die siebzig Besucher ins Zürcher Kosmos, um Experten über das Thema (Self-)Marketing sprechen zu hören.

Marketing-Gespräch 2019 Kosmos Zürich

«Der Abend hat mich sehr inspiriert, die Referentin und die Podiumsgäste haben uns neue Einblicke in die Welt des (Self-) Branding gegeben. Und gelernt habe ich, dass wir die Pippi Langstrumpf in uns gut pflegen sollten, denn als Erwachsener versuchen wir oft, dieses Authentische wieder zu erlangen, aber dann ist die Vernunft im Weg», so Anna Kohler, Publizistische Leiterin von MK und Werbewoche (Bild unten), rückblickend auf die zweite Austragung der Marketing-Gespräche.

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Das Kosmos-Forum war trotz Aussentemperaturen von über dreissig Grad bestens gefüllt – fast siebzig Gäste fanden den Weg zum Event. Dort hörten sie neben einem Input-Referat der Bestseller-Autorin Petra Wüst auch ein kurzerhand zum Pool-Gespräch umfunktioniertes Podium mit sehr unterschiedlichen Akteuren: der Wirz-Co-CEO Petra Dreyfus, dem Kleidermacher Gerold Brenner und dem Serviceplan-Suisse-CEO Christian Baertschi.

Petra Wüst: Selling & Emotionen

Als Autorin und Coach (unter anderem «Profil macht Karriere», «Sei frech, wild und wunderbar») widmet sich Petra Wüst in ihrer Basler Praxis seit mehr als vierzehn Jahren den Grundlagen von authentischem Eigenmarketing. In ihrem Input-Referat fasste sie zwei wichtige Pfeiler ihrer Arbeit zusammen: Wer erfolgreich sein wolle, müsse lernen, einerseits seine Fähigkeiten zu verkaufen («Unique Selling Proposition»), andererseits überlegen, welche Gefühle er bei seinen Mitmenschen auslösen wolle («Emotional Selling Proposition»).

Petra Wüst Marketing-Gespräche

Black Cat’s Smoking

Nach Wüsts Referat betrat die Zürcher Folk-Band «Black Cat’s Smoking» die Bühne und sorgte für eine musikalische Unterbrechung des Programms. Von Anna Kohler anschliessend auf ihr Selbst-Marketing angesprochen, sagte das Duo: «Wir würden uns für einen grossen Plattendeal vielleicht ein bisschen anpassen und auf die Ratschläge kompetenter Produzenten hören –  aber dabei immer authentisch bleiben. Das bedeutet: Zu einem neuen Justin Bieber und einer neuen Taylor Swift werden wir definitiv nie werden.»

Black Cat's Smoking

Karriere und Authentizität

Das folgende Podium, als Kamin-Gespräch angekündigt und von Moderator Johannes Hapig kurzerhand zum Pool-Gespräch umfunktioniert, brachte drei sehr unterschiedliche Akteure zusammen: Die «Werberin des Jahres» 2019, Petra Dreyfus, den Kleidermacher und Trendexperten Gerold Brenner und den Serviceplan-Suisse-CEO Christian Baertschi. In zwei Blöcken sprachen die drei Marken- und Marketingprofis zunächst über ihre eigene Karriere und die Rolle, die Authentizität darin gespielt hat. Gerold Brenner, der im Alter von fünfzig Jahren nochmal einen beruflichen Neustart hinlegte, erinnerte sich: «Ich war nicht mehr kreativ, bin in eine berufliche Sackgasse geraten. Ein Cut musste her. Heute bin ich mich selbst – und das ist das Wichtigste.»

Christian Baertschi erklärte, dass es auch aus Agentursicht wichtig sei, den eigenen Werten treu zu bleiben und sich nicht zu verbiegen: «Eine Zusammenarbeit zwischen Kunde und Agentur muss von Anfang an auf einem guten Fundament stehen. Wenn man merkt, dass man nicht die selben Ziele verfolgt, muss man gleich zu Beginn – also auch vor einem eventuellen Pitch – sagen: Wir glauben, die Zusammenarbeit macht zum jetzigen Zeitpunkt nicht viel Sinn.»

Als das Gespräch auf die Bildung von authentischen Marken kam – und damit den Rahmen des Persönlichen verliess – verriet Petra Dreyfus einige Grundlagen ihrer Arbeit bei Wirz: «Ich werde immer wieder gefragt, wie authentisch ich sein könne, da eine Agentur eine Art Sklave des Kunden sei. Meine Erfahrung zeigt aber, dass Kunden sehr wohl authentische Antworten wollen. Sie zahlen mich ja nicht, damit ich ihnen sage, sie seien super und machten alles richtig. Sie wollen ja einen Spiegel vorgehalten bekommen und eine ehrliche Meinung hören.»

Marketing-Gespräche 2019

Apéro lässt Abend ausklingen

Auf den offiziellen Teil der Marketing-Gespräche folgte ein ungezwungener und inspirierender Apéro Riche, der nicht nur kühle Getränke, sondern auch viele gute Gespräche und Networking-Möglichkeiten brachte. Der zweite Teil der diesjährigen Event-Serie von MK Werbwoche war - trotz Sommerhitze - ein positiver Vorbote des dritten Marketing-Gesprächs Ende September 2019 zum Thema «Back to the Future. Marketing zwischen AI, Automatisierung und Influencertum.»

Apéro Marketing-Gespräche Kosmos
Marketing-Gespräche

Tobias Fueter, Stories, Petra Dreyfus, Wirz und Lisa Melnikova, Swisscom (v.l.) beim anschliessenden Apéro. Die Bilder zum Event finden Sie in der Werbewoche 6/7 2019 (Text: Johannes Hapig; Thomas Häusermann; Fotos: Thomas Häusermann)