Uni-Sponsoring liegt im Trend – stösst aber auch auf Kritik

Besonders die Uni Basel setzt immer mehr darauf, dass Firmen und Private ihre Lehrstühle sponsern. Nur so lasse sich das Forschungs-Niveau halten, ist man überzeugt. Kritiker finden das problematisch.

Universität Basel Sponsoring

Vifor Pharma sponsert die Uni Basel – ganz so dominant wie auf der Montage tritt das Unternehmen aber nicht auf (Foto: Uni Basel, Montage: Werbewoche).

 

Wie die NZZ am Sonntag berichtet, hat Andrea Schenker-Wicki, Rektorin der Uni Basel, in der vergangenen Woche einen Vertrag über 10 Millionen Franken mit dem Unternehmen Vifor Pharma unterschrieben. Zwei Lehrstühle sollen sich zehn Jahre lang mit der Zulassung von Nanopharmazeutika befassen. Vifor ist Pionier in diesem zukunftsträchtigen Pharma-Bereich – Probleme bereiten jedoch die Zulassungs-Prozeduren, da klare Kriterien fehlen. An der Uni Basel sollen nun Grundlagen für die Zulassung erarbeitet und Behörden weltweit zur Verfügung gestellt werden,

Für Vifor ein lohnendes Geschäft: Die aufgewendete Million pro Jahr entspricht gerade einmal 0,5 Prozent der jährlichen Forschungsausgaben der Firma.

 

Niveau lässt sich nur dank Sponsoring halten

Wie die NZZ am Sonntag schreibt, kommen immer mehr Firmen auf den Geschmack des Uni-Sponsorings. So erhält die Uni Basel mittlerweile 45 Millionen Franken pro Jahr von Firmen und Stiftungen – vor zehn Jahren waren es noch 29 Millionen. Die Uni Zürich erhält 122 Millionen, die Uni Bern 30 Millionen Franken pro Jahr. An der ETH Zürich sind 26 der 500 Professuren fremdfinanziert.

Geht es nach Rektorin Schenker-Wicki, ist das erst der Anfang. Sie will die private Lehrstuhl-Finanzierung noch weiter ausbauen. Nur so, sagt sie, könne man sich in Zukunft noch entwickeln und das hohe Forschungsniveau halten. So hat kürzlich auch Novartis 100 Millionen Franken zum neu eröffneten Augenheilkunde-Institut beigesteuert.

«Unis sind keine privaten Unternehmen»

Diese zunehmende Abhängigkeit stösst auch auf Kritik. Markus Müller, Staatsrechtsprofessor an der Uni Bern, ist der Meinung, dass Geldknappheit nicht die Annahme von Mitteln rechtfertige, welche die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit einer Uni aufs Spiel setzten. Ausserdem müsse eine Universität nicht um jeden Preis wachsen: «Sie sind keine privaten Unternehmen, das einfach wieder einmal zur Erinnerung.» Seine Forderung: Firmen müssten den Unis das Geld ohne Forderungen betreffend Forschungsthemen und -design überlassen. Wenn Unternehmen dort Geld geben, wo sie selbst wirtschaftliche Verwertungsinteressen haben, sei das «problematisch» und gehe zu Lasten der Glaubwürdigkeit der Unis.

Basel will sich nicht mehr dreinreden lassen

Für die Universität Basel gibt’s also keine guten Noten aus Bern. Dort bezahlte nämlich der Verband Interpharma 2016 nicht nur den Lehrstuhl für Gesundheitsökonomie, sondern bestimmte auch mit, wer zum Professor berufen wurde. Daraus habe man gelernt, entgegnet Rektorin Schenker-Wicki. Vifor rede weder bei den Professuren, noch auf die Forschung und die Verwertung der Resultate mit. Man sei keine «Zudiener der Pharmaindustrie», betont sie.